War die Schweiz ein Unrechtsstaat?

Alle reden darüber, ob die DDR nun ein Unrechtsstaat war oder nicht. Das lenkt ab vom Unrecht der Gegenwart.

Aber wie sieht es eigentlich bei den Nachbarn aus, den Schweizern?

Muss man ein Land nicht auch als Unrechtsstaat bezeichnen, in dem die Frauen keine vollen Bürgerrechte hatten? Bis 1971 ganz sicher, denn erst da wurde das Schweizer Frauenstimmrecht wirksam. Es dauerte ganze zwanzig Jahre, genauer gesagt bis zum 27. November 1990, bis in allen Kantonen teilweise gegen den Widerstand der Männer dieses Gesetz durch Verfassungsbeschwerden der Schweizer Frauen auch umgesetzt wurde. Da war die DDR schon längst Geschichte. Quelle: Wikipedia

Muss man ein Land nicht auch als Unrechtsstaat bezeichnen, in dem Kinder öffentlich auf Marktplätzen zur Verdingung (Kinderarbeit) verkauft wurden? Bis weit in das zwanzigste Jahrhundert war das in der Schweiz der Fall:

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“Jährlich wurden Zehntausende Kinder vorwiegend aus verarmten Familien oder aus Waisenhäusern von den Behörden abgeholt und auf Bauernhöfe verteilt. Dort wurden viele zur Kinderarbeit gezwungen, als Dienstmagd oder Verdingbub ausgebeutet, teilweise schwer misshandelt oder sexuell missbraucht.” Quelle: Wiedergutmachung Schweiz

Muss man ein Land nicht auch als Unrechtsstaat bezeichnen, in dem man Angehörigen von Minderheiten die Kinder weggenommen hat, ihnen das Recht auf Eheschließung einschränkte, damit sie sich nicht weiter vermehrten? Für die Jenischen war das mindestens bis 1973 der Fall. Unter den zahlreichen Verdingkindern befanden sich viele Angehörige dieser Minderheit. Ob hier sogar die Kriterien für Völkermord zutreffend sind, darüber wird heute noch diskutiert. Auch Zwangssterilisierungen dieser Volksgruppe hat es gegeben. Quelle: Romasintigenocide.eu

Muss man ein Land nicht auch als Unrechtsstaat bezeichnen, wenn sein Geschäftsmodell auf Geldwäsche und Steuerflucht beruht? Professor Jean Ziegler spricht von einer korrupten Herrschaftselite, die seit 200 Jahren auf dem Gotthard sitzt. Dafür erhielt er Mordrohungen und wurde mehrfach verklagt. Planet-Interview

In seinem Buch, die Schweiz wäscht weisser wird er konkret:

„Um die Schweiz zu verstehen, muss man wissen, dass der Vielvölkerstaat Schweiz eine Illusion ist, weil die Völker nicht zusammen, sondern in gegenseitiger Ignoranz nebeneinander herleben und weil die Schweiz kein Nationalstaat im üblichen Sinne ist. Sie ist eine Abwehrgemeinschaft. Wir brauchen die Ausländer. Sie alleine bewahren die Eidgenossenschaft vor dem Zusammenbrechen. Die Schweiz ist zur Hure dieser Welt verkommen. Im zweiten Weltkrieg war sie Komplize des Dritten Reiches. Die Züricher, Basler und Berner Banken waren die Hehler und die Kreditgeber Hitlers. Die Schweiz war während des zweiten Weltkrieges die einzige verschonte Industriezone Hitlers, in der er ohne Gefahr Waffen, Munition, optische Instrumente und viele andere kriegswichtige Güter erwerben konnte. Der Waffenkonzern Bührle-Örlikon lieferte die letzten Schnellfeuerkanonen an die deutsche Wehrmacht noch im April 1945. Die schweizer Banken machten dies möglich, in dem sie das den Juden aus den Mündern gerissene Zahngold aus den Konzentrationslagern einschmolzen und in ordentliche Schweizer Franken wusch. Die Bankoberen waren von einer, in ihrer erdrückenden Mehrheit, Komplizenschaft mit Hitler. Sie waren von einer ungebremsten, bewusstseinsverwüstenden Raffgier beseelt.

Quelle: Kritisches Netzwerk

Und trotz alledem – bei den Eidgenossen gibt es direktere Demokratie, Volksbefragungen und ein Staatsoberhaupt hat man dort auch nicht nötig. Das sind wahre demokratische Errungenschaften, von denen wir nur träumen können. Das Unrecht haben sie aber nicht verhindert.

Vergangenes Unrecht wird heute in der Schweiz aufgearbeitet. Hier spricht eines der Opfer stellvertretend für die weit über 100.000 bekannten Opfer der Verdingung.

 

Ähnlich wie die Roma und Sinti treten die Jenischen in der Schweiz für Wiedergutmachung ein.

Und wie sieht es mit dem Unrecht von heute aus?

Da wollen wir in diesen Tagen nicht drüber reden – Unrecht ist immer woanders oder war früher – nur bei uns nicht, und schon gar nicht heute…


 

Lesen Sie demnächst auch: War die Bundesrepublik ein Unrechtsstaat? Coming soon…


Bildquelle: Photo by twicepix

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Wolfgang van de Rydt
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3 Kommentare

  1. Der Artikel beschreibt wie es mit der Denkweise in der Wirklichkeit ist.
    Debatten wie “was ist ein Unrechtsstaat”? hängen mir zum Halse heraus.
    Dabei sind es Machteliten welche ihre Herrschaft über das Volk ausüben,wie es in der DDR doch auch war ?
    Es war die “Führungsebene” die Unrecht erlaubte und daher kann ein Staat auch nicht als Unrechtsstaat bezeichnet werden und das ganze Volk gleich mit ?
    Leider haben viele Menschen so viel Hirn wie zwischen Wand & Tapete passt, auch Wolf Biermann hat es wieder gezeigt

  2. Auf die Fortsetzung bin ich jetzt schon gespannt. Zwangsarbeit und Missbrauch von Heimkindern gab es auch in der BRD mit Beihilfe des Staates. Justizskandale wie Mollath sind kein Einzelfall und Hartz 4 Sanktionen verstoßen gegen die Menschenrechte. Man denke da nur an die Revierpflicht der Empfänger.
    Wie sieht es aus mit anderen Bürgerrechten? Überwachung? Das ist doch Kennzeichen eines jeden Unrechtsstaats!

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