Bremens Gesundheitssenatorin warnt vor Sanktionen gegen Impfverweigerer

Bernhard: "Können Menschen nicht als Gesundheitsrisiko brandmarken" - Kostenlose Bürgertests beibehalten

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) hat sich gegen die Sanktionierung von Impfverweigerern ausgesprochen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" warnte sie vor einer "Spaltung der Gesellschaft". Bernhard sagte: "Wir können Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen wollen, nicht als wandelndes Gesundheitsrisiko brandmarken und sanktionieren, um so Druck aufzubauen." Das führe erst recht zu einer Weigerungshaltung, so die Senatorin. "Wir brauchen eine Balance zwischen dieser Art von staatlicher Übervorsorge und Eigenverantwortung, Aufklärung statt Zwang." Sie verwies auf die Situation in Bremen, das derzeit mit gut 77 Prozent bundesweit die höchste Impfquote bei den Erstimpfungen aufweist: "Die gute Impfquote in Bremen belegt doch, dass das funktionieren kann." Ziel sei eine Quote im 80er-Bereich bei Erst- und Zweitimpfungen.

Darüber hinaus warnte Bernhard in der "NOZ" aber vor der Abschaffung der kostenlosen Bürgertests. "Das muss weitergehen", sagte Bernhard - wenn auch möglicherweise in geringerem Umfang als derzeit. Ohne die kostenlosen Tests fehle der realistische Überblick über die Corona-Lage im Land. "Wir müssen die Infizierungsrate kennen. Deswegen sehe ich auch eine prinzipielle Abkehr vom Grundsatz 3G kritisch. Viele Menschen werden sich einfach nicht mehr testen lassen, die es besser tun sollten." Das Angebot der kostenlosen Bürgertests läuft am 11. Oktober für all diejenigen aus, die sich bis dahin hätten impfen lassen können. Darauf hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder geeinigt. Für Kinder zwischen 12 und 17 sowie Schwangere soll das Angebot noch bis Ende des Jahres weiterlaufen.