Fast jeder Käseladen duzt einen. Was soll das?

Was als übergriffiger Gag der Firma Ikea vor Jahren begann, hat sich mittlerweile durchgefressen: Man wird als Gegenüber und Kunde geduzt, auch wenn man nicht damit einverstanden ist. Wurde früher das „Was-gucks-du“ der Klientel aus Südost als Ausweis aufstockungsfähiger Sprachkenntnis überhört, so ist die Duzerei heute auf hochsprachlichem Niveau angekommen: Manche Polizeistationen duzen auf sozialen Plattformen.

Man kann das abtun als Marotte. Man kann es aber auch als systemische Distanzverminderung ansehen, mit der Wirtschaft und Staat dem Bürger auf die Pelle rücken. 

Distanzverlust, massenhafte Hausdurchsuchungen und  digitales Geld gehen in eine Richtung: Wandel des freien Bürgers zum Untertanen

Die Annäherung über das respektlose „Du“ signalisiert dem Bürger, dass er ein Massenprodukt ist, das mit einem „Du da“ und „Ihr da!“ auf den Pott des widerspruchslosen Untertanen gesetzt werden kann. Es ist ein Unterschied, ob man „Sie“ A***loch oder „Du“ A***loch sagt, hieß es früher beim Militär, wo auch der letzte Schütze A*** von keinem General geduzt wurde. Passend zur Nichtachtung des Abstandes ist die massenhafte Verhängung von Hausdurchsuchungen aus oftmals rechtswidrig-banalen Anlässen durch die Justiz. Dem Bürger wird gezeigt, dass er ein Zwerg ist, den man niederschwellig durchsuchen kann. In die gleiche Richtung geht die Abschaffung des Bargeldes, über die der Einzelne von der Administration abhängig gemacht und wirtschaftlich an- und abgeschaltet werden kann.

Ein Bundeskanzler von besonders trauriger Gestalt hielt auf Wahlplakaten ein Pappschild vor den Bauch mit der Aufschrift „Respekt“. Genau den schafft man mit der Duzerei ab. Man liegt mal wieder richtig in der Annahme, dass genau das Gegenteil von dem gemacht wird, was verkündet wurde. Ob „Zeitenwende“ oder Wende zur Respektlosigkeit – kein Unterschied.

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