Volk oder Folg – #tagderdeutscheneinheit –

Deutschland – vereint und doch geteilt, fragt Holger Stelzer, einer der Herausgeber der FAZ, am Vorabend der Feierlichkeiten zu Deutschen Einheit.

25 Jahre ist es her, als die Mauer viel und in weniger als 12 Monaten die DDR abgewickelt wurde und 5 neue Bundesländer aus der Taufe gehoben wurden.


Möchten Sie diesen Werbeplatz buchen? Dann nehmen Sie am besten heute noch Kontakt mit uns auf

Mir waren die Bundesländer neu, ich hatte von der DDR keine Ahnung, mir war die Geschichte Mitteldeutschlands fremd, sie war kein Thema in meinem Schülerleben – Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern waren keine gängigen Begriffe; Werra, Elbe, Spree, Oder und die Neiße, die mir bekannte geografischen Bezugspunkte.
Die verminte Demarkationslinie spiegelt auch die Grenze meines geistigen Horizontes wieder – Wie staunte ich, als ich 1977, in der Blüte meiner Pubertät, während der obligatorischen Klassenfahrt nach Westberlin, einen Abstecher in die Hauptstadt der DDR machte.

Was wussten die gut bescheid – über das, was bei uns nicht lief. Ich hatte keine Ahnung, was es hieß in der DDR zu leben, geschweige denn, wie das Alltagsleben eines 10 Klässlers in der DDR aussah. Am Leninplatz gab ich mit vollen Händen die Ostmark aus, die ich zuvor, am Kuhdamm, im Verhältnis 1:7 bei der Deutschen Bank eingetauscht und heimlich mit rüber genommen hatte. Naiv und leichtsinnig war ich.

Jeder Deutsche, der den Sommer und Herbst 89 in Erinnerung hat, mit den Flüchtlingsströmen über Ungarn, hat mit der Wiedervereinigung seine ganz eigenen Erfahrungen. Zeitzeugen der Einheit gibt es zuhauf, während die Zeitzeugen der Ereignisse der beiden Weltkriege aussterben, die ja der Ausgangspunkt der Teilung Deutschlands waren.
Versprochen ist versprochen

Die Geschichte der deutschen Einheit, ist die Geschichte von gebrochenen Versprechen – Drüben, wie Hüben. Dem Westen und Osten versprachen die Väter u. Mütter des GG, sich in freien Wahlen eine gemeinsame Verfassung zu geben. Kohl & Schäuble fühlten sich an dieses Versprechen nicht gebunden, ignorierten es, mit dem lapidaren Satz, wieso – wir haben doch das GG , die beste aller Verfassungen. Hierin kam zum Ausdruck, was für Verfassungspatrioten sie wirklich sind.

Heute, mit den Flüchtlingsströmen aus dem ehemaligen osmanischen Reich, fällt uns die Frage: Wer ist das Volk? – wieder auf die Füße. Was wollen wir sein und was bedeutet gut Leben in Deutschland? Der ehemalige Richter (BVG) Ernst Gotfried Mahrenholz hat dies in einem erkenntnisreichen Artikel im Spiegel 1994 dargelegt. In einer Passage des Textes stellt er die Legitimationsfrage:

Aber den Bundestagsabgeordneten fehlt für dieses Beiseitesetzen des Schlußartikels des Grundgesetzes die Vollmacht des Volkes. Sie üben Macht ohne Vollmacht. Der Vormund handelt ohne Vollmacht des Mündels. Doch kann immerhin das Mündel, wenn es volljährig ist, die Verfügungen des Vormundes durch eigene ersetzen. Gemessen hieran geht es offenbar um eine Dauervormundschaft.

Drückt das Grundgesetz den Willen des Volkes aus oder ist es ein Angebot an das Volk? Ist es Vollmacht oder Bevormundung, so Mahrenholz; ist es Ausdruck des Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes oder die Gebrauchsanweisung, für ein Leben innerhalb dieser Gesellschaft? Wenn es letzteres sein soll, wie es Hamed Abdel-Samad jüngstens im Talk, bei “hart aber fair” meinte, dann sollten wir nicht mehr von V o l k , sondern, im Anschluss an eine klitzekleine Rechtschreibreform, von F o l g sprechen, weil die Betonung dann auf Folgen liegt.

Dies wäre ganz im Trend der Zeit – spiegelte gleichsam den Follower Zeitgeist wieder. Wichtig ist nur, wie viele “Likes” wir bekommen und wie viele “Followers” wir haben, je mehr desto besser.

Vor der Wiedervereinigung hatten wir mehr soziale Marktwirtschaft als Heute. Heute haben wir es mit einer ungenießbaren Melange aus sozialistischer Bevormundung und ungezügeltem Kapitalismus zu tun. Geschichte ist die Geschichte von Individuen.

Die Summe aller Geschichten bildet einen Roman, facettenreich, er projiziert verschiedene Sichtweisen auf eine imaginäre Leinwand, das Gemälde ist bunt, mit scharfen und diffusen Übergängen, manche Stellen sind unbeschrieben, noch im werden, andere längst abgetrocknet.

Ich frage mich anlässlich der Silberhochzeit der Deutschen Einheit, wo stehe ich, bin ich heute freier, als Damals vor 25 Jahren? – Ich bin es nicht. Die Optionen schienen mannigfaltig, sind sie aber letztendlich nicht!

Winston Churchill meinte über Deutschland, die eigentliche Teilung besteht zwischen dem katholischen Süden, den Habsburger Deutschen und dem protestantischen Norden den Preußischen Deutschen. Ich denke in der Tat, dass die Trennung zwischen West- und Mitteldeutschland überbewertet ist.

Ost-Deutschland, dass gibt es seit 1945 nicht mehr und über Ostpreußen will hier niemand mehr mit den Russen verhandeln. (Vielleicht sind wir wirklich erst wiedervereinigt, wenn die heute russische Enklave Ostpreußens, wieder Deutsch wird? Der Kanzler der dass mit dem Kremel aushandelt schreibt Geschichte.)

In der Wahl der Nationalhymne kommt dieses kulturelle Vermächtnis zum Ausdruck, der alte, der rheinische Katholik Konrad Adenaauer, verordnete den Westdeutschen, die zutiefst habsburgische Kaiserhymne Joseph Haydens. Großartig! Groß & artig :-)

von:



für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum

Opposition 24 unterstuetzen

Ihre Email Adresse:

Hinweis zu den Kommentaren

Kommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder!
Lob's Metier
Über Lob's Metier 62 Artikel
Mediziner - Coach - Konfliktmanagement

1 Kommentar

  1. Für mich ist dieser Tag nun mehr nicht nur mein Geburtstag oder der deklarierte Tag der Annexion, sonder der Tag an dem der 3. Weltkrieg begann. Diesmal mit verstärkt mit Mitteln des Wirtschafts und Propagandakrieges. Erst Ostdeutschland, dann der gesamte Ostblock und nun gegen alle die nicht das amerikanische Demokratieverständnis teilen……..

Kommentare sind deaktiviert.