Nicht mit uns: Kein Marschbefehl der DITIB für die Anti-Terror-Demo

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Foto by Ningbo Ningbo

Es hätte der große Befreiungsschlag werden sollen. Zehntausend muslimische Teilnehmer hatten die Organisatoren angekündigt. Ein starkes Zeichen wollten sie setzen, um ein für alle Mal die tief sitzenden Zweifel daran zu beseitigen, dass sich Muslime tatsächlich ohne Wenn und Aber gegen den Terror ihrer Glaubensbrüder stellen. Voller Ungeduld hatten Politik und Medien der Steilvorlage für ihre nächste Großkampagne entgegengefiebert: Eine gigantische Welle der Abgrenzung aus der muslimischen Mitte gegen den Islamismus – was hätte es Schöneres geben können. Erwartungsfroh hatten die Redaktionen ihre Texte vorformuliert, und in den öffentlich-rechtlichen Sendern freute man sich auf phantastische Bilder für seine bunten Nachrichtenmagazine. Am Ende stand eine der größten PR-Pleiten der jüngeren Geschichte. Nicht einmal eintausend Menschen verloren sich am Samstag auf der Kundgebung in Köln, einer der muslimischen Hochburgen Deutschlands. Zieht man die vielen Teilnehmer ab, die als nicht-muslimische Sympathisanten mitliefen, verbleibt ein kümmerlicher Rest weniger Hundert Muslime. So verpuffte die groß angekündigte Anti-Terror-Demo als „Friends-and-Family“-Ausflug einiger Aktivisten. Ein Erdoğan-Aufruf hätte Zehntausende auf die Straße gelockt. Nicht einmal schlechtes Wetter konnte man als Ausrede bemühen – da musste schon der Ramadan herhalten. Auf diesen verwies zumindest Deutschlands einflussreichster Islamverband DITIB, der kurz zuvor sein Fernbleiben angekündigt hatte.

Es scheint die Furcht vor dem Eingeständnis eine Rolle zu spielen, dass der Islamismus vielleicht doch etwas mit dem Islam zu tun hat

Dass vielen Muslimen die Bereitschaft fehlt, sich offen gegen den Islamismus zu stellen, dürfte in den seltensten Fällen in einer Solidarisierung mit den Terroristen begründet sein, auch wenn es tatsächlich Idioten gibt, die sich unverhohlen freuen, wenn wieder einmal ein Massenmörder im Namen des Islam Menschenleben ausgelöscht hat. In der weit überwiegenden Zahl scheint jedoch die Furcht vor dem Eingeständnis eine Rolle zu spielen, dass der Islamismus vielleicht doch etwas mit dem Islam zu tun hat. Denn eines ist sicher: Ohne Islam gäbe es keinen Islamismus – ganz gleich, ob man der Meinung ist, dass die Täter ihr Handeln zu Recht aus dem Koran ableiten oder die Religion nur missbrauchen. Und so ist es die tabuisierte Debatte darüber, was der Islam gegen den Terror tun könnte, die Muslimen erlaubt, sich hinter dem Feigenblatt der vermeintlichen eigenen Stigmatisierung zu verstecken, mit der die DITIB ihre Absage begründete. Solange Politik und Medien auf der einen Seite nicht bereit sind, ihre politisch-korrekten Scheuklappen fallen zu lassen, und Islamverbände auf der anderen Seite nicht jede Hasspredigt in ihren Moscheen rigoros unterbinden, wird sich daran auch nichts ändern. Der Kölner „Friedensmarsch“ hat eine klare Botschaft ausgesendet: Ohne den Marschbefehl ihrer Islamverbände sind viele Muslime nicht bereit, sich zu bewegen. Sie stehen unter dem Kommando mächtiger Führer, die kein Interesse daran haben, dass der Glaube zur schlichten Privatsache wird.

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Die Debatte beschränkt sich darauf, eine Friedfertigkeit der muslimischen Mehrheit hervorzuheben, die ohnehin selbstverständlich sein sollte

Dass sich die Berufspolitik dennoch mit der DITIB gemein macht und ihr unter anderem weitreichenden Einfluss in der Schul- und Integrationspolitik zugesteht, sollte grade Muslime mit großer Sorge erfüllen. Wenig hilfreich ist deren Flucht in die Opferrolle, die von eifrigen Journalisten zuverlässig bedient wird, indem sie sich darauf beschränken, eine Friedfertigkeit der muslimischen Mehrheit hervorzuheben, die ohnehin selbstverständlich sein sollte. Integrationsstärkender wäre das Einfordern ehrlicher Toleranz der Muslime gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen sowie eines Verzichts auf die weitreichenden Sonderrechte im öffentlichen Leben. Stattdessen aber bewegt die meisten Kommentatoren lediglich die Sorge, „rechte Kreise“ könnten sich das Kölner Debakel für ihre „Islamophobie“ zunutze machen. Damit werden Ursache und Wirkung ganz bewusst vertauscht, um einmal mehr vom eigentlichen Problem abzulenken. Die fadenscheinige Absage des größten Islamverbands in Deutschland, der mehr als  800.000 Gläubige vertritt und rund 900 Moscheen betreibt, bestätigt all die Kritiker, die den Islam für inkompatibel mit der säkularisierten Welt halten. Der Schaden, den das Fiasko des „Friedensmarsches“ angerichtet hat, wird nachwirken. Doch nur aus der islamischen Gemeinschaft heraus kann der Impuls kommen, der die Macht der Islamverbände bricht. Solange diese Bewegung ausbleibt, behalten all jene recht, die daran zweifeln, dass Muslime bereit sind, ihre Religion dem Staat unterzuordnen.

 

 

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Ramin Peymani
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