Die IB-Affäre ist zur Belastungsprobe für die Regierungskoalition geworden. Was auf der linken Seite kein Problem gewesen wäre, hat sich zu einem Desaster für die FPÖ entwickelt. Unterm Strich liegt nicht viel mehr vor, als beispielsweise nach dem Regierungswechsel in Deutschland, als Gerhard Schröder, ein ehemaliger RAF-Verteidiger, und die Grünen das Kabinett Kohl ablösten. Joschka Fischers Vergangenheit als Straßenkämpfer mit Verbindungen zu mehreren Terroristen war kein großes Geheimnis. Spätere „Enthüllungen“, dass er möglicherweise Molotow-Cocktails auf Polizisten geworfen haben könnte oder in seinem Auto die Pistole transportiert wurde, mit der Heinz-Herbert Karry (FDP) ermordet wurde, konnten seiner Karriere keinen Schaden zufügen. Es blieb bei nebulösen Verdachtsmomenten. Selbst die „Pädophilie“-Affäre kostete 2013 keinem Grünen das Amt, die Partei verlor nur Wählerstimmen, davon will man heute nichts mehr wissen. Geht es aber um politische Gegner, dann leistet die Presse wie gewohnt Schützenhilfe, bringt jede Einzelheit an den Tag, mag sie auch noch so unbedeutend sein. Wie in Deutschland, so auch in Österreich.

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In der Causa Sellner ist es die logische Konsequenz, dass nun ganz genau hingeschaut wird und niemand auch nur im Entferntesten daran denkt, die gleiche Fairness walten zu lassen, wie wenn es um linke Aktivisten ginge oder die FPÖ eine Refugees Welcome Partei wäre. Die Hakenkreuz-Enthüllung reichte nun aus, um das Faß endgültig zum Überlaufen zu bringen. Treffer versenkt – Strache und Sellner in die Falle getappt.

Der mediale Schlagabtausch zwischen den beiden hat inzwischen so peinliche Züge angenommen, wie das öffentliche Zerfleischen der Piratenpartei über Twitter vor ein paar Jahren, womit sich die Partei damals alle Chancen auf einen Einzug in den Bundestag genommen hatte. Dasselbe wiederholt sich zur Europawahl – genau in dem Moment, in dem die Abgeordnete Julia Reda wichtige Aufklärungsarbeit zur Urheberrechtsreform geleistet hat und nun eine Lücke hinterlassen wird, die kein anderer schließen kann und wird.

Der Konflikt zwischen FPÖ und IB folgt dem gleichen Muster. Es wird peinlich, peinlicher, piratig: „Strache hat mich geblockt!“

Sellner wirft Strache zu Recht vor, er würde mit zweierlei Maß messen, denn Strache war ebenfalls als junger Mann Mitglied einer „Neo-Nazi“-Truppe und – oh Wunder – niemand habe ihm seinen Gesinnungswandel hin zur Mäßigung abkaufen wollen. Das habe er wohl vergessen, so Sellner. Der IB-Chef ist für die FPÖ zur „persona non grata“ geworden, selbiges gilt für die gesamte IB, aber die FPÖ wird es schwer haben, alle „Beweise“ über Verbindungen, die nun peu a peu in der Presse auftauchen werden, zu widerlegen.

Strache handelt schlichtweg kurzsichtig und naiv. Helmut Kohl oder Wolfgang Schäuble hatten seinerzeit die Macht, Beteiligungen an unsauberen Vorgängen auszusitzen, Strache aber ist gar nicht in der Position. Gegenüber Kurz muss er seehofern, wenn er seinen Posten behalten und die Koalition retten will. Die Strategie könnte daneben gehen. Den größten Schaden in der Affäre hat er davon getragen, während Kurz weiterhin den Saubermann geben kann. Strache wird es schwerfallen, den Imageverlust im eigenen Lager wieder gut zu machen. Solange er die Partei in der Regierung halten kann, ist alles gut, platzt die Blase, und die Gefahr ist nicht zu unterschätzen, dann kann die FPÖ mit ihm an der Spitze keinen Blumentopf mehr gewinnen. So erscheint es durchaus logisch, dass er den Weg des geringsten Widerstands geht, nach oben buckelt und nach unten tritt, jede Gemeinsamkeit mit der IB leugnet und hofft, dass der Kelch an ihm vorüber geht. Das wird nicht geschehen, früher oder später muss er das Gift einnehmen, das er selber mit angerührt hat und von Sebastian Kurz mit einem Lächeln verabreicht bekommt.

Von Sellner ist nicht zu erwarten, dass er in Zukunft schweigt, um es Strache leichter zu machen. Für ihn geht es um alles oder nichts. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit bleiben die Spenden aus. Was soll und kann er vor allem noch anderes machen? Wer würde ihn einstellen, falls er vor hätte, sich aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen? Das Feuer kann Strache nur löschen, wenn er sich bei Sellner entschuldigt. Alleine die Vorstellung klingt absurd.

Fahrradkette:

Der Vizekanzler hätte auch einfach bei unangenehmen Fragen auf die Ergebnisse der Untersuchungen gegen die IB verweisen und sich dann erst distanzieren können. Hat er aber nicht, da spielen Eitelkeit, Ängste, Befindlichkeiten und sonstige Diversitäten eine Rolle, nicht jeder hat den Schneid einer Angela Merkel, die in Kritik geratenen Weggefährten bis zum bitteren Ende stets ihr „vollstes Vertrauen“ aussprach, um sie im nächsten Augenblick in den Abgrund zu stoßen. Taktisch war die Ewige Kanzlerin immer erfolgreich, Strache nicht, sonst säße er auf dem Platz von Sebastian Kurz.

Highlander:

Es kann nur einen geben. In der Causa Sellner versus Strache geht es aber nur darum, wer von beiden Herren, dem anderen den Vortritt gibt. Am Ende sind beide weg vom Fenster.

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2 KOMMENTARE

  1. Wobei durchaus immer unklarer wird, um welche Sache es eigentlich geht. – Klarer wird jedoch, daß Strache längst nicht das Format eines Jörg Haider hat. Und immer dringender wird die Frage, wer diesem Jüngelchen Kurz eigentlich diese eigenartige Stabiltät gewährleistet.

  2. Jugend forscht nun mal und sammelt Input um auf den richtigen Pfad zu gelangen …..

    Was der Strache für ein mieser Typ ist , hat er jetzt bewiesen.

    Zumal gräbt er seiner Partei damit , in meinen Augen absichtlich ein Loch , um diese in der Öffentlichkeit schlecht aussehen zu lassen.

    Kurz & Strache sind in meinen Augen nichts weiter als Systemlinge.!

    Bei dem einen ist bekannt , dass er von Soros parfümiert wurde und der andere gibt sein bestes um die patriotisch-konservative Hoffnung in Österreich zu zerstören.

    Martin , es wird Zeit sich jetzt direkt in die Politik einzumischen und eine Partei zu gründen.
    Mit deinem IQ plus Redegewandtheit , der Wahrheit und den Verstand im Gepäck , steckst du die 3 mal in die Tasche.

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