Tauber auf Pofallas Spuren: Wenn „Arschlöcher“, die „Fresse“ halten sollen

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Für die Headline bitte ich um Entschuldigung. Die Wortwahl entspricht natürlich nicht meiner gewohnten Ausdrucksweise. Doch leider muss man die Handelnden zitieren, will man das ganze Ausmaß der Verkommenheit einer berufspolitischen Kaste aufzeigen, die nur noch das Stilmittel der Beleidigung zu kennen scheint. Es trifft jeden, der sich der Führungsideologie nicht fügt, Wähler ebenso wie Parteimitglieder. Sieben Jahrzehnte nach dem demokratischen Neustart Deutschlands ist die Demokratie nicht nur durch die Parteien in der Krise, sondern auch in den Parteien. Wer von der Linie abweicht, wird eingeschüchtert, ausgegrenzt und abserviert. Immer wieder tritt dabei auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber unrühmlich in Erscheinung. Fast drei Jahre lang darf er sich nun schon an der Aufgabe versuchen und wirkt zunehmend hilflos. Einzig seine unverbrüchliche Treue zur Kanzlerin, der er auf allen Irrwegen folgt, hält ihn wohl im Amt. Der gebürtige Frankfurter mit der klassischen Karriere politischer Zöglinge suchte früh den Weg in die bezahlte Politik. Ein Gewächs aus der eigenen Kaderschmiede, Parteisoldat vom Scheitel bis zur Sohle. Wer so gestrickt ist, empfindet wenig Toleranz für Andersdenkende und erwartet bedingungslose Gefolgschaft. Der Bundestagsabgeordnete beschimpft jeden, der sich gegen die Kanzlerin stellt. Gerne bezeichnet er dabei Abweichler schon mal als „Arschlöcher“.

Es ist erst ein Dreivierteljahr her, dass Tauber auf dem vorläufigen Höhepunkt der Zuwanderungskrise einen Kritiker in den sozialen Netzwerken öffentlich mit seinem Lieblingswort abkanzelte. Dieser hatte sich nach dem Geisteszustand der Kanzlerin erkundigt und gefragt, wie lange die von ihm vermutete Umnachtung denn schon andauere. Nun ist dies sicher keine schmeichelhafte Einlassung, die man als Generalsekretär auch keinesfalls kommentarlos hinzunehmen braucht. Doch Taubers wenig souveräne Reaktion offenbart die Dünnhäutigkeit und Überforderung des Geschichtslehrers, der im öffentlichen Auftritt stets bemüht vorbildlich wirkt. Nun ist eine weitere Entgleisung Taubers bekanntgeworden. Auch dabei ging es um die Flüchtlingspolitik. Zwar kann er sich an die Verwendung seines bevorzugten Kraftausdrucks nicht erinnern, doch gibt es offenbar keinen Zweifel daran, dass der frühere langjährige Kommunalpolitiker schon im November 2015 gegen Parteikollegen der Basis ausfällig geworden war. In einer internen Debatte zur Parteireform soll er Kritiker des Kanzlerkurses angebrüllt haben, wer nicht für Angela Merkel sei, „ist ein Arschloch und kann gehen.“ Unflätige Beschimpfungen scheinen zum Standardrepertoire des Merkel-Getreuen zu gehören. Im Februar hatte Tauber einen Twitter-User als „Drecksnazi“ bezeichnet. Nun also ließen seine „Parteifreunde“ den November-Eklat durchsickern.

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Natürlich ist die Veröffentlichung des fast ein Jahr zurückliegenden Vorgangs kein Zufall. Tauber steht seit Wochen heftig in der Kritik. Auch aus seinem eigenen Kreisverband, den er bis 2014 leitete. Dort soll er Mitautor einer Mobbing-Anleitung gewesen sein, die detaillierte Anweisungen dazu enthielt, wie man unliebsame Mitarbeiter aus dem Amt scheucht. Selbstverständlich bestreitet der Gescholtene, an der gegen die damalige Kreisgeschäftsführerin gerichteten „Operation Kaninchenjagd“ mitgewirkt zu haben. Er gibt aber seine Mitwisserschaft zu, was tief blicken lässt. Auch aktuell macht der CDU-General keine besonders gute Figur. Sein unglückliches Agieren in der bizarren Sexismus-Affäre der Berliner CDU hat ihn noch angreifbarer gemacht. Im Zentrum steht dabei die profilierungssüchtige Politkarrieristin Jenna Behrends. Von ihr ließ sich auch der 42-Jährige in die Schlammschlacht hineinziehen. Behrends steht für eine neue Berufspolitikergeneration aus den Parteikaderschmieden, die sich zwar einer gepflegten Sprache befleißigt und politisch stets korrekt daherkommt, vom ergebnisoffenen Diskurs aber ebenso wenig hält wie die Taubers und Pofallas. Die Krise der Parteien wird sich weiter zuspitzen. Das System muss grundlegend reformiert werden, damit es nicht mehr so viele Menschen anlockt, die Demokratie nur so lange gut finden, bis sie ihnen ein bezahltes Mandat beschert hat. In der Kürzung der Diäten und dem Abschmelzen der staatlichen Parteienfinanzierung liegt der Schlüssel für mehr Demokratie.


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Ramin Peymani
Über Ramin Peymani 86 Artikel
Publizist, Autor der bekannten Klodeckel Chroniken - neuestes Werk "Spukschloss Deutschland" im Handel erhältlich

3 Kommentare

  1. Das Wort “Kaderschmiede”, dass ist die Ursache, die Parteien zu Volksfeinden macht.
    Diese Zöglinge sind nur noch indoktrinierte Maschinen, die mit einen normalen-Bürger und Leben nichts mehr am Hut haben.
    Ich wundere mich nur noch über die Blödheit des deutschen Volkes, dass diese Tatsache ignoriert. Diejenigen die “Deutschland verrecke rufen”, müssten normal sofort verhaftet werden.

  2. In meinen Augen stinkt die Partei von Herrn Tauber vom Kopf her, und Er ist ein Teil vom Kopf!

  3. Wir haben keine Demokratie mehr.
    Deshalb:
    Deutschland muss komplett zerlegt – politisch gereinigt – und wieder neu
    zusammengesetzt werden!

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