Schöner leben mit und nach Gruppenvergewaltigung

Deutsch Absurdistan: Das in allem Bösen auch etwas Gutes liegt wissen wir spätestens seit Goethes Zauberlehrling. Der rief auch so allerhand Geister und wusste sie hernach nicht mehr loszubringen. Wir sind ja um einiges gebildeter und versuchen nun einen viel sozialeren Umgang mit den gerufenen Geistern in Szene zu setzen. Das ist allerdings in sehr vielen Fällen arg gewöhnungsbedürftig. Insbesondere wenn dabei Geister aufeinanderprallen, die völlig verschiedenartige Sozialisationen durchlaufen haben. Da steigt sogleich das Missverständnispotential exponentiell. Achtung, dabei geht es keinesfalls um die Wahl einer neuen „Miss Verständnis“, was einige der in Rede stehenden Geister wohl vermutet haben mögen.

Da gab es jüngst einen Fall von Gruppenvergewaltigung in Mühlheim, der für allerhand Spektakel sorgte. Eine der Besonderheiten war, dass fünf bulgarische Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren in Verdacht gerieten eine junge, geistig etwas eingeschränkte 18 Jahre junge Frau in ein Waldstück gelockt und dort schwer sexuell missbraucht zu haben. Das Opfer selbst kam in ein Krankenhaus und muss weiterhin psychologisch betreut werden, weil so eine Erfahrung sicher nicht unbedingt zu den angenehmsten zählt.

Was sagt denn  der Fachmann dazu?

Christian Lüdke ist Kriminalpsychologe. Er äußerte sich im öffentlich-rechtlichen WDR zur besagten Gruppenvergewaltigung in Mülheim. Die Moderatorin erhoffte sich im Studiogespräch mit dem Herrn Kriminalpsychologen, der sowohl mit jugendlichen Tätern als auch mit Opfern arbeitet, ein wenig mehr Erhellung, oder vielleicht auch nur einen weiteren „Kracher“? Vorrangig, so mag man vermuten, würde er darauf verweisen etwas mehr Toleranz walten zu lassen, wenn es um so nebensächliche Formen der Kriminalität geht. Ein Banküberfall wäre da vermutlich um einige Dimensionen schlimmer gewesen, als so eine leidliche und für unsere Verhältnisse bald schon normale Gruppenvergewaltigung.

Wie kann man(n) also die schon länger oder vielleicht schon viel zu lange hier Lebenden dahin bekommen, diesen Vorgang auch in ihrer Wahrnehmung ein wenig zu relativieren und ein bisschen in Richtung Normalität zu rücken? In der Weise, dass der soziale Sprengstoff, der der Tat als als auch den Folgen unstreitig innewohnt, beträchtlich entschärft wird? Das ist ganz leicht, wenn man sich und seinesgleichen einfach etwas versächlicht, dann ist das Leid schon fast entschwunden. Lüdke brachte das sehr direkt, mit Blick auf das 18-jährige Opfer, mit den folgenden Worten, äußerst empathisch wie zukunftsweisend zum Ausdruck:

„Sie wird dann später ein anderes Leben führen, als sie ohne diese Vergewaltigung geführt hat, aber dieses Leben muss nicht unbedingt schlechter sein, es ist einfach nur anders.“

Schöner leben mit Gruppenvergewaltigung

Dem gibt es an sich wenig bis gar nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, das „Anders“ natürlich auch „Schöner“ bedeuten kann … eine sarkastisch-realistsche Grundhaltung vorausgesetzt. Das lässt der Herr wohlweislich offen. Vermutlich fehlen dem normalbegabten Zuhörer schlicht die Worte, wenn ihm schon die Spucke wegbleibt. Das ist nicht weiter schlimm, dafür haben wir ja kompetentere Leute. Angela Merkel hätte in dem Zusammenhang sicher von einer „Alternativlosigkeit“ gesprochen. Noch gutmenschlichere Gestalten hätten sich womöglich an die Stelle des Opfers gewünscht, um eine von angespannten weiblichen Schenkeln durchdrungene Willkommenskultur weiter verfestigen zu können, oder aus noch ganz anderen Gründen. Wäre es nicht bittere Realität, würde man das alles gerne für abartiges Gedankengut halten. Da sind wir dann schon erheblich dichter (nicht Dichter) dran. Krank im Geiste ist das, würde man unsere Altvorderen nach einer Sachstandsbeschreibung befragen.

Routine ist halt Routine

Schlussendlich bringt der Psychologe damit ein gewisses Maß der Normalität und Routine zum Ausdruck. Ein solches Maß, welches zumindest er im Zusammenhang mit der Abarbeitung solcher Fälle längst als gegeben nimmt. Die überwiegend weiblichen Opfer sind da vermutlich weniger routiniert. Wozu helfen uns also diese Relativierungen und Verharmlosungen? Richtig, um weiter abzustumpfen, den Schutz der eigenen Herde zugunsten der tollen Multi-Herde endlich fahren zu lassen.

Im Rahmen einer zukünftigen Nutzmenschhaltung ist das ein unausweichlicher Zwischenstopp. So eine Art Barometer und Test, was man man am Ende mit dem Individuum noch so alles veranstalten kann. Also bevor die Herde anfängt zu randalieren. Es ist offen satanisch und ein Schmerztest gleichermaßen. Für alle übrigens, nicht nur für das Opfer, das ist fast nur noch Beiwerk in diesem Fall. Wie es ausschaut, werden solche Tests auf allen Ebenen noch zunehmen, bis wir alle stumpf genug sind für die anvisierte Massen-Nutzmenschhaltung. Dagegen ist Orwell mit seinen 1984-Phantasien vermutlich ein absoluter Waisenknabe.


von Qpress Foto: Screenshot Youtube

2 KOMMENTARE

  1. Könnte dahinter das gleiche (artverwandte) soziologische Denkschema stecken wie für folgende Aussage:

    „Das Leben eines schwerstbehinderten Menschen (lebenslang ans Bett gefesselt ohne die geringste Aussicht auf Genesung) muss nicht schlechter sein, daher bin ich gegen derartige Abtreibungen?“

    Nicht wirklich schön, aber nachdenkenswert.

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