Duell zwischen Morgenmagazin (Andreas Wunn) und AfD (Oliver Kirchner) – ausführliche Propagandaanalyse der Gesprächsführung

Vorbemerkung: Am 4.6.2021 führte der als Journalist tätige Andreas Wunn ein Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten Oliver Kirchner. Das Interview ist ein markantes Beispiel für Propaganda und Manipulation, die von Herrn Andreas Wunn als skrupellosem, ausführendem Organ gegen einen unliebsamen Wettbewerber der Altparteien durchgeführt wurde.

Im nachfolgenden Schlagabtausch zwischen den als Journalist arbeitenden Andreas Wunn und AfD-Spitzenkandidat Oliver Kirchner analysiere ich die psychologischen Methoden, mit denen Herr Kirchner bloßgestellt und als tumper, nicht wählbarer rechtsextremistischer Nazi dargestellt werden soll. Unter anderem verwendet der als Journalist arbeitende Andreas Wunn folgende Methoden:

  • Unterbrechen mitten im Satz
  • Belehrungen
  • Einschüchterung
  • Drohungen
  • Unterstellungen
  • Negative Assoziationen
  • Lachen
  • Fassungsloses Schnauben
  • Gönnerhaftigkeit
  • Falschbehauptungen
  • Aufforderung zur Loyalitätsbekundung und Abgrenzung / Distanzierung (Mao)

Weitere Methoden sind:

Subtext: Bedeutet „Beiklang“, also, das, was eigentlich mit einer Aussage gemeint ist, obwohl sie sich vordergründig freundlich und vernünftig anhören mag.

Assoziation: Bilder und Aussagen werden mit Ereignissen und Bildern verknüpft, die positive oder negative Gefühle erwecken.

Framing: Der Mensch wird wie bei einem Tribunal aufgefordert, lediglich innerhalb des festgesetzten Denkrahmens auf Fragen einzugehen bzw. Aussagen zu machen. Ein Verlassen des Denkrahmens zieht eine Bestrafung, Anprangerung und Kriminalisierung nach sich.

Einlullen: Aussagen werden kindlich, gewaltfrei und unschuldig formuliert, damit sich der Gegner entspannt, um dann umso härter anzugreifen.

Im Transkript erfolgt ich nach einzelnen Aussagen die Erläuterung der Methoden in kursiver Schrift. Ich gehe ausschließlich auf die Methoden des als Journalist arbeitenden Andreas Wunn ein, der nach meinem Dafürhalten die Schlacht mit dem schlagfertigen Oliver Kirchner verloren hat.

TIEFENANALYSE DES TRANSKRIPTS – INTERVIEW ZWISCHEN OLIVER KIRCHNER UND DES ALS JOURNALIST ARBEITENDEN HERRN ANDREAS WUNNE

00:00:00
Andreas Wunn: Bei uns jetzt Oliver Kirchner, der Spitzenkandidat der AfD.

Oliver Kirchner: Guten Morgen!

Andreas Wunn: Schönen guten Morgen, Herr Kirchner. Ich habe gelesen in der Vorbereitung. Sie wollen sich nicht gegen Corona impfen lassen. Haben Sie denn wirklich mehr Angst vor der Impfung als vor dem Virus?

Unterstellung: Herr Kirchner soll Angst haben, obwohl Andreas Wunn dies nicht wissen kann. Der Gebrauch des Wörtchens „denn“ drückt Unglauben darüber aus, wie man überhaupt mehr Angst vor einer schützenden Impfung als vor einem tödlichen Virus haben soll.

Ziel: Herr Kirchner wird als dummer, ungebildeter Mensch dargestellt, der offensichtlichste Tatsachen nicht zu verstehen vermag.

00:00:12
Oliver Kirchner: Also ich bin ja ein altes DDR Kind und bin durchgeimpft sozusagen. Es hat uns auch niemand gefragt, ob wir uns impfen lassen wollen.

00:00:18
Andreas Wunn: Jetzt werden Sie ja gefragt.

Herr Wunn unterbricht Herrn Kirchner und belehrt ihn.

Subtext: Menschen wie Herr Kirchner, die eine solche Meinung haben, haben es nicht verdient, dass man sie ausreden läßt.

