Volksverhetzung im Staatsfunk

Dafür werden die Zwangsgebühren benötigt. Mit einem "Multimedialen Schwerpunkt" will der NDR darüber aufklären, wie sich Menschen "aus der Mitte radikalisieren." Der Sprachgebrauch wurde offenbar von der AA-Stiftung übernommen.

Hier die Propagandaaussendung inklusive der Namen der ausführenden Personen:

Der Messenger-Dienst Telegram, der als einflussreiche Echokammer von Extremist*innen gilt, hat in der Corona-Pandemie weiter an Zulauf gewonnen. Vor allem bei den Großdemonstrationen gegen Corona-Maßnahmen spielte der Dienst eine zentrale Rolle und hat zahlreiche neue Nutzer*innen in die Kanäle radikaler Querdenker*innen gespült. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 2.500 Telegram-Gruppen und -Kanälen des Datenwissenschaftlers Josef Holnburger von CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie) für "Die Story im Ersten: Querdenker - Wie sich Menschen aus der Mitte radikalisieren".

In einem crossmedialen Themenschwerpunkt beschäftigt sich der NDR mit der Frage: Warum erreichen Verschwörungsideologen inzwischen auch größere Teile der bürgerlichen Mitte? In der "Story im Ersten" für Das Erste, einem Beitrag für das investigative Reportageformat STRG_F (funk/ NDR), einer vierteiligen Podcastserie für den NDR Info Podcast "She Likes Tech" sowie in einer Webstory wird diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Die "Story im Ersten - Wie sich Menschen aus der Mitte radikalisieren" hat Querdenker*innen aus dem bürgerlichen Milieu acht Monate lang durch die Corona-Pandemie begleitet: Eine Familie - er Segellehrer, sie Erzieherin - sowie eine alleinerziehende Mutter, die kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Verwaltungsfachangestellten steht.

Die Autorinnen Svea Eckert und Caroline Schmidt erzählen, wie ihre Protagonist*innen Schritt für Schritt Teil der "Querdenker"-Bewegung werden; wie sie der Unmut über die Corona-Maßnahmen auf die Seiten "alternativer" Internet-Medien führt; wie sie immer tiefer in Verschwörungswelten abtauchen, dann zu Demonstrationen fahren und schließlich selbst Kundgebungen organisieren. Es ist die Geschichte einer Radikalisierung, die im vergangenen Winter ihren Höhepunkt erreicht.

Porträtiert wird außerdem ein Aussteiger, der sich 2014 während der Ukrainekrise radikalisierte und zum Anhänger von Verschwörungsideologien wurde. Heute studiert er und ist im SPD-Ortsverein aktiv. Er sei damals hilflos gewesen, sagt er heute, weil er nicht gelernt habe, mit digitalen Medien umzugehen.

Jede Krise bringt ihre eigenen Verschwörungsbewegungen hervor, die Radikalisierungen folgen einem immer ähnlichen Muster. Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick verortet sie in ein Modell von Eskalationsstufen. Im Herbst und Winter, auf dem Höhepunkt der Corona-Proteste, so Zick, sei die "Querdenker"-Bewegung der Schwelle zur Gewalt sehr nahegekommen.

Das investigative Reportageformat STRG_F legt den Schwerpunkt auf die Rolle von Social Media. Inwiefern sind diese Netzwerke tatsächlich Brandbeschleuniger gesellschaftlicher Konflikte? In einem Experiment für den NDR hat der Datenwissenschaftlicher Josef Holnburger 100 simulierte Verschwörungsanhänger*innen auf YouTube agieren lassen. Das Ergebnis: YouTube verliert im Jahr 2021 weiter an Bedeutung, wenn es um algorithmengetriebene Radikalisierung geht. Die findet in Social Media und vor allem beim Messenger-Dienst Telegram statt. Einige Protagonist*innen haben die Daten ihrer digitalen Accounts auf YouTube, Facebook und Telegram für die Recherche zur Verfügung gestellt. Der NDR hat sie datenjournalistisch ausgewertet. Damit lassen sich die Radikalisierungsphasen auf den Tag genau zurückdatieren.

Zu den beiden Filmen entstand auch eine vierteilige Serie für den Technologie-Podcast "She Likes Tech" von NDR Info. Unter dem Titel "Investigativ Spezial" liefern die Tech-Journalistinnen Svea Eckert und Eva Köhler vertiefende Hintergrundinformationen zum Einfluss von Social Media auf die "Querdenker"-Bewegung. Die Wirkung des YouTube-Algorithmus wird hier erklärt, genauso wie die Mechanismen der Echokammern, die auf Telegram entstehen. Außerdem gibt die Serie einen Blick hinter die Kulissen der Recherche, erklärt, warum eine der Querdenker*innen so umfassendes Datenmaterial zu Verfügung gestellt hat und wie die Journalist*innen bei der Auswertung vorgegangen sind.

Begleitend zu den Filmen und der Podcastserie veranschaulicht ein Web-Dossier auf ndr.de die Datenauswertungen. Mithilfe einer datengetriebenen Spurensuche geht das Dossier der Frage nach, wie der digitale Weg in den Querdenken-Kosmos vonstattengeht.

Die Story im Ersten: Querdenker - Wie sich Menschen aus der Mitte radikalisieren (Das Erste), Montag, 19. Juli 2021, 22.50 Uhr (seit Donnerstag, 8. Juli 2021, im ARD und NDR Vorführraum)

STRG_F (NDR/funk), Dienstag, 20. Juli 2021, ab 17.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Strg_F

Podcast "She Likes Tech - Investigativ Spezial" ab 20. Juli 2021 zweiwöchentlich dienstags in der ARD-Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt (seit Donnerstag, 8. Juli 2021, im NDR Vorführraum)

Web-Dossier ab Montag, 19. Juli 2021 18.00 Uhr, unter NDR.de/querdenke