Nach der Putsch-Posse: Der Westen bejubelt den Sieg des türkischen Führers

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Photo by Tim Green aka atoach

Gerade einmal gut drei Stunden dauerte das, was uns die Türkei als „Putschversuch“ vorspielen wollte. Als am Freitag gegen 22 Uhr zur besten Sendezeit eine Handvoll Soldaten mit ein paar Panzern und etwas Fluggerät Teile Ankaras und Instanbuls scheinbar in ihren Besitz nahmen, schwante manchem bereits, dass der Spuk schnell vorbei sein würde. Von Beginn an wirkte das Ganze seltsam befremdlich, ja geradezu dilettantisch. Live konnte die Welt zuschauen, wie sich das Militär auf einer Brücke verschanzte, wie es einen Flughafen besetzte und den Staatssender TRT einnahm, um sich wenig später fast widerstandslos zu ergeben. Überall die gleichen Szenen: Die mit übergroßen Türkei-Flaggen anrückenden Massen eroberten ihre Stadt spielend leicht zurück. Der von Erdogan telefonisch bestellten „Armee der Zivilisten“ gelang es problemlos, die zwar zahlenmäßig unterlegenen, aber schwer bewaffneten Soldaten einzuschüchtern. Nein, da sind sich viele Experten einig, so sieht ein ernstgemeinter Putsch nicht aus. Erdogan verfolgte das makabere Schauspiel aus dem sicheren Versteck heraus und erklärte es wenige Stunden nach Beginn kurzerhand für beendet. Allerdings nicht, ohne mehr als 260 Tote zu hinterlassen, von denen rund 100 auf Seiten der „Putschisten“ zu beklagen sind. Die schräge Inszenierung gipfelte in Erdogans geschmackloser Feststellung, der Putschversuch sei ein „Geschenk Gottes“.

Der Führer, der auch schon mal Hitler-Deutschland als Beispiel für den Umbau des türkischen Staates nennt, verschwendet seit Samstag keine Minute, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Fast 3.000 Richter wurden umgehend ihrer Posten enthoben, mehr als doppelt so viele politische Gegner verhaftet. Die Welle der Säuberung und Gleichschaltung überrollt das Land mit unvorstellbarer Wucht. Angesichts dieser Entwicklungen sollte man meinen, es ginge ein Aufschrei durch die zivilisierte Welt, der vor allem aus Deutschland kommen müsste. Die Anfänge des Aufstiegs der Nationalsozialisten sind wohlbekannt. