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Während Hunger, Kriege und Katastrophen zu allen Zeiten die Menschheit gegeißelt haben, blieb die westliche Zivilisation davon seit Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont. Die Menschen konnten sich in Sicherheit wiegen, erzählt man uns heute, als hätte es die nukleare Bedrohung und den Kalten Krieg niemals gegeben, als dessen Gewinner sich der Westen feiern konnte.

Die sogenannte westliche Überlegenheit gründet sich nicht nur auf die Industrialisierung und dem Aufstieg der europäischen Großmächte zu den bestimmenden Mächten der Welt, sie hat viele Wurzeln, wie das Römische Reich, Christentum und Aufklärung, welche den Boden für den technologischen Vorsprung des Westens bereitete, dem weder das alte China, noch die islamische Welt etwas entgegen zu setzen hatten.

Das Zeitalter der Aufklärung begann um ca. 1700. Die großen Denker und Philosophen riskierten noch Leib und Leben in der Auseinandersetzung mit dem Klerus und den Monarchen. Dann aber brachte eine Katastrophe von unvorstellbaren Ausmaßen das Machtgefüge ins Wanken.

Das Erdbeben von Lissabon 1755

Ein Erdbeben vor der Küste Portugals versetzte am 1. November 1755 den gesamten Kontinent in Angst und Schrecken. Die Hauptstadt Lissabon wurde beinahe vollständig zerstört. Ein Tsunami von 15- 20 Meter Höhe überrollte die Stadt, den Rest besorgte ein Großbrand. Der König und seine Familie blieben verschont, da sie sich zum Zeitpunkt auf einem Ausflug befanden, aber auch der Schandfleck der Metropole – das Vergnügungsviertel – überstand die Katastrophe. Etliche Kirchen stürzten ein und viele Dörfer und Städte entlang der Küste fielen der Zerstörung zum Opfer. Das Ereignis war in ganz Europa zu spüren und richtete auch in Nordafrika schwere Schäden an.

Nicht nur die Theologen beschäftigten nach der Katastrophe sich mit dem Theodizee-Problem, der Frage, wie ein gerechter Gott so etwas zulassen konnte. Schließlich setzen sich die Denker und Philosophen der Aufklärung durch und rüttelten immer weiter an der Macht der Kirche und der absolutistischen Herrscher. Vielleicht wäre ohne das Erdbeben die französische Revolution und der Sieg der Wissenschaft über das religiöse Weltbild ausgeblieben.

Geht nun mit Corona als letzter Auslöser wieder einmal eine Epoche zu Ende? Es kommt auf den weiteren Verlauf an, doch schon jetzt stehen im Kampf gegen den „unsichtbaren Feind“ die Ideale der Aufklärung – Demokratie und Gewaltenteilung –  zur Disposition. Kann die moderne Medizin den Krieg gegen das Virus gewinnen? Wenn ja, dann zu welchem Preis? Wenn dazu drastische Maßnahmen über längere Zeit notwendig sind, ist das Modell der westlichen „Demokratien“ endgültig gescheitert. Falls sich die Wissenschaft ebenfalls geschlagen geben muss, steht der Restauration des Irrationalen nicht mehr viel im Wege. Nach jeder Katastrophe sprechen „Umweltaktivisten“, die meist wenig mit Religion zu tun haben wollen, von dem „Planeten“, der sich gegen die Menschheit wehrt. Das Auftreten der Fridays 4 Future „Aktivisten“ trägt noch stärkere pseudoreligiöse Züge, die auf welche Weise auch immer zum Ausdruck bringt, dass die technologisierte, wissenschaftlich entzauberte Welt, das Bedürfnis nach Transzendenz bestenfalls nur im Kino befriedigen kann.

In der islamischen Welt, die sich der Aufklärung widersetzt hat, dann aber teils den Anschluss an die Moderne suchte, ist die Gegenbewegung schon längst erkennbar. Die laizistische Türkei war einst von ihrem Gründer nach westlichen Vorbild erdacht worden, spätestens mit Erdogan ist der Islam wieder auf dem Vormarsch. Ähnliche Entwicklungen haben weitere Staaten im Nahen Osten durchgemacht. Die Re-Islamisierung hätte niemals Erfolg gehabt, wenn die Menschen fest nach „westlich-demokratischen“ Werten gestrebt und an sie geglaubt hätten. Nun stürzt vermeintlich ein Virus die gesamte Weltwirtschaft in eine Krise, von dem sie sich nicht mehr so leicht erholen wird. Das Ende mag offen sein. Sicher ist nur, dass nichts mehr so sein wird wie vorher. Das Weltbild vieler Menschen wurde nachhaltig erschüttert. Wohin werden sie sich orientieren?

Hat Gott das so gewollt? War es der Zorn Allahs, Manitus, Wakan Tankas, Karma oder Selbstverteidigung von Mutter Gaia gegen einen Parasiten namens Homo sapiens? Bewegen wir uns wieder auf ein dunkles Zeitalter der Mythen und Legenden zu oder einer totalitären Weltdiktatur, die sich nicht einmal George Orwell so hätte vorstellen können? Oder schaffen wir den Sprung auf eine neue Bewusstseinsebene?

 

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3 KOMMENTARE

  1. Was brauchen wir Hunger, Kriege und Katastrophen.
    Wir haben schließlich den ostzonalen Senkarsch.

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