Zschäpe – “Weil ich ein Mädchen bin”

Mitte der 90er Jahre erregte ein flotter Song “Weil ich ein Mädchen bin” viel Aufsehen.

Das Lied stammt aus der Feder der Gruppe Lucilectric, produziert von u.a. Annette Humpe (Ich und Ich). Es stand 23 Wochen auf Platz 2 der Deutschen Singlecharts. Es repräsentierte, wie “Alles nur geklaut” und “Du muss ein Schwein sein” von den Prinzen einen neuen Zeitgeist. Den Zeitgeist, den Nähboden, das Milieu des wiedervereinigten jungen “Neuen Deutschlands”.

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Beate Zschäpe ist da inzwischen 20 Jahre alt. Es ist nicht überliefert, ob Zschäpe diese neue Deutsche Popmusik hörte, sie dürfte den Songs und ihren Inhalten aber kaum entkommen sein. Der Erfolg dieser Lieder fällt in die Zeit, als Beate Zschäpe ihre verhängnisvolle Beziehung mit dem 2 Jahre älteren Uwe Mundlos und dem 2 Jahre jüngeren Uwe Böhnhardt beginnt. Sie liebt beide Männer, eine “Menage à trois“.

Heute hat Beate Zschäpe als Hauptangeklagte im Prozess um die Verbrechen des NSU eine dreiundfünfzigseitige persönliche Stellungnahme verlesen lassen. Sie hat sich dezidiert zu der Anklage und den Tatvorwürfen der Bundesanwaltschaft geäußert, dabei ihre Mitwisserschaft an den 10 Morden und eine Brandstiftung gestanden. Sie beendete damit ein mehr als 2 Jahr dauerndes Schweigen vor Gericht.

Das Geständnis bzw. ihre Einlassung müssen im prozessualen Kontext verstanden werden. Sie will, so weit es ihr möglich ist, ihren Kopf retten. Wie weit die Einlassungen das Gericht überzeugen können, steht auf einem anderen Blatt.

Das Netz hat reagiert und die Empörung ist unüberhörbar. Der NDR Journalist Patrick Gensing gibt den Ton an, er kommentierte für die Tagesschau die Einlassungen Zschäpes unter der Schlagzeile “Mädchen in deutscher Tradition”.

Gensing gehört zu den Deutschen Journalisten die sich die genaue Beobachtung der Nationalkonservativen auf die Fahne geschrieben hat. Das ist sein gutes Recht, sein von ihm gewählter Content.

Er sieht die Wirklichkeit, besonders wenn sie schwarz-rot-gold daher kommt, durch die braune Brille, so auch die Intonation seines Kommentars, der dann folgerichtig, die psychosoziale Handlungskompetenz der Angeklagten als eine typisch deutsche Bewältigungsstrategie charakterisiert.

Als ob psychosoziale Bewältigungsstrategien des Menschen, gerade wenn es um schwerste Schuld geht, einer politischen Agenda folgen.

Menschen, egal wo her sie stammen, eint die Art und Weise, wie sie mit schwerster Schuld umgehen, hier unterscheiden sich Menschen allein in ihren individuellen Charaktermerkmalen, aufgrund unterschiedlicher Sozialisation bzw. Charakterbildung.

Gensing kann das “Mausen” nicht lassen wenn er sagt, dass Frau Zschäpe nicht nur Klischees über Frauen strapaziere, sondern sich in die Traditionslinie der deutschen Schuldverdrängung aus den Jahrzehnten nach der Befreiung vom Nationalsozialismus stellen würde. Er stellt hier eine Verbindung her, die nur aus seiner braun gefärbten Brille Sinn macht.

Es liegt in der Natur der Sache eines jeden Strafverfahrens, dass sich die Angeklagten entweder in Schweigen hüllen, oder ansonsten ein Selbstbild generieren, dass selbstredend nicht selbstvernichtend ausfällt.

Das Maß, das Gensing hier an die Angeklagte anlegt, eignet sich nicht zur Beurteilung, solange die Beweislage andere Interpretationen zulässt, zumal das Beweisverfahren noch gar nicht abgeschlossen ist.

Das Böse ist banal und Täter aller Länder sind in dieser Hinsicht nicht anders und unterscheiden sich nicht bezüglich ihrer nationalen Zugehörigkeit. Das Deutsche Böse gibt es nicht, es ist der Mensch der böse ist.

Der Satz “Der Tod ist ein Meister aus Deutschland” lässt sich, ohne wenn und aber, auch auf Japan oder die Türkei übertragen, besonders dann, wenn aus der Opferperspektive geschaut wird.

Oskar Pistorius meint auch der Härte des Gesetzes entkommen zu können, indem er behauptet nicht seine Freundin hinter der verschlossenen Tür vermutet zu haben – Ist das glaubhaft, das Berufungsgericht glaubt ihm nicht, wie die Erstinstanz. Ist Zschäpe glaubhaft?

Unpersonen, wie Eichmann und auch Breivik fehlt das Mitgefühl für die Opfer ihrer Taten, im Moment der Tat. Es ist der Richter der das Recht hat, die Einlassung in juristischer Hinsicht für glaubhaft oder unglaubhaft zu halten – eine moralische und politische Würdigung steht dem OLG in München nicht zu.

Die politische und moralische Würdigung steht den Historikern und Kolumnisten zu.

Gensing politisiert, was nicht politisch, weil juristisch ist. Er ist es der einen Sachverhalt braun einfärbt, um dann mit dem Finger auf die “braune” Färbung zu weisen.

Beate Zschäpe hat heute kein politisches Statement abgegeben, nicht wie Anders Breivik den Gerichtssaal benutzt für ein politisches Manifest.

Wir könnten das anerkennen und hervorheben, weil es vielleicht auch zeigt, dass dieses Verfahren von der Angeklagten nicht politisch aufgeblasen wurde und wir damit doch näher bei den Opfern sind und den wichtigen Fragen, wie: Wieso diese Opfer? – nur weil sie Ausländer waren und Kiesewetter eine Vertreterin der Staatsgewalt?

Auch nach dieser ersten Einlassung bleiben offene Fragen.

Die Angeklagte hat das Recht, den Versuch zu starten ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sie hat das Recht zu sagen: “ich halte meinen Kopf nicht hin, für die beiden Kerle”, während die sich durch Selbsttötung der juristischen Verantwortung entziehen und sie alleine lassen.

Beate Zschäpe hat sich selbst gestellt, jetzt hat sie sich, auch wenn es zwei Jahre gedauert hat, auf den Vorwurf der Anklage eingelassen.

Es ist die Aufgabe der Anklage ihr zweifelsfrei nachzuweisen, dass ihre Einlassungen falsch und erlogen sind und solange gilt: in dubio pro reo – im Zweifel für die Angeklagte, und nicht nur weil sie ein Mädchen ist.


 

von: Lob’s Metier

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