Schwarzgrün oder Grünschwarz? Wer hat wem die Themen weg genommen?

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Collage / Foto: O24

Den Grünen ist Ende der 70er Jahre das Kunststück gelungen, Umweltschutz als Teil ihrer progressiven Politik zu verkaufen. Anfang der 80er rückte einer meiner Politiklehrer die Grünen in die Nähe der Blut-und-Boden Ideologie der Nationalsozialisten. Ganz so abwegig war die Theorie nicht. Mit Baldur Springmann und Werner Vogel gehörten zwei ehemalige NSDAP-Mitglieder zu den Gründungsmitgliedern der Grünen. Vogel schaffte es in den Bundestag und Springmann suchte das Weite, als K-Gruppen die Parteispitze besetzten. Presseberichte enttarnten weitere Nazis in den Reihen der Grünen, dabei gab es bei den anderen Parteien genügend Politiker mit NS-Vergangenheit. Aber der Lehrer ging weiter und prophezeite eine Schwarz-Grüne Koalition. Die meisten Mitschüler lachten ihn deshalb aus.

Natürlich passen von den Nationalsozialisten besetzte Themen zur Grünenideologie, wie Anti-Raucher-Kampagnen, Tierschutz u.a., aber der Schutz der Umwelt gehört selbstverständlich auch ins Handgepäck jedes Konservativen. Was wäre Schwarz nur ohne Wald?

Angela Merkel hat mit ihrer Energiewende eine 180 Grad-Drehung hin gelegt und nach Fukushima die gerade erst angedachte Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gekanzlert. So erzählte es jedenfalls die Presse. Vielleicht aber war auch alles ganz anders. Ich habe mich schon einmal mit der Thematik befasst. Merkel drohte schon als Umweltministerin unter Kohl mit der CO2 Steuer:

Ein 250 Seiten starkes Dokument der Bundesregierung aus dem Jahr 1994 über „Globale Umweltveränderungen“ zeigt deutlich auf, wie die CDU sich schon damals abmühte, den Grünen das Thema streitig zu machen. Unter Merkel gelang der Coup. Den Anspruch, den heute die Grünen immer wieder betonen, vertrat auch die Regierung Kohl:

Die internationale Vorreiterrolle Deutschlands in der Klimaschutzpolitik wird auch daran erkennbar, daß die Bundesregierung bereits im Vorgriff auf ihre Berichtspflicht gemäß der Klimarahmenkonvention einen Nationalen Klimaschutzbericht zur Umsetzung verabschiedet und im August 1993 an den Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuß Klima (INC) in Genf übermittelt hat. (Seite 4)

Die Union hat damit keineswegs wieder zurück zu ihren konservativen Wurzeln gefunden, sie hat nie wirklich welche besessen. Dass CDU/CSU nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfolge der Zentrumspartei angetreten haben, ist zudem ein weiteres PR-Märchen. Die älteste Partei Deutschlands firmiert nämlich noch immer unter diesem Namen.

Die Frage danach, ob nun die Grünen zuerst der Union ein wichtiges Kernthema weggenommen haben oder ob es andersherum war, beantwortet sich durch einen Blick in die Migrationspolitik der ersten Jahrzehnte nach Gründung der Bundesrepublik.

Nicht die Sozialdemokraten, die heute nach offenen Grenzen schreien und es den Grünen gleich tun, sondern die Adenauer-Regierung zeichnete sich für die meisten Anwerbeabkommen für Gastarbeiter verantwortlich. Als die SPD ans Ruder kam, war der größte Teil des Drops bereits gelutscht.

Warum die #WerteUnion keine Alternative ist: CDU hat schon lange vor Merkel ihre Werte verraten

Wie man der verlinkten Anfrage entnehmen kann, vertrat die SPD als Oppositionspartei Positionen, die heute der AfD als Hetze angekreidet werden. So ändern sich die Zeiten, nur eines bleibt beständig: Nutella. Nur wo der Name drauf steht, ist auch welches drin, bei Parteien sollte man stets das Gegenteil annehmen … allerdings kommt dann meist doch wieder eine braune Sauce raus, wenn man mehrere Farben zusammen mischt.

 

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1 KOMMENTAR

  1. Die historischen und ideologischen Zusammenhänge werden sehr gründlich dargestellt in Eilingsfeld, Heinrich: „Der sanfte Wahn“, 1989.

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