Nemzow – Trauer, Proteste und wilde Verschwörungstheorien

Spekulationen wider der Vernunft

Sogenannte „Putin-Versteher“ mag es verwundern, dass überhaupt jemand in Russland auf die Straße geht und um den erschossenen Oppositionspolitiker Nemzow trauert. „Die Kugeln galten uns allen“, das steht auf dem Transparent der Protestler.

Nun wird in allen Lagern wild spekuliert, wer hinter dem Attentat stecken mag, wem es nutzt und was es bezwecken sollte. 

Dabei dürfte längst klar sein, dass keine „offizielle“ Version, kein noch so eindeutig identifizierter Täter, keine bis ins kleinste Detail aufgedeckte Verschwörung, irgendwelche Zweifel der Zweifler ausräumen kann.

Das gilt natürlich genauso für jede noch so seriöse Gegendarstellung der besten Enthüllungsjournalisten der Welt.

Wer Putin als Drahtzieher vermutet, wird seine Gründe dafür haben und Beweise finden. Nemzow ist nicht der erste Putin Kritiker, der ein gewaltsames Ende fand.

Gegner dieser Theorie führen an, dass Putin zurzeit genug andere Sorgen  hat, als einen nur etwas nervigen Oppositionellen und nicht so dumm sein kann, ihn ausgerechnet in unmittelbarer Nähe zum Kreml töten zu lassen. Vielmehr stecken Putin Gegner dahinter, die den Verdacht auf Putin lenken wollten.

Beide Theorien gehen aber davon aus, dass Putin kein echtes Motiv hat – jedenfalls zurzeit nicht. Warum sollten Putins Gegner nun den Verdacht glaubhaft auf Putin lenken können, wenn es doch heisst, so dumm kann er gar nicht sein, das zu tun?

Und welche Putin Gegner könnten das Attentat geplant haben? Rechtsradikale, wie man bei Telepolis vermutet? Oder doch die CIA, damit Putins Ruf endlich auch bei seinen Verstehern bröckelt?

Alles ist möglich, ist denkbar, allerdings ist der CIA ziemlich wurscht, was wer wie worüber denkt, die USA führen überall Krieg, wenn sie das für nötig halten. Zurzeit in mehr als 14 Ländern. Da bildet auch die Ukraine keine Ausnahme. Sie wollen nur, dass die EU-Partner sich in diesen Krieg mit hineinziehen lassen und Waffen liefern – Hauptsache, der Krieg findet niemals auf dem nordamerikanischem Kontinent statt.

Es kommt schon lange nicht mehr auf die Wahrheit an – egal, ob sie aufgedeckt und vollständig präsentiert wird. Wer hat keine Zweifel an der „offiziellen“ 9/11 Version? Eine heutige Umfrage unter Islamhassern hätte aber wahrscheinlich zum Ergebnis, dass sie entgegen früherer Überzeugungen nun mehr von der amerikanischen Version der Geschichte überzeugt sind – es passt halt besser ins Bild.

Bei dem Attentat auf CharlieHebdo kamen auch sofort Zweifel auf, Verlauf und anschließende Instrumentalisierung der Morde durch die Politik bestärkten das Gefühl. Welcher Profikiller führt Papiere mit sich und lässt diese liegen? Zu viele eindeutige Beweise oder zu wenige Beweise, zu viel des Dunkels, alles erscheint verdächtig.

Aber Attentate und große Unglücke werden immer von der Politik instrumentalisiert – das heisst nicht zwangsläufig, dass sie dahinter steckt, sonst könnte man Kanzlerin Merkel auch beschuldigen, dass sie hinter Fukushima steckt, das der Auslöser für ihre sensationelle Energiewende war.

Das Attentat auf Nemzow kann auch ganz andere Hintergründe haben – organisiertes Verbrechen z.B. – ohne die mächtigen Oligarchen kann man in Russland ganz sicher nicht an vorderster Front gegen das System Putin bestehen. Politische Arbeit kostet Geld, viel Geld.

Wer wird es dann schon wirklich glauben, wenn die Medien berichten, dass die Tat aufgedeckt ist? Im Medienkrieg kommt und kam es noch nie auf die Wahrheit an, es ist nur entscheidend, was von wem geglaubt wird und aus welchen Gründen.

Die Medien haben die Deutungshoheit eingebüßt – ihre Methode der Meinungsmache versagt. Die Putinversteher wollen vor allem eines nicht: Krieg mit Russland. Weil dieser Krieg am ehesten nur den USA nutzt.