Subtext: „Warum machen Sie dann diesen Aufstand und lassen sich nicht einfach impfen? Gerade Sie als DDRler sollten dankbar sein, dass man Sie überhaupt fragt. Schließlich waren Sie diese Freiheit ohnehin nicht gewohnt.

00:00:19
Oliver Kirchner: Jetzt werde ich gefragt. Ja, aber mit einer Impfung, die ich nicht haben möchte. Also, ich hätte eine Impfung genommen, die vernünftig entwickelt gewesen wäre, wo wir wissen, was für Folgen diese Impfung hat.

Momentan scheinen unsere Bürger hier die Versuchskaninchen zu sein, an denen man das auch testet und da bin ich, stehe ich nicht zur Verfügung. Ich möchte eine Impfung haben, die eine ordentliche Impfzeit hatte. Vier bis acht Jahre beträgt so etwas, wenn man so etwas machen möchte. Da hätte ich mich mit impfen lassen. Aber mit dieser Impfung, wenn man alleine das Problem mit AstraZeneca sieht – das sehe ich schwierig.

00:00:47
Andreas Wunn: Es gab ja schon Tests und Studien. Aber ich will es nur verstehen.

Subtext: Sie machen einen Aufstand wegen einer Impfung, bei der Sie sogar gefragt werden. Trotzdem sind Sie verantwortungslos, unsolidarisch und rücksichtslos. So etwas kann ich kaum glauben. Daher frage ich lieber nochmal nach, damit auch der letzte Zuschauer merkt, was für ein schlimmer Geselle Sie sind.

Andreas Wunn: Lassen Sie sich z.B. auch nicht testen, wenn Sie z.B. ältere Verwandte besuchen?

Subtext: Sind Sie also tatsächlich bereit, Ihre älteren Verwandten einer tödlichen Gefahr durch das Virus auszusetzen, nur weil Sie sich aus Trotz, Egoismus und Unbelehrbarkeit nicht impfen lassen wollen? Ziel: Der Zuschauer darf einen solchen Unmenschen nicht wählen.

00:00:53
Oliver Kirchner: Ich lasse mich zwischendurch schon ab und zu testen. Ich muss mich ja auch im Wahlkampf mal testen. Beim MDR und überall. Ich habe kein Problem mit dem Testen, aber ich glaube, dass wir den Menschen die Freiheit zurückgeben müssen, die nicht in ein Restaurant gehen, um sich vorher testen lassen. Die wollen einfach, wenn sie Hunger haben, in ein Restaurant gehen. Und die Zahlen, die gehen seit Januar zurück. Wir hatten im Januar 200 Leute auf den Stationen. Jetzt haben wir noch 50 auf den Stationen und 200 bei 2,2 Millionen. Da muss man als Regierung schon mal ein bisschen die Waagschale in die richtige Richtung bringen.

00:01:22
Andreas Wunn: Die Leute wollen zwar essen gehen, aber natürlich auch kein Corona bekommen.

Subtext: Wie können Sie nur so etwas Profanes wie „Essen gehen wollen“ mit der tödlichen Gefahr eines Virus gleichsetzen und gleichzeitig die Impfung verweigern? Das ist verwerflich!

Andrea Wunn: Wir sprechen gleich weiter auch noch über Corona

Kleine Drohung: „Sie kommen mir nicht davon“.

Andreas Wunn: Wir möchten aber unseren Zuschauerinnen und Zuschauer Sie mal kurz vorstellen in unserem Steckbrief.

Einlullen: Freundlich saloppe Ankündigung des Einspielers, als wäre die Welt in Ordnung, obwohl gleich zu einem Schlag ausgeholt werden wird. „Steckbrief“ könnte als negative Assoziation zu Aushängen mit den Konterfeis gesuchter Verbrecher verwendet worden sein.

00:01:32
Einspieler: „Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, 55 Jahre, verheiratet, drei Kinder. Der gebürtige Magdeburger lernt nach der Schule. Kfz-Mechaniker, arbeitet nach der Wiedervereinigung … als Autohändler. Die winzige Pause vor „als Autohändler“ kann negative Assoziationen zu windigen Gebrauchtwarenhändlern ermöglichen. Der AfD tritt Oliver Kirchner 2014 bei. Einer der wenigen neutralen Sätze.

