#TagDerDeutschenDummheit – Folge 30

Es wieder einmal so weit. Die „hohe Politik“ begeht den Tag einer behaupteten „deutschen“ Einheit. Wie gewohnt findet das Großereignis unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt und große Teile des Volkes bleiben ausgeschlossen. Am Tag danach wird wieder die Spaltung der Gesellschaft beschworen, vor der AfD gewarnt und Deutschsein als überholt und rückwärtsgewandt diffamiert, das es zu überwinden gilt. Ehrlich und konsequent wäre es, wenn die Merkel-Junta das Spektakel durch den Tag der offenen Grenzen ersetzen würde. Aber so weit ist die Hirnwäsche des Volkes noch nicht fortgeschritten, dass man sich das bereits erlauben könnte.

Zeitreise ins Jahr 1989

Ich schob meinen „Zuvieldienst“ in einer Nervenklinik. Zwanzig Monate waren damals üblich. Es war nicht der 3. Oktober, sondern der 9. November, als die Mauer fiel, was ich im Spätdienst mitbekam. Natürlich freute ich mich für unsere Brüder und Schwestern, dass das Arbeiter- und Bauernregime sein Ende fand – wohl weniger wegen der friedlichen Revolution, sondern weil die DDR pleite war und Gorbatschow mit Perestroika und Glasnost längst die Weichen dafür gestellt hatte, dass der Sozialismus ungehindert den Westen infiltrieren konnte. Stammtischgerüchte aus den Siebzigern, die ich als Kind aufgeschnappt hatte, kamen mir wieder in den Sinn. Laut einem Geheimvertrag, so die damaligen analogen Verschwörungstheorien, sollte die DDR nach 40 Jahren von den Russen an Deutschland zurückgegeben werden.

Dann kamen die ersten Ossis, wie man die „Ostdeutschen“ plötzlich nannte und der Besserwessi wurde geboren. Plötzlich herrschte Wohnungsnot, Mieten und vor allem Gebrauchtwagenpreise stiegen und dummerweise gehörte ich zu denjenigen, die ihren vollen Wehrersatzdienst weiter ableisten mussten, während die Zivis, die einen Monat nach mir angefangen hatten, bei Eintritt der Wehrdienstverkürzung sofort ins Berufsleben zurückkehren konnten. Die „Abfindung“ gegen Dienstende (irgendein Betrag von knapp über 100 DM pro Dienstmonat) wurde allerdings auch bei mir auf 15 Monate zusammengestrichen. Kein Grund für mich, dafür die Ossis verantwortlich zu machen, aber ebenso kein Grund, nicht über Trabbi-Witze zu lachen, wenn sie denn gut waren. Mit den Reibereien zwischen „Ossis“ und „Wessis“ konnte ich genausowenig etwas anfangen, wie mit der Rivalität zwischen Kölnern und Düsseldorfern. Eher konnte man von den Erfahrungen der Ex-DDR Bürger lernen. Nie vergesse ich den Satz eines lieben Kollegen, der die Wende als den Glücksfall seines Lebens bezeichnete, weil er nicht zur NVA einrücken musste, endlich reisen konnte und als Asthmatiker erstmals wirksame Medikamente bekam, die einfachen DDR-Bürgern vorenthalten wurden. Sport sei bis dahin für ihn nicht möglich gewesen. Dennoch sagte er: „Dieses System ist leider auch nicht das wahre und wird irgendwann zusammenbrechen.“ Noch ist seine Vorhersage nicht ganz eingetroffen, doch dass die damalige BRD immer mehr einer DDR 2.0 gleicht, ist angesichts einer Kanzlerin mit mutmaßlicher IM-Vergangenheit kein Geheimnis mehr.