Dazu braucht es keine angebliche Troll-Armee aus dem Kreml, auch wenn es sie gibt. Eine Mehrheit in Deutschland ist gegen mehr Auslandseinsätze der Bundeswehr, gegen Afghanistan, gegen Waffengeschäfte mit Diktaturen wie Saudi Arabien und gegen die US Dominanz.

Der Mord an Nemzow und auch die Attentate und Affären der letzten Zeit haben aber einiges gezeigt:

In Russland ist Opposition gefährlich und kann einen das Leben kosten – ob nun Putin, seine Hintermänner ohne sein Wissen oder seine Gegner dahinter stecken – das Ergebnis zählt.

In Deutschland hingegen liegen Morde an oppositionellen Politikern schon eine Weile zurück.

Russlands Gesellschaft ist gespalten, 50.000 Menschen auf der Straße, die um Nemzow trauern, das hat schon eine Bedeutung, dass sich so viele Menschen noch auf die Straße trauen.

In Frankreich und in Dänemark kann Kritik am Islam lebensgefährlich sein – ganz gleich, ob die Attentäter „echte“ Islamisten oder Geheimdienstmarionetten waren.

In Deutschland wurde bisher noch kein Islamkritiker oder erklärter Islamfeind ermordet – bedroht und eingeschüchtert wurden sie bisher nur von sogenannten „linken Antifaschisten“ 

Whistleblower, wie Edward Snowden finden dagegen nur Schutz in Russland – ihn nach Deutschland  einzuladen hat man sich gar nicht erst getraut. Egal, welche taktischen Überlegungen Putin dazu veranlasst haben, ihn zu schützen – er hat es getan.

Ein anderer Whistleblower ist längst von der Presse vergessen, Julian Assange, der immer noch in Ecuadors Botschaft in Großbritannien fest sitzt. Wer glaubt an die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn? Großbritannien schiebt die Botschaft eines kleinen südamerikanischen Landes vor, um nicht selbst Farbe bekennen zu müssen.

Das ist die Realität im Westen, die sich vor den Bürgern nicht verbergen lässt. Es gibt innerhalb des Bündnisses für die Mitglieder keine echte staatliche Souveränität mehr – keine Zuflucht, keinen Schutz, kein politisches Asyl, wenn der Flüchtling nicht aus einem aussen stehenden Land kommt. Hätte man auch nur ernsthaft in Erwägung gezogen, Assange in den Iran oder nach Russland auszuliefern?

Die gefürchtete NWO, die Eine-Welt-Regierung, das Unwort, welches man nur Voldemortmäßig mit „Du weisst schon was“ umschreiben darf, sie ist keine Verschwörungstheorie, sondern nur noch nicht ganz verwirklicht, das westliche Bündnis muss sich nur noch ausweiten.

Wären Snowden oder Assange nicht im noch halbwegs zivilisierten Teil der Welt, würde sich niemand darüber wundern, wenn die USA sie mit ein paar Drohnen ausschalten würden.

So viel Schlechtigkeit traut man Putin einfach nicht zu – nicht zu Unrecht, denn Russland führt zurzeit gerade wie viel Kriege? Und sollte sich das politische Klima in Deutschland auch verschärfen, wofür es viele Anzeichen gibt, wo könnte man ernsthaft Unterschlupf finden, wenn man in politische Ungnade fällt?

Der „Lange Arm des Gesetzes“ reicht innerhalb des westlichen Bündnisses überall hin, dieses Gefühl macht sich breit und breiter. Und Gesetze wurden durch Anschläge und Demonstrationen begründet immer weiter verschärft – zuletzt in Frankreich, davor in Spanien. Mit Kriminalitätsbekämpfung hat das sehr wenig zu tun.

Auch die Auswegslosigkeit der Griechen beim Euro trägt dazu bei, dass das Vertrauen der Menschen immer weiter schwindet. Putins Russland ist nicht perfekt, aber souveräner als jedes Partnerland im westlichen Bündnis.

Und so halten es viele für möglich, dass mit dem Anschlag auf Nemzow Russland nur ein wenig mehr destabilisiert werden soll, damit Putin in Erklärungsnot gerät und sein Rückhalt bröckelt. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sich so etwas am Ende bewahrheitet.


Bildquelle:

Nemtsov photo
Photo by somiz
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