00:01:48
Oliver Kirchner: Ich habe dort eine Partei gefunden, die zumindest zu 80 bis 90 Prozent das beinhaltet, warum ich in die Politik gegangen bin. Eine Veränderung dieses Landes. Die EU-Kritik, die wir zuerst hatten mit der Einführung des Euros.

00:02:00
Einspieler: Mit der Landtagswahl 2016 wird Oliver Kirchner Abgeordneter. 2018, als der damalige Partei und Fraktionschef André Poggenburg zurücktritt, steigt Kirchner zum Fraktionschef auf. 2015 gehört er zu den Unterzeichnern der Erfurter Resolution – Gründungsschrift der Strömung „Der Flügel“. Negative Assoziation mit dem „Flügel“, der lange in den negativen Schlagzeilen war.

Bei einem Treffen der Gruppe 2019 erhält Oliver Kirchner einen Ehrenabzeichen der rechtsextremistischen Gruppe um Björn Höcke.

Herr Kirchner wird mit der „rechtsextremistischen Gruppe“ um Björn Höcke in Bezug gesetzt, um den Untertanen eine Kontaktschuld Herrn Kirchners mit Herrn Höcke aufzuzeigen. Infolgedessen ist auch Her Kirchner als „rechtsextrem“ und als „nicht wählbar“ gebrandtmarkt .

Der Begriff „Rechtsextremistisch“ wurde über Jahre sehr stark negativ aufgeladen, so dass er bei den Wählern automatisch Ängste vor einer drohenden Machtübernahme von Hitler wecken soll. Dies setzt weitere stark belastende Gefühle in Gang, von denen man sich mit allen Mittel (Nicht-Wahl, Distanzierung, Beteuerungen, Entschuldigungen) entziehen will. Wie an einer Perlenkette entstehen nacheinander folgende, miteinander verknüpfte, quälende Gefühle: Rechtsextrem – Machtergreifung Hitler – Krieg – Tote – Mangel – Angst – Demütigung – Schuld – Scham – Ächtung.

Einspieler: In Sachsen-Anhalt will die AfD unter anderem alle Coronaeindämmungs-Maßnahmen abschaffen, die Landesförderung für die Theater halbieren (löst bei jungen Menschen, Bildungsbürgern und Alt-68ern Empörung und bei mehrheitlich linken Künstlern Existenzängste aus und soll sie daran hindern, AfD zu wählen) und ein Baby-Begrüßungsgeld zahlen. Allerdings nur, wenn mindestens ein Elternteil deutscher Staatsbürger ist. Löst bei Linken, Grünen und ängstlichen Bürgern Angstgefühle aus, als Nazi und Rassist geächtet zu werden und die Existenz zu verlieren, wenn sie der in zahlreichen Ländern üblichen Regelung mit einem deutschen Elternteil zustimmen.

Einspieler: Offen ist, wie die AfD ihre Ziele umsetzen will. Denn alle anderen Parteien schließen die Zusammenarbeit mit der AfD aus.

Soll Wählern zeigen, wie vergebens die Bemühungen der AfD sein werden, da ohnehin angeblich niemand mit der Partei zusammenarbeiten will. Daher macht es keinen Sinn, seine Stimme für die AfD herzugeben, da sie verloren sein wird.

00:02:47
Andreas Wunn: Herr Kirchner, bleiben wir nochmal bei dem wichtigsten Thema für die Wählerinnen und Wähler. Corona. Wir haben es gerade gehört, Sie lehnen im Prinzip alle Corona-Maßnahmen ab. Wollen Sie dem Virus freien Lauf lassen?

Subtext: Sind Sie wirklich so dumm und rücksichtslos oder tun Sie nur so?

00:02:59
Oliver Kirchner: Ich finde das ja schon sehr spannend, dass das Virus so schlau ist, dass es kurz vor der Wahl weiß, dass es verschwinden muss. Da geht es ja schon mal los. Wir haben jetzt fast keine Inzidenzzahlen mehr, die vorher noch sehr hoch waren. Das schiebt man auf die Bundesnotbremse. Das hat man …

00:03:11
Andreas Wunn: Man schiebt’s auch auf die Impfung.

