Syrien und Afghanistan: Niemand hat die Absicht, einen Krieg zu gewinnen

Kriegsspiele als Versuchslabor statt Feldzug gegen den Feind

Flugzeugträger charles de gaulle photo
Photo by Bernd Brägelmann

Der eigentlich beschlossene Rückzug aus Afghanistan war angeblich voreilig, es muss weitergehen.

Das jedenfalls sagt der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU Fraktion, Jürgen Hardt im nächste Woche erscheinenden Interview der Parlamentszeitung.

„Wir haben im Laufe des Jahres festgestellt, dass insbesondere der Rückzug aus der Fläche womöglich zu ehrgeizig war“. Jetzt gehe es darum, den seit 14 Jahren laufenden Unterstützungseinsatz nicht durch ein übereiltes Ende zu gefährden. „Wir werden den Einsatz fortsetzen und mit zusätzlichen Aufgaben im Bereich des Fernmeldewesens die Zahl der Soldaten von 850 auf bis zu 980 erhöhen.“

Quelle – Bundestag

Sind 980 Soldaten so etwas wie eine Armee? Die Bundeswehr spielt faktisch überhaupt keine Rolle bei der Einsatztruppe. Der bunt zusammengewürfelte Haufen aus aller Herren Länder konnte nicht mal die zwischenzeitliche Einnahme von Kundus durch die Taliban verhindern. Eine wirklich flächendeckende Bedrohung sei aber auch nicht mehr gegeben.

Damit kann die NATO ihre Kriegsspiele als Testlabor für die Waffenindustrie fortsetzen bis zum Sankt Nimmerleinstag, wie anders soll man die Geschehnisse sonst deuten? Ginge es um wirkliche Befriedung mit der Absicht, einen Sieg zu erringen, dann reicht das bißchen Rumgeballere nicht aus. Eine richtige Besatzung erfordert mehr Einsatzkräfte, wenn es denn um so etwas wie „Befreiung“ und ist vor allem teuer.

Afghanistans einziger Exportschlager wächst jedoch auf den Drogenfeldern. Wozu also ein Land wieder vollständig aufrichten, wenn das Geschäftsmodell illegal ist? Es muss bleiben, was es ist – ein failed State, damit sich die Sache am Ende für alle lohnt.

Das Experiment wird nun auf Syrien ausgeweitet. Alle fighten und bomben, jeder kann seine abgelaufene Munition kostengünstig entsorgen und die Industrie muss fleissig weiter Nachschub produzieren.

Der deutsche Part beschränkt sich auf drei Missionen, den Schutz des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“, die Betankung französischer Kampfflugzeuge und Aufklärung per Satellit und aus der Luft. Um es kurz zu fassen – für die Deutschen ist wieder nicht mehr als ein Handlangerjob drin. Den großen Reibach werden die Franzosen machen.

„Es wird keinen Frieden in Syrien geben, solange es den IS gibt“, meint der Fraktionssprecher.

„Und es wird keine nachhaltige erfolgreiche Bekämpfung des IS geben, solange es den Konflikt in Syrien gibt. Es geht darum, eine Expansion des IS zu verhindern, um dann auf der Basis eines Friedensschlusses die syrischen Kräfte zu ermutigen, geschlossen gegen den IS auf syrischem Gebiet vorzugehen….“

Niemand hatte je die Absicht, einen Krieg zu gewinnen, sondern durch den Krieg zu gewinnen.

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1 Kommentar

  1. Die Waffenindustrie braucht Truppenübungsplätze und damit im Nachhinein nicht geklagt werden kann, dass die Tests realitätsfern waren, sind „failed states“ eben einzigartige Übungsgelände, um die Wirksamkeit der neuesten Waffentechnologie zu überprüfen – Außerdem, würde man auf den bekannten Truppenübungsplätzen zuhause die Munition einsetzen, die man heute einsetzen will, bekäme man ja mächtigen Ärger mit der Einheimischen Bevölkerung, denn die Umweltverschmutzung ließe sich unter diesen Umständen gar nicht verheimlichen.

    Afghanistan und Syrien sind geradezu prädestiniert für solche Übungen, jetzt nachdem auch die Kulturgüter keine Reise mehr wert sind …und in Europa ein Neues Aleppo oder Damaskus aufzubauen, würde die lange gewünschte Binnennachfrage steigern ….. 1 Million Menschen haben 1 Million Bedürfnisse und sind noch nicht so gesättigt, wie die eigene gemolkenen Kühe, da fängt man von vorne an und das Endet dann beim Zweitwagen und den Wagen der Kids – also, die Regierung denkt weiter und wir sollten unsere Kleingeistigkeit ablegen – Wir sind zu Größerem berufen, zu ganz großer Größe (GGG!).

    Wir leben in einem großen Kuhstall, für uns wird gesorgt und die Herde braucht Frischfleisch.

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