Youtuber Hagen Grell will juristisch gegen Rufmord vorgehen, wie er in mehreren Videos ankündigte. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Für die Entwicklung einer „Alternative zu Youtube“ sammelte Grell Spenden von seinen Zuschauern. Es soll ein hübsches Sümmchen von über 60.000 Euro zusammengekommen sein. Um Youtube Konkurrenz zu machen, reicht ein solches Budget nicht mal für die Serverkosten aus, was Grell als studierter Informatiker wissen müsste, wie ihm damals schon angekreidet wurde. Immer wieder wurde das Projekt „FreiHoch3“ verschoben, eine erste Entwurfseite zeigte nicht viel mehr als ein paar verlinkte bzw. eingebundene Videos. Viele Nutzer äußerten ihren Unmut darüber und zeigten sich enttäuscht, teils mit derben Worten. Mehrfach hat Grell die Vorwürfe zurückgewiesen und nach über einem Jahr oder sind es bereits zwei (?) dann endlich die Webseite https://www.frei3.de/ vorgestellt.

Und wieder handelt es sich um eine eher dürftig anmutende Lösung, die bis jetzt nicht viel mehr bietet als ein gewöhnliches Forum. Inhalte sind lediglich eingebunden oder verlinkt. Wie daraus eine Alternative zu Youtube werden soll, fragen sich die empörten Nutzer wohl nicht zu Unrecht. Ob die Meckerer auch alle fleißig gespendet haben, ist eine andere Frage.

Screenshot Youtube

Neben diesen Querelen wird der Start von FreiHoch3 nicht gerade für schlaflose Nächte bei Youtube-Managern gesorgt haben. Gab.ai und usa.life sind zwei Beispiele für grandiosen Misserfolg. Wer Facebook und Twitter erfolgreich klonen will, muss erstens besser sein und zweitens auf Masse setzen, um an die nötigen Mittel zu kommen. Spartenprodukte für die Meinungsfreiheit rechnen sich nicht und sind leichte Beute für die politisch korrekten Netzgiganten, die die wichtigen Zugänge in die App-Stores einfach verweigern können. Ob FreiHoch3 sich außerhalb der üblichen Zielgruppe dauerhaft etablieren kann, glaube ich persönlich nicht. Aber für jedes Geschäft gilt, dass der Kunde, nicht der Kritiker, König und somit maßgeblich ist.

Spannender wird der Schlagabtausch zwischen Grell und Anonymousnews.ru, die in ihrer Kritik eindeutig zu weit gegangen sind, was allerdings bei fast jedem der meist von anderen Seiten zusammen geklauten Artikeln dieser Schundseite der Fall ist. Die Ausführungen zu Grells Aussagen über WordPress als minderwertige Software sind in dem bemängelten Anonymousnews-Artikel allerdings im Kern zutreffend:

“ … ab Minute 7:40 …anschauen. Dort lässt sich Grell über WordPress aus und stellt damit seinen chronischen Dilettantismus unverblümt zur Schau. Er weiß natürlich nicht, dass neben der New York Postund USAToday, auch die News Corp, einer der weltgrößten Medienkonzerne, WordPress als CMS für die Internetseiten, der von ihr verlegten Zeitungen und Magazine nutzt. Abhängig von der Serverumgebeung ist WordPress in der Lage mehrere Hunderttausend einzelne Zugriffe pro Sekunde zu verarbeiten. „

Die Wortwahl ist unterirdisch – keine Frage. Tausende Entwickler haben WordPress zum erfolgreichen CMS gemacht, was Grell diesbezüglich behauptet, ist schlichtweg falsch. WordPress geht nicht ab 500 Besuchern gleichzeitig einfach so in die Knie. Wenn man aber etwas anderes will, als WordPress bietet, ist die Entwicklung eines eigenen Systems nicht unbedingt verkehrt. Das sollte man dann aber auch so kommunizieren und nicht einfach unqualifiziert Äpfel mit Birnen vergleichen und über die eine Sorte Obst schimpfen. Es hätte da durchaus auch noch andere Lösungen gegeben, mit denen man fast alles machen kann, ohne gleich das Rad neu erfinden zu müssen. IKEA, Ebay, die BURDA-Gruppe (BUNTE) setzen auf Drupal, dem Alleskönner unter den Content Management Systemen. Je nach Funktionsumfang und Mannschaftsstärke dauert aber auch hiermit die Entwicklung mehr als nur ein paar Tage.

Die anvisierten Nutzer interessiert so ein IT-Geschwafel nicht, sie müssen auch keine Ahnung davon haben, haben es aber ganz besonders verdient, dass ihnen im Kampf für die Meinungsfreiheit auch die Wahrheit erzählt wird. Dass nun einige Fachkundige Grell vorwerfen, seine Zuschauer zu verschaukeln, daran ist er mit solchen Aussagen nicht unschuldig.

Die andere Sache ist das mit dem Versprechen der „Freiheit von Zensur“, das Grell so nicht einhalten kann, wie sich das wohl manche Nutzer vorstellen. Mit einem Firmensitz in Ungarn und einer DE-Domain ist nicht mehr Spielraum möglich als die EU und das deutsche NetzDG zulassen. Und man kann davon ausgehen, dass auch im geschlossenen Bereich gewisse Hassismus-Jäger sehr genau hinschauen und melden, was das Zeug hält. Bezeichnenderweise hatte auch Mario Rönsch, mutmaßlicher Betreiber von anonymouwsnews.ru seinen Wohnsitz in Ungarn, was ihn nicht vor der Verhaftung und Auslieferung wegen Waffenhandel mit „Migrantenschreck“ schützte. Wer aktuell die Seite betreibt, ist unbekannt, von daher darf man gespannt sein, wie weit Herr Grell juristisch gegen anonymousnews.ru vorgehen kann.

 

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