Realsatire: „Pokémon Go“ führt zu mehr Bewegung und Zusammenhalt

Kaum zu fassen, aber sie haben es wirklich getan: Wirtschaftsinformatiker untersuchten die Auswirkungen der Spiel-App und kommen zu einem mehr als traurigen Schluss. Das Spiel fördere mehr Zusammenhalt und Bewegung schließen sie aus einer „Online-Umfrage“ – mit richtigen Menschen wurde offenbar nicht geredet.

Pokémon Go photo
Photo by edowoo

Auch dieser „Spieler“ aus Aachen hat wahrscheinlich nicht an der Studie teilgenommen:

Um einen „Pokemon“ zu fangen, lief ein 15jähriger Jugendlicher ohne auf den Verkehr zu achten bei Rotlicht über eine Fußgängerfurt am Friedrich-Wilhelm-Platz. Ein Taxifahrer konnte seinen PKW nicht mehr rechtzeitig abbremsen und erfasste den Jugendlichen an der Hüfte, der hierbei zu Boden stürzte. Der Jugendliche zog sich Schürfwunden an den Extremitäten zu. Ferner brachen ihm zwei Vorderzähne. Mittels RTW wurde er zur stationären Behandlung dem Krankenhaus zugeführt.

Hier die „wissenschaftliche Studie“:

Die aktuell beliebte Spiel-App „Pokémon Go“ führt bei den Spielerinnen und Spielern zu mehr Bewegung und stärkerem Zusammenhalt. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie von Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatikern der Technischen Universität Braunschweig. Das Forschungsteam um Prof. Susanne Robra-Bissantz und Dr. Patrick Helmholz befragte 3.235 Pokémon-Go-Spieler online zu den Auswirkungen der Spiel-App in Hinblick auf ihre physische Aktivität und ihrer sozialen Zugehörigkeit.

„Pokémon Go“ beeinflusst physische Aktivität positiv

Mehr die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spielen täglich zwischen 30 Minuten und zwei Stunden „Pokémon Go“, rund 24 Prozent geben an, mehr als zwei Stunden täglich mit der Spiel-App zu verbringen. Dies wirke sich laut der Umfrage auch auf die Bewegung der Spieler aus. Etwa 60 Prozent geben an, dass sie durch das Spiel öfter draußen sind als vorher und ca. 55 Prozent behaupten, dass sie gelegentlich Umwege in Kauf nehmen, um spielrelevante Orte zu besuchen und so Vorteile im Spiel erreichen. Denn fest verankerte, ortsbezogene Spielelemente wie ‚Pokéstops‘ und Arenen sind das Ziel der Pokémonjäger. “52 Prozent der Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer bestätigen, dass sie auf diese Weise auch ihr Wohnumfeld besser kennenlernen”, erklärt Patrick Helmholz. Etwa 41 Prozent geben zudem an, bei der Gestaltung ihrer Fortbewegung die Spielauswirkungen mit einzubeziehen. “So wird vermutlich auf kürzeren Wegen häufiger zu Fuß gegangen oder das Fahrrad genutzt und das Auto stehen gelassen”, ergänzt Michael Meyer.

Ab zwei Stunden Spielzeit entsteht Zusammenhalt

Bei Spielern, die täglich mehr als zwei Stunden mit „Pokémon Go“ verbringen, zeigen die Ergebnisse zudem auch eine positive Beeinflussung der sozialen Zugehörigkeit. „Diese Spieler erleben durch ‚Pokémon Go‘ ein Gefühl der Zusammengehörigkeit oder lernen andere Spieler kennen und unterhalten sich mit ihnen über das Spiel“ erläutert Felix Becker vom Forschungsteam. Über 60 Prozent der Vielspieler haben dadurch neue Menschen kennengelernt und tauschen sich mit ihnen über „Pokémon Go“ aus. Über 40 Prozent geben zudem an, sich den anderen Spielern verbunden zu fühlen und Teil einer Gruppe zu sein.

So haben sich auch Orte etabliert, an denen sich besonders viele „Pokémontrainer“ treffen und austauschen. „In Braunschweig sind beispielsweise an der Alten Waage oder auf der Rasenfläche des Löwenwalls fast rund um die Uhr Spieler aktiv”, erklärt Patrick Helmholz. Linda Eckard vom Forschungsteam ergänzt: “Wenn Kinder plötzlich ihre Eltern fragen, ob sie nicht noch einen Spaziergang durch den Park machen können und nicht umgekehrt, dann hat sich doch schon etwas in unserer Gesellschaft geändert, zumindest für den Moment.”

Zur Umfrage
Die Onlineumfrage der Braunschweiger Wirtschaftsinformatiker wurde in der zweiten Hälfte des Augusts deutschlandweit verteilt und war sieben Tage erreichbar. Die Teilnehmer der Studie sind im Durchschnitt 25,8 Jahre alt. Dabei bildet die Gruppe der 21- bis 27-Jährigen mit über 50 Prozent den größten Anteil. Über fünf Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind jedoch auch unter 18 beziehungsweise über 40 Jahre alt. Die Geschlechterverteilung ist mit 59 Prozent männlichen zu 41 Prozent weiblichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern repräsentativ für Mobile Games. Zum Zeitpunkt der Erhebung war Pokémon Go in Deutschland seit sechs Wochen verfügbar. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben einen durchschnittlichen Spielbeginn vor 5,2 Wochen an und sind damit größtenteils fast seit Erscheinen des Spiels aktiv. Bis zu diesem Zeitpunkt erreichten sie durchschnittlich ein Spielerlevel von 20,4, etwa zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten bereits ein Spielerlevel von über 25 erreicht.


Quelle: Blog TU Braunschweig

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