Respektlose Unterbrechung mitten im Satz. Herr Kirchner ist es nicht wert, dass man ihn ausreden läßt. Belehrende Ironie. Subtext: Sie Depp. Haben Sie noch nicht einmal verstanden, dass gerade wegen der Impfung weniger Menschen sterben? Wie dumm kann man sein? ….

00:03:12
Oliver Kirchner: Man schiebt es auch auf die Impfung. Ja … Aber mit dieser Impfung kann ich ja trotzdem weiter Menschen anstecken. Bin nicht zu 100 Prozent geschützt. Weiß nicht was diese Impfung beinhaltet. Und da bin ich wirklich auch kritisch dem gegenüber. Ich hätte mir einen besseren Umgang mit ihr wünscht, auch mal Kritiker zu Wort kommen zu lassen. Das wurde ja alles totgeschwiegen oder sofort in die Verschwörungsecke geschoben. Und das hätte ich mir bei einer Regierung anders gewünscht.

00:03:34
Andreas Wunn: Also, ich habe viele kritische Stimmen gehört. Ich weiß nicht, ob Sie diese nicht gehört haben, aber sie kamen in den Medien vor. Ich finde, man kann nicht sagen, es wurden keine Kritiker gehört …

Subtext: Sie leben wohl nur in Ihrer AfD-Filterblase und halten uns alle für unqualifiziert und dumm.

00:03:41
Oliver Kirchner: Ja, Wissenschaftlicher nicht …

00:03:43
Andreas Wunn: Auch. Auch bei uns im Morgenmagazin. Respektlose Unterbrechung mitten im Satz. Herr Kirchner ist es nicht wert, dass man ihn ausreden läßt.

Der als Journalist arbeitende Andreas Wunn übernimmt die Gesprächskontrolle und verwehrt Herrn Kirchner weitere Ausführungen zum Thema „Wissenschaftler“, indem er wie ein Hase Haken schlägt und das Thema wechselt:

Ich wollte sie gerne zu ihrer Partei fragen. Frage wird wie aus der Warte eine unschuldigen Kindes gestellt, von dem keine Gefahr ausgeht, um den Gegner einzulullen.

Der AfD wird ja oft das große Wort geschwungen (AfD hat viele Prahlhälse, produziert viel heiße Luft und ist aber keineswegs ernst zu nehmen und nicht wählbar) und Ihr stellvertretender AfD Landesvorsitzender, der sagt z.B., Deutschland würde gerade in eine Diktatur umgebaut. Wir können mal kurz reinhören.

Zunächst erfolgt ein Satzbruch: „Ihr stellvertretender AfD Landesvorsitzender, der sagt z.B.“ Kinder brechen Sätze noch in Einzelsegmente mit typischen Satzbrüchen auf. Hier wird der unbeholfen und kindlich wirkende Satzbau eingesetzt, um Andreas Wunn als empörtes Menschenkind dazustellen, dass in seiner kindlichen Unschuld eine Ungeheuerlichkeit formuliert, die durch die „Kindchenmethode“ noch ungeheuerlicher wirken soll.

Subtext: Wie kann man nur so etwas Gemeines behaupten, dass unser Deutschland, wo wir uns alle lieb haben, in einen Diktatur umgebaut wird?!“ Herr Kirchner und seine Kumpels sind wirklich unter aller Kanone!!!

Der lässige, umgangssprachliche Nachsatz „mal kurz reinhören“ erfüllt ebenfalls den Zweck, Herrn Wunn als „unschuldigen“, zugänglichen, coolen, netten, unkomplizierten Typ dazustellen, der nicht so viel auf Syntax und Grammatik gibt und zugleich den Zweck, den Gegner einzulullen.

00:04:00
Einspieler Hans-Thomas Tillschneider: Es geht nicht um den Schutz der Gesundheit.

