Vom Spaghettifresser zum Supermario – so geht Integration

Als die ersten Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland kamen, nannte man sie Spaghettifresser, Makkaronis oder Itaker.

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Nur zwei kleine Italiener? Photo by Marco Zanferrari

Da hatten Deutsche und Italiener aber schon eine lange gemeinsame Geschichte hinter sich. Die alten Römer brachten bekanntlich die Errungenschaften ihrer Zivilisation ins Land der Germanen. Was wäre das Rheinland heute ohne Köln, der bekanntesten Colonia? Später übernahmen die Barbaren das untergehende Rom und ganz Europa erlebte einen zivilisatorischen Rückschritt. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gab zwar den Ton auf dem Kontinent an und kein Herrscher konnte ohne den Segen der Päpste seinen Thron besteigen, doch von einem Weltreich, wie das des vorchristlichen Roms, konnte man nicht mehr reden.

Deutschlands Dichterfürst Goethe schwärmte von Italien als dem Land, in dem die Zitronen blühen – nicht nur in der Oper wurde vornehmlich Italienisch gesungen, als Handelsnation haben die Italiener auch die moderne Buchführung quasi erfunden, wie jeder Kaufmann noch heute in der Ausbildung lernt. Im Lauf des ersten Weltkriegs trat Italien aus dem Dreibund mit Deutschland und Österreich aus, doch etwas mehr als ein Jahrzehnt später näherten sich beide Nationen erneut an, das Ergebnis ist hinreichend bekannt. Die Italiener erlebten nach dem Zweiten Weltkrieg kein Wirtschaftswunder, durften dafür aber in Deutschland mit anpacken.

Schon bald konnten sich die ersten Deutschen einen Urlaub in Italien und Dolce Vita erlauben, Spaghetti-Western wurden Kinomagneten, italienische Popstars feierten in Deutschland ihre größten Erfolge und für viele Deutsche ist der Gang zum Lieblingsitaliener normal geworden, außer vielleicht während der Fußball-WM.

 

Auch die Mafia gehört inzwischen zu Deutschland, aber man sieht sie nicht – genau das scheint das Erfolgsrezept der Italiener in Deutschland zu sein. Sie sind da, man nimmt sie aber nur in ihren Restaurants als Italiener wahr, wo man geradezu erwartet, dass sie wenigstens mit ein bißchen Akzent sprechen. Ein paar Brocken Italienisch bei der Bestellung dienen nicht selten dazu, beim Date Eindruck zu schinden und italienische Mode ist das Maß aller Dinge – zweifellos um einiges chicer als Kopftuch und Burka. So verschieden Deutsche und Italiener auch sein mögen, das Zusammenleben funktioniert, ohne dass sich irgendwelche „Deutsch-Italienischen-Kulturvereine“ ständig im Fernsehen über Diskriminierung beklagen oder Kampagnen gegen „Rassismus“ starten.

Gab es jemals Klagen der italienischen Regierung, dass die deutschen Sparkassen zu wenig Italiener beschäftigen und Forderungen nach Quoten-Itakern? Wenn’s um die Verantwortung für Geld geht, entscheiden sich Personaler nämlich häufig „unbewußt“ gegen den Bewerber mit dem italienisch klingenden Namen. Woran das nur liegen mag? Die Italiener nehmen es jedenfalls gelassen und jammern nicht dauernd wegen Benachteiligung rum.

Hat man in Rom schon mal den deutschen Botschafter einbestellt, weil Donna Leons Commissario Brunetti von einem Deutschen gespielt wird – noch dazu von einem Ossi?

Und natürlich lobt man auch die Deutschen nicht dafür, dass sie ihre Italiener so ins Herz geschlossen haben, sondern betrachtet das argwöhnisch als eine Art verkappten Rassismus. Viel schlimmer aber als die Italiener hat es die Polen getroffen – früher galten sie als Polacken und Autoknacker, heute kommen ihre Frauen scheinbar automatisch schon als Krankenschwestern zur Welt, die sich picobello um die bettlägrige nörgelnde Schwiegermutter kümmern. Zweifellos handelt es sich hierbei um ein Stigma. Aber jedes Stigma wandelt sich im Laufe der Zeit. Thailänderinnen gab es früher ausschließlich im Katalog, heute findet man sie im Massagesalon.

Im Grenzgebiet pflegen Holländer und Deutsche hüben wie drüben ihre merkwürdige Rivalität nicht nur, wenn Fußball gespielt wird, aber wir haben noch nie gehört, dass ein Holländer wegen eines Käskopp – Spruchs oder wegen Wohnwagenwitzen vor Gericht gezogen wäre – warum wohl? Weil dann ein Komiker aus Ostfriesland mit einer übergroßen Nase einen Teil seines Geschäftsmodells verloren hätte? Die Fernsehsendung „7 Tage – 7 Köpfe“ mit dem verstorbenem Rudi Carrell lebte genau von diesen Holländerwitzen – heute würde die Amadeu Antonio Stiftung den verantwortlichen Redakteur nach Sibirien verbannen.

Alle diese Gruppen haben die Hilfe von angeblichen „Netzwerken gegen Rechts“ und Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit nicht gebraucht, sie haben ihren Weg ganz alleine gemacht. Im Ruhrpott lernten die Kinder der ersten polnischen Bergleute ohne Frühförderung in der Schule Deutsch, nur solche Nachnamen wie Buschkowski, Pogundtke oder Kowalski erinnern noch an die Herkunft. Warum sprechen ihre Ururenkel kein Polnisch mehr? Ich habe da so eine Idee, vielleicht, weil es nie einen polnischen Präsidenten gab, der  „Assimilation als ein Verbrechen“ bezeichnet hat …

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Wolfgang van de Rydt
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1 Kommentar

  1. Ein sehr guter Artikel zum Thema.
    Allerdings lässt er nur einen Schluss zu, ob man will oder nicht.
    Die Italiener, die alten Römer, das von ihnen gegründete Köln und auch die Polen haben eines gemeinsam:
    sie alle folgen dem katholischen Glauben, waren anpassungsfähig – und Europäer.

    Die heutigen Migranten sind mehrheitlich Muslime und stammen nicht nur aus völlig kulturfremden Regionen dieser Erde, sie stammen auch aus anderen Kontinenten, egal ob Asien oder Afrika.
    Die Anpassung an die in Europa gepflegten Sitten, ob katholisch oder protestantisch ist unmöglich, weil die Bereitschaft fehlt sich den hiesigen Werten anzupassen.
    Das haben schon Millionen der damals ebenfalls als Gastarbeiter nach Europa gewanderten Türken bewiesen.

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