Geheimniskrämerei um amerikanische Verhältnisse

Manchmal ist man versucht die These aufzustellen, dass wir völlig hinter dem Mond leben.

Angeblich fristen wir unser Dasein in einer offenen und transparenten Informationsgesellschaft. Aber ist das tatsächlich so? Womöglich muss man heute ein wenig den Fokus darauf verlagern, wer bei uns den Informationsmarkt dominiert. Gebetsmühlenartig wird behauptet wir lebten in einer offenen Informationsgesellschaft. Seitens der Politik wird uns ständig diese neumodische Vokabel des "Multilateralsimus" um die Ohren gehauen und dass man sich mit anderen Nationen und Gesellschaften in einem größeren Kontext abzustimmen hat. Letzteres ist eine sanfte Umschreibung für eine Gloablisierung, die dann auf lokale Eigenheiten kaum mehr eingehen kann.

Leider taugt das alles nicht sonderlich, soweit sich der (weltweite) Dialog einseitig bis intransparent gestaltet und von nur wenigen Figuren und Medien dominiert wird. Schon klar, an Medien und TV-Kanälen mangelt es uns nicht. Nur leider bürgt das noch nicht für Vielfalt. Spätestens wenn wir analysieren, dass die Informationsanbieter sich in den Händen weniger kapitalmächtiger Gesellschaften befinden, ist es mit der vermeintlichen Informationspluralität schon wieder erledigt. Sicher reicht es noch nicht den Verdacht abschließend zu erhärten, es ginge im Informationsgeschäft einseitig zu, aber den Blickwinkel darf man im Auge behalten.

Die gespaltenen Vereinigten Staaten von Amerika

Um diese Informations-Diskrepanz heute zu überwinden, schauen wir einfach mal rüber in die USA. Bei der Informationsbeschaffung dazu beschleicht einem das seltsame Gefühl etwas Verbotenes zu tun. Die Informationen fallen dem Betrachter nicht einfach in den Schoß, da selbst Google diese Details tief in seinem Datensalat vergräbt. Ganz so, als würde man ein Glücksspiel betreiben und im Erfolgsfall 70 Freispiele ohne Einzahlung dafür ergattern. Oder anders gesagt leicht auffindbar sind derlei Informationen von Deutschland aus nicht. Aber sehen wir mal weiter. Die Grafik oben zeigt dazu den Stand per April 2021.

In den USA haben inzwischen mehr als die Hälfte der Bundesstaaten so gut wie alle Corona-Maßnahmen über Bord geworfen. Von diesen Staaten wiederum haben einige sogar den Impfausweis per Gesetz verboten, um einer möglichen Diskriminierung vorzubeugen. Es soll damit verhindert werden, die Menschen in der Öffentlichkeit in Geimpfte und Ungeimpfte aufteilen zu können. Das alles passiert in den USA innerhalb einer Union. Das krasse Unterscheidungsmerkmal ist offenbar die politische Ausrichtung des jeweiligen Bundesstaates. Die demokratisch regierten halten "ums Verrecken" an den Maßnahmen fest, die republikanisch regierten lassen diese eins ums andere fahren.

Im Ergebnis schneiden damit die Bundesstaaten ohne Maßnahmen teilweise sogar besser ab als jene in denen die Maßnahme weiterhin ihre gesetzliche Gültigkeit haben. Hier mal ein Beispiel: The Texas Mask Mystery • When the governor lifted the state’s mandate, liberals predicted disaster. But it never came. Why?. Das wirft allerhand Fragen auf, die aufgrund der hier vorherrschenden Unkenntnis von den dortigen Zuständen logischerweise nicht gestellt werden.

Doppelstandards sind eine schlechte Zierde unserer Politik

Sobald die ein oder anderen mutigen Journalisten es in der Bundespressekonferenz thematisieren, geben sich die Regierungssprecher betont ahnungslos oder verweisen darauf (entgegen der schönen Vokabel des Mulitlateralismus), dass man die Zustände in den Ländern doch gar nicht vergleichen könne. Alle anderen Trends, die etwas besser ins hiesige politische Konzept passen, werden selbstständig nach wie vor ohne Federlesen aufgegriffen. Was also unterscheidet die einzelnen Bundesstaaten in den USA hinsichtlich der vorherrschenden Situation? Richtig, nur die politische Färbung des jeweiligen Bundesstaates. Bei den Staaten ohne die Maßnahmen handelt sich vornehmlich um die republikanisch regierten. Die Demokraten halten in den von ihnen regierten Staaten das Pandemie-Regime im Einklang mit dem jetzt amtierenden Präsidenten Biden hoch.

In der Folge lässt sich erahnen, was bei uns gerade abgeht. Die EU, als auch die Bundesregierung, stehen den US-Demokraten um einiges näher als den dortigen Republikanern. Die folgende Ableitung ist deshalb nicht ganz abwegig. An der Schwelle von der Republik zur Diktatur. Wir beobachten diese Schizophrenie natürlich nicht nur im Umgang mit den Vereinigten Staaten. Selbst mit Blick auf Schweden oder Russland können wir ein ähnliches Bild ausmachen. Schweden, mit seinem andersartigen Umgang mit der Pandemie ist schon schwer zu widerlegen. Da hilft in der Regel nur konsequentes Ausblenden. Mit Russland geht das viel einfacher, man muss es lediglich dem alten Feindbild unterordnen und schon sind dort nicht existenten Corona-Maßnahmen irrelevant.

Ein wenig Weltoffenheit sollte uns helfen mit der Pandemie schneller klar zu kommen. Warum also weigert sich unsere Politik diese Dinge tiefergehend zu analysieren? Da bleibt ein unangenehmer Beigeschmack im Raume stehen, der leider auch nicht von den Mainstream-Journalisten aufgegriffen wird. Was würde sich bei uns ändern, würden wir verfahren wie Schweden oder viele US-Bundesstaaten. Richtig, die Pandemie wäre dann irgendwie vorbei und vermutlich würde dann die Impflust der Menschen auf einen Tiefpunkt sinken. Aber genau an diesem Punkt hat sich unsere Politik festgelegt. Erst wenn alle Menschen auf dem Planeten geimpft sind, soll die Pandemie vorbei sein. Vermutlich nur deshalb müssen wir hier weiter Pandemie spielen … und das mit all den abartigen Begleiterscheinungen.