00:04:03
Einspieler Hans-Thomas Tillschneider: Die Regierung nimmt die leichteste Pandemie der letzten 2 000 Jahre zum bloßen Vorwand, um unsere Demokratie abzubauen und unsere Freiheitsrechte zu schmälern. Dieses Land wird gerade in eine Diktatur umgebaut und fast alle machen mit.

Der Aufnahmewinkel zeigt Herrn Tillschneider wie bei Aufnahmen von Hitler. Ziel: Negative Assoziation mit Hitler.

00:04:21
Andreas Wunn: Herr Kirchner, ich frage Sie: In dieser Wahlsendung, vor dieser Landtagswahl, in diesem Superwahljahr: Finden Sie, dass Deutschland in eine Diktatur umgebaut wird?

Subtext: Dieses Jahr strotzt vor Wahlen, was typisch ist für eine Demokratie. Aber trotz dieser offensichtlichen Wahrheit, die jedes Kind versteht, scheinen Sie zu finden, dass unser Land in eine Diktatur umgebaut wird. Ziel: Herr Wunn ist dumm.

Unterstellung: Herr Kirchner hätte diese Meinung. Dabei hat sie Herr Tillschneider geäußert.

00:04:31
Oliver Kirchner: Das sind harte Worte. Aber ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Wenn ein Bild ausreicht von Jörg Meuthen mit dem Chef der Hessischen Filmförderung Gesellschaft. Ein Bild beim Mittagessen, ohne Untertitelung – dass dieser Mann ,Mensch dann seinen Job verliert, weil er mit Jörg Meuthen beim Essen war. Dann müssen Sie mir erklären, ob das noch demokratische Züge hat.

Das Vorspiel mit Einlull-Taktik ist vorbei

00:04:49
Andreas Wunn: Sie müssen mir erklären, wie Sie sagen können: Wir sind hier fast in einer Diktatur. Wenn wir die ganze Zeit wählen in diesem Jahr. Sie stellen sich doch zur Wahl. In einer Diktatur könnten Sie sich nicht zur Wahl stellen.

Cancelling / Vernichtung der Meinung eines Menschen und damit der Würde des Menschen: Herr Wunn übergeht Herrn Kirchners soeben vorgebrachtes Argument mit der Entlassung des Chefs der Filmförderung komplett, als hätte Herr Kirchner nichts gesagt.

Danach fällt der bisher genutzte kumpelhaft, kindliche Ton und es wird zur stalinistisch-maoistischen Verhörtaktik übergegangen: „Sie müssen mir erklären, wie Sie sagen können: …“

Syntax: Wieder korrekt ohne kindliche Brüche. Das Vorspiel mit Einlullen ist vorbei.

00:04:59
Oliver Kirchner: Naja, in der DDR konnte man sich zur Wahl stellen und ist mit Hundert Prozent gewählt worden. Wie demokratisch das war …

00:05:03
Andreas Wunn: Sie vergleichen die Bundesrepublik mit der DDR.

Unterstellung, damit sich Herr Kirchner gezwungen wird, sich in dem von Herrn Wunn festgesetzten Denkrahmen zu verteidigen.

00:05:05
Oliver Kirchner: Nein, Ich vergleiche jetzt die Sachen, die passieren. Das bei bei der AWO, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, bei der DGB, bei der IG-Metall auf den Profilen von Menschen geschnüffelt wird, ob sie AfD-Leiter sind, ob sie kommentieren, ob sie Mitglieder sind. Die verlieren dann ihren Job. Das hatten wir schon mal. Das möchte ich ….

00:05:22
Andreas Wunn: Jaaa …(relativierend und leicht genervt)

Unterbrechen, Abqualifizieren und Entwürdigen von Herrn Kirchners Meinung.

Subtext: Heul doch und habe Dich nicht so. Es trifft genau die Richtigen: All die Menschen, die meine Kumpels und ich als überkorrekt, Anzugträger und alte weiße Männer verabscheuen. Umso besser, wenn Du Dich getroffen fühlst, denn das ist unsere Absicht.

Weiteres Ziel: Zuschauer sollen Herrn Kirchners Aussage durch die Unterbrechungen nicht wirklich wahrnehmen und hören dürfen.

00:05:22
Oliver Kirchner: … in diesem Land nicht nochmal haben.

00:05:23
Andreas Wunn: Ja … (relativierend) Ich würde trotzdem sagen, das ist nicht die Definition einer Diktatur.

Strategie: Eine falsche Behauptung solange wiederholen, bis sie jeder glaubt.

00:05:25
Oliver Kirchner: Das ist Ihre Meinung. Meine ist eine andere.

00:05:26
Andreas Wunn: Sie gelten – wir haben es auch gerade gesehen (Referenz zu tendenziösem Video als Beleg für „rechtsaußen“) – als rechtsaußen in der AfD. Sie haben die Erfurter Resolution unterzeichnet. Der Flügel. Der Verfassungsschutz sagt, der Flügel ist rechtsextrem. Was sagen Sie von sich selber? Wie rechtsextrem sind Sie?

Stakkatoartige Fragen wie in einem Verhör, um den „Verhörten“ zu verunsichern und in die Defensive zu bringen. Der Verfassungsschutz wird als oberste Instanz Gott gleichgesetzt, dem niemand zu widersprechen hat.

Subtext: Hat Herr Kirchner wirklich die Chuzpe, auch jetzt noch mit dem Flügel zu fraternisieren, wo wir doch seit Jahren aufzeigen, womit solche Abweichler zu rechnen haben?

00:05:39
Oliver Kirchner: Ich bin überhaupt nicht rechtsextrem. Sie können bei mir bis in die Wiege zurückverfolgen. Ich hatte noch nie Kontakte zu irgendwelchen rechtsradikalen Gruppen. Und wenn ich jetzt in die Politik gehe …

00:05:47
Andreas Wunn: … der Flügel … Wiederholung des bösen, geframten Codewortes, um Herrn Kirchner zu brandmarken und seinen Gedankengang zu stören. Hinweis auf Zuschauer, dass Herr Kirchner „des Teufels“ ist.

00:05:49
Oliver Kirchner: … und unterzeichne eine Resolution …

00:05:50
Andreas Wunn: … wird von Verfassungsschutz als eine rechtsradikale Gruppe bezeichnet.

Warnung an Wähler: Gott / Vater / der Verfassungsschutz hat gesagt, dass der Flügel rechtsradikal ist. Dieser Vorgabe muss man gehorchen. Denn sonst gehört man wie Herr Kirchner durch Kontaktschuld ebenfalls zum Flügel. Dies löst wieder die Perlenkette extrem belastender Gefühle aus, denen man um jeden Preis aus Todesangst entfliehen will:

Flügel – rechtsradikal – Oliver Kirchner – böse – menschenverachtend – rassistisch – nazi – Konzentrationslager – Krieg – Schuld – Scham – Ächtung – Verhungern – Tod.

00:05:52
Oliver Kirchner: Ja (genervt). Der Verfassungsschutz ist für mich aber kein Maßstab. Einer, der in eine Zelle ein Loch in der Wand sprengt, um sein eigenes Mitglied vom Verfassungsschutz aus dem Gefängnis rauszuholen. Also, wenn Verbrecher für mich ein Vorbild sein sollen, das fällt bei mir aus. Ich bin mit der Stasi großgeworden. Dieser Verfassungsschutz ist für mich kein Maßstab.

00:06:07
Andreas Wunn: Ja gut. Lleicht herablassender Ton, gefolgt von einem leicht fassungslosen, verächtlichen Schnauben über solch unerhörte Aussagen. Subtext: Sie, Herr Kirchner, wurden gewogen und zu leicht gefunden. Sie sind so borniert, Ihnen ist nicht mehr zu helfen.

00:06:09
Oliver Kirchner: Ja (seine eigene Meinung bestätigend).

00:06:09
Andreas Wunn: Sprechen wir mal über Inhalte. Subtext: hat die AfD überhaupt Inhalte? Wobei ich auch finde, dass das wichtige Positionen sind, die die Wählerinnen und Wähler auch mal hören sollten von Ihnen. Einlulltaktik.

00:06:16
Oliver Kirchner: Genau.

00:06:16
Andreas Wunn: Das zweitwichtigste Thema ist hier die Bildung. Uns hat überrascht – in Ihrem Wahlprogramm – Sie wollen die Schulpflicht abschaffen.

Wer ist „uns“? Das Zentralkomitee? Seine Kumpels? Das Tribunal? Gott? „Uns hat überrascht“: Sehr vorsichtige, weiche Sprache – typisch für den heutigen, seidenweichen Sprachgebrauch von Kommunisten.

Ziel: Gegner mit weichen, kindlichen, lässigen, kumpelhaften Aussagen aus der Reserve locken und dann zuschlagen.

00:06:23
Oliver Kirchner: Nein.

00:06:24
Andreas Wunn: Doch.

Statt einer Nachfrage, erfolgt ein trotziges „doch“ wie aus der Pistole geschossen. Subtext: Wir haben recherchiert. Hinterfragen Sie nicht die Weisheit und die Kenntnisse von „uns“. Demütigung: Sie sind ein Wicht. Wie können Sie uns nur in Frage stellen?

Wie viele Familien, glauben Sie, haben Zeit und auch Kenntnisse, Kinder zu Hause zu unterrichten?

Ohne Herrn Kirchner Zeit zu geben, sich zu erklären, erfolgt sofort die nächste Verhörfrage, um ihn zu verunsichern. Subtext der Frage: Sie haben keine Ahnung von Familien und wollen die Frauen wieder zurück an den Herd drängen, Sie Faschist!

00:06:29
Oliver Kirchner: Zumindest alle pensionierten Lehrer oder auch Menschen, die Lehramt studiert haben und …

00:06:33
Andreas Wunn: … haben sie nicht. Pensionierte Lehrer haben aber keine kleinen Schulkinder.

Unterbrechen mitten im Satz, um Herrn Kirchners valide Aussage auszuradieren und zu disqualifizieren. Behauptung, dass die Menschen keine Zeit hätten. Herr Wunn geht weg von normalen Familien und lenkt den Fokus auf pensionierte Lehrer ohne Kinder.

00:06:35
Oliver Kirchner: Ja, aber Sie haben ja schon mit der falschen Einleitung begonnen. Wir wollen die Schulpflicht nicht abschaffen. Das steht in diesem Programm nicht drin.

00:06:39
Andreas Wunn: Es steht drin.

00:06:40
Oliver Kirchner: Nein.

00:06:40
Andreas Wunn: Doch.

Trotzige Erwiderungen. Freches Verhalten. Verweigerung einer Unterhaltung unter Erwachsenen. Versucht, Herrn Kirchner in die Ecke zu drängen.

00:06:41
Oliver Kirchner: Wir wollen die Schulpflicht durch eine Bildungspflicht ersetzen. Das ist nicht „abschaffen“.

00:06:44
Andreas Wunn: „Schulpflicht abschaffen, Bildungspflicht einführen, Kinder zu Hause unterrichten.“ Wer kann seine Kinder zu Hause unterrichten?

Versuchte Vernichtung von Herrn Kirchner durch Zitieren der Aussage, die jedoch aus dem Kontext gerissen wurde. Es wird völlig ausgeblendet, dass die Regierung seit 1,5 Jahren den Eltern den Unterricht zu Hause abverlangt. Genau dies wird jedoch jetzt Herrn Kirchner zum Vorwurf gemacht.

Framing: Herr Kirchner bekommt den Schwarzen Peter des Regierungsversagens zugeschoben, damit der Wähler denkt, die AfD will das unbeliebte Home Schooling das Coronazeit fortsetzen.

Ziel: Eltern – insbesondere berufstätige Frauen – sollen vom Wählen der AfD abgeschreckt werden, da die AfD angeblich Mütter in Heim und Herd festsetzen und nun auch noch als Lehrerinnen missbrauchen will.

00:06:49
Oliver Kirchner: Na ja, ich hab’s Ihnen gerade gesagt, wer das kann. Und in den Zeiten in Corona hätte man sich das gewünscht, dass pensionierte Lehrer zurückkommen und vielleicht ihre Enkel unterrichten. Gerade in Zeiten, wo kein Schulunterricht war. Wir wollen das ja nicht als Hauptthema in den Wahlkampf stellen. Aber wir wollen den Leuten freistellen, die es eben auch können, ihre Kinder auch zu Hause zu erziehen. Eine Privatschule ist ja nichts anderes. Natürlich nach den Lehrplänen, das ist ja ganz klar.

00:07:10
Andreas Wunn: Genau. Sie müssen die Prüfung – das steht bei Ihnen im Wahlprogramm drin – machen.

00:07:11
Oliver Kirchner: Vollkommen richtig.

00:07:12
Andreas Wunn: Sie müssen die Prüfung machen. Es gibt eine große Diskussion zurzeit. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung hat gesagt, dass Teile der Ostdeutschen für die Demokratie verloren seien, weil sie in einer Diktatur politisch sozialisiert wurden. Die AfD wird so ein bisschen auch als Beispiel dafür genommen. Was sagen Sie in dieser Diskussion?

„Die AfD wird so ein bisschen auch…“ Einlullen mit kindlicher, defensiver Sprache, in der folgender Subtext verpackt ist: Sie, Herr Kirchner, sind in der DDR aufgewachsen und noch dazu in der DDR. Sie haben wohl auch nicht verstanden, was Demokratie bedeutet und sin dein hoffnungsloser Fall. Ziel: Dieser Mann ist nicht wählbar.

00:07:28
Oliver Kirchner: Ich glaube, dass bei dem Mann, der der Name wirklich Programm ist, das ist für mich ein Wanderwitz, der Kollege. Also, wenn ich das höre: Menschen, die in einer DDR sozialisiert wurden, mit der Diktatur aufgewachsen sind, Sensorik für Einschränkungen haben wie keine anderen – die alle als rechtsextrem oder rechtsradikal zu bezeichnen und über einen Kamm zu scheren. Also, einen besseren Wahlkämpfer als Herrn Wanderwitz können wir uns als AfD eigentlich gar nicht vorstellen.

00:07:50
Andreas Wunn: Würden Sie sich als lupenreiner Demokrat bezeichnen?

Fangfrage.

00:07:53
Oliver Kirchner: Ja … ja.

00:07:54
Andreas Wunn: Und trotzdem sagen Sie: „Wir driften ab in eine Diktatur.“

Unterstellung und Subtext: Herrn Kirchner, der sich zuvor gemäß maoistsicher Befragung als „lupenreiner Demokrat“ bekennen mußte, soll als Lügner bloßgestellt werden, da er angeblich, „Wir driften ab in einen Diktatur“, gesagt hat, obwohl er diese Aussage nicht getätigt hat.

00:07:57
Oliver Kirchner: Ja, nein. Ich habe das ja nicht gesagt. Sie haben ja was vorgespielt, was jemand anderes gesagt hat. Also, da müssen Sie schon richtig mal beim Thema bleiben. Ich hab nicht gesagt, wir driften ab in eine Diktatur.

00:08:04
Andreas Wunn: Sie haben sich aber auch nicht distanziert.

Stalinistisch-maoistische Befragung wie vor einem öffentlichen Tribunal. Es wird verlangt, dass Herr Kirchner sich von seinen Freunden und Kollegen, die nicht im verordneten Gleichschritt gehen, distanziert, um seinen eigenen Kopf zu retten und wieder in den Kreis der „Guten“ aufgenommen zu werden.

00:08:06
Oliver Kirchner: Nee, ich distanziere mich grundsätzlich nicht von meinen Kolleginnen, weil das meine Kollegen sind. Es sei denn, die machen eine Straftat. Dann distanziere ich mich. Aber ich glaube nicht, dass das eine Straftat war.

00:08:14
Andreas Wunn: Okay. Leicht gönnerhaft. Das lasse ich so gerade noch einmal durchgehen. Aber nur, weil die Sendezeit vorbei ist. Subtext: Dich krie‘g ich schon noch!

00:08:15
Oliver Kirchner: Ja (seine eigene Meinung bestätigend).

00:08:15
Andreas Wunn: Vielen Dank. Oliver Kirchner, Spitzenkandidat der AfD. Danke, dass Sie da waren.

00:08:19
Oliver Kirchner: Ja, sehr gerne.


 
 

Quelle: Conservo