Todesfall im Massregelvollzug der Forensik Haina wirft Fragen auf

Warum schweigt die evangelische Kirche zu den Umständen?

Gerade ist der Kinofilm über die Mollath Affäre angelaufen, die zu einem der größten Skandale für das Psychiatrie und Gutachterwesen der Nachkriegszeit avancierte.

Denn die Vorgänge hinter den Mauern der geschlossenen psychiatrischen Anstalten geraten nur selten in den Focus der öffentlichen Berichterstattung. Weitere Skandale schlossen sich an, wie etwa die zu Unrecht erfolgte Unterbringung des geistig behinderten Ulvi K. wegen Mordes an der vermissten Peggy. Ulvi K. wurde dank des Engagements seiner Unterstützer vom Mordvorwurf freigesprochen, die Suche nach Peggys Mörder wieder aufgenommen.

Auch die Haderthauer Affäre wäre vielleicht ohne Gustl Mollath nie möglich gewesen, oder das große Interesse am Fall des Linken Politikers  Dennis Stephan. Dennis Stephan landete auf abenteuerliche Weise in der geschlossenen Psychiatrie und spätestens ab hier wird deutlich, dass es sich bei der Mollath Affäre um keinen Einzelfall handelt, denn das trug sich alles im Bundesland Hessen zu, dort wo auch schon einmal vier eifrige Steuerfahnder per Gutachten entsorgt wurden.

Dennis Stephan berichtete nach seiner Entlassung von für Außenstehende unfassbaren Zuständen – von Einzelunterbringung im „Bunker“ – unbekleidet – als Reaktion des ärztliches Dienstes und des Pflegepersonals auf unerwünschtes Verhalten, wie der Verweigerung von Medikation.  Vor Prozessbeginn wurde sogar ein generelles Kontaktverbot verhängt. (JF)

Kritiker sprechen häufig von einer unseligen Allianz zwischen Justiz und Psychiatrie.

Kein Hinweis auf Fremdverschulden – Suizid mit Bettlaken?

Vor einiger Zeit wurde die Redaktion von Unterstützern über einen neuerlichen Todesfall im Massregelvollzug der forensischen Abteilung der Vitos Kliniken in Gießen / Haina informiert. Patienten hätten einen Leichenwagen gesehen, der vom Gelände gefahren sei. Es hieß, der Patient habe sich mit einem Bettlaken erhängt.

Die Staatsanwaltschaft Marburg bestätigte den Leichenfund und ein Todesermittlungsverfahren welches noch nicht abgeschlossen sei. Es gebe keinen Hinweis auf Fremdverschulden. Zur Todesursache konnte jedoch noch nichts gesagt werden.

Anfrage im hessischen Landtag

Die Fraktion der Linken im Hessischen Landtag hat zur Aufklärung des Sachverhalts eine Dringlichkeitsanfrage gestellt. Nach unseren Informationen landet dieser Punkt am 21. Juli auf der Tagesordnung. Die Sitzung des Ausschusses ist leider nicht öffentlich, wir werden dennoch zeitnah berichten.

Über die Pressestelle der Vitos Klinik Haina konnten wir keine Auskunft über den Fall bekommen, da sich infolge der Abwesenheit der Pressesprecherin niemand zur Sachlage äußern konnte.

Aufmerksam gemacht auf den Fall wurde auch der Pfarrersohn Martin Heidingsfelder, u.a. bekannt als „Gründer der Plagiatsplattform VroniPlag Wiki und professioneller Plagiatssucher seit 2011 unter www.vroniplag.de“. Er hatte sich an die zuständige evangelische Seelsorgerin der Klinik gewandt.

Sehr geehrte Frau Pfarrer Ehlert,

 wie Sie wissen, hat das Klinikum Haina auch im bundesweiten Vergleich eine beachtliche Anzahl an Sterbenden.

 Letzte Woche ist wieder ein Leichenwagen aus der Vitosklinik Haina gefahren.

Damit diesem Toten und allen anderen ein angemessenes, letztes Geleit gegeben wird, bitte ich Sie, mir im Vorfeld von Beerdigungen nur Ort, Uhrzeit und Datum der Beerdigungen der Kliniktoten mitzuteilen.  Es sind Personen an mich herangetreten, die diese würdevolle Aufgabe, ein letztes Geleit zu geben, dauerhaft und regelmäßig mit Ihnen zusammen wahrnehmen wollen.

 Wir haben genügend Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen, Zwangsmedikation und Fixierungen in Haina und ich bitte Sie als Pfarrerssohn:

 Die evangelische Kirche muss sich der Wahrheit im Zusammenhang mit Haina endlich stellen.

 Sie wissen, was dort im Namen des Volkes und unter den Augen des Herren passiert.

 Mit freundlichen Grüßen

Martin Heidingsfelder

Eine Antwort blieb bisher aus.

Martin Heidingsfelder reagierte darauf mit einem offenen Brief.

Sehr geehrte Frau Pfarrer Ehlert, sehr geehrter Herr Bischof Hein und liebe Evangelische Kirche in Deutschland,

 „One cannot not communicate“ lautet eines der 5 Anxiome der Kommunikation des Psychoanalytikers Paul Watzlawick.

Da meine Mail vom 10. Juni bis heute unbeantwortet ist, erlaube ich mir diese einseitige Kommunikation als offenen Brief an die Evangelische Kirche in Kürze zu veröffentlichen. Der Wunsch ehemaliger psychiatrischer Patienten besteht weiterhin, den Opfern aus Haina ein letztes Geleit geben zu wollen.

Kurz möchte ich daran erinnern, dass das Schweigen der Evangelischen Kirche auf staatliches Willkürhandeln, das mit dem Glauben unvereinbar ist, eine gewisse Tradition hat. Exemplarisch sei die Euthanasie und das Schweigen der Evangelischen Kirche dazu im Dritten Reich genannt.

Nach meiner Meinung darf die evangelische Kirche nicht zu den Zuständen in den Forensiken – insbesondere in Haina – schweigen.

Ergänzend weitere Fragen an die Evangelische Kirche:

Was unternimmt die Evangelische Kirche gegen Zwangsmedikation, Isolation und Fixierungen in forensischen Einrichtungen?

Was unternimmt die Evangelische Kirche gegen die hohen Sterbezahlen und die deutlich gesenkte Lebenserwartung von Patienten, die mit Psychopharmaka behandelt werden?

Wie steht die Evangelische Kirche zu den oben angerissenen. lebensverkürzenden Maßnahmen, die gemeinhin als Folter bezeichnet werden?

Für die Beantwortung meiner Fragen habe ich mir den 17. Juli vorgemerkt. Bitte stimmen Sie sich untereinander ab, auf welcher Ebene Sie das beantworten möchten. Da in Organisationen niemand Verantwortung übernehmen möchte, wette ich ohnehin auf weiteres Schweigen auf allen Ebenen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Heidingsfelder

Der Aktivist Jörg Bergstedt hat gegen den Klinikleiter, den Psychiater Dr. Rüdiger Müller-Isberner, Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft konnte hierzu noch keine Auskunft geben, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist.

Der Vorwurf lautet auf vorsätzliche Freiheitsberaubung, versuchter und vollendeter schwerer Körperverletzung sowie Beihilfe zu diesen Delikten bzw. unterlassene Hilfeleistung

Hier ein Auszug aus dem Wortlaut der Strafanzeige:

Der dringende Tatverdacht folgt aus dem öffentlichen Eingeständnis des Leiters der Vitos-Kliniken Haina/Gießen, Rüdiger Müller-Isberner, in mehreren Fällen. Dort räumt er ein,

Menschen entgegen ihrem eigenen Willen zu behandeln, selbst wenn diese eine gültige und rechtswirksame Patientenverfügung vorlegen. Eine Behandlung entgegen dem Willen stellt aber zumindest eine Körperverletzung dar.

Die Verschärfung des Maßregelvollzugs beschäftigte schon mehrfach den Hessischen Landtag – für eine umfassende Reform und eine Abkehr von der Zwangspsychiatrie sprechen sich auf politischer Ebene jedoch ausschließlich die Linken aus. Die Forderung ist Teil des Parteiprogramms auf Bundesebene.

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3 Kommentare

  1. Liebe Frauen und Männer,

    (die Ansprache kommt aus der aktuell gültigen Rechtslage (Der Strohmann!! http://mywakenews.files.wordpress.com/2013/03/germanstrawman.pdf)
    und……
    http://wirsindeins.org/2013/08/05/deine-geburtsurkunde-wurde-in-eine-schuldverschreibung-umgewandelt-im-wert-von-milliarden/

    Fehlende geltende Rechtgrundlagen lassen das System BRD immer schneller in sich kollabieren
    http://www.marchert.info/brd.html
    https://endlichfreileben.wordpress.com/2015/03/13/867/
    https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2015/03/16/gesetze-versklavung-ruckgabe-personalausweis-in-dinslaken-sehr-langer-tatsachenbericht/
    https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2015/03/14/die-wahrheit-uber-treuhandfonds-und-gerichte/
    https://iuvhelp.wordpress.com/2014/01/30/wie-relevant-ist-der-ucc-in-deutschland/

    http://www.oppt-infos.com/index.php?p=start
    https://iuvhelp.wordpress.com/erfolgeoppt/
    siehe auch: „Behörden“ vorgehen!!!!
    https://www.dropbox.com/sh/5inpep0pcf3biye/AAAsftVzBKjYPSrp7gBfbb1ya?dl=0“

    Da alles Firmen „Polizei“, Staatsanwaltschaft“ „Behörden“ etc. sind, schreibe ich grundsätzlich nach Checkliste („Behörden“ vorgehen) alle zuständigen Mitarbeiter mit Vertrag privat an, da Sie auch dafür privat
    haften, bis in die nächsten Generationen

    Im Dez 2012 hat es gravierende Veränderungen WELTWEIT gegeben!!!!!
    (siehe auch: „Behörden“ vorgehen!)

    Viel Erfolg damit!!

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