Ronald Stöferle: Euro und Zinsen spalten uns

Die Kanzlerin hat Mario Draghi Ende Oktober zum Abschied für sein „Engagement“ gelobt. Ronald Stöferle, geschäftsführender Partner und Fondsmanager bei der Incrementum AG, hat für solche Huldigungen kein Verständnis. Der Herausgeber des jährlich erscheinenden „In Gold we Trust“-Berichts ist der Auffassung, dass sich die Notenbanken selbst in eine Zinsfalle manövriert haben, aus der sie kaum wieder herauskommen. Die Folgen sind Zombiefirmen, gesellschaftliche Spaltung, wachsende Differenzen zwischen Nord- und Südländern in der EU sowie eine drohende, völlige Vertrauensimplosion der Menschen in Märkte, Politik und Institutionen.

An welchem Punkt das Vertrauen in den Euro und das System endgültig auf Null fallen wird, sei schwer zu prognostizieren, sagt Stöferle, aber bei Negativzinsen von -2 bis -3% sei dies denkbar. Und davon sind wir nicht mehr weit entfernt.
Stöferle spiegelt mit seinen Analysten gerne die Kaufkraft des Euro gegenüber Gütern wie Bier, Eintrittskarten, Autos und Schokoriegeln. Jedes Mal zeigt sich im zeitlichen Verlauf die
Erosion der Währung und die konservierende Bestandskraft von Gold.

Dass sich an der gefährlichen Geldpolitik in naher Zukunft etwas ändern wird, erwartet der Fondsmanager und Goldexperte nicht. „Je höher die Verschuldung“, sagt er, „desto größer wird die Aversion gegen steigende Zinsen“. Im Klartext: die politische, soziale und gesellschaftliche Erosion, die wir derzeit beobachten, wird sich eher verschärfen als entspannen oder gar auflösen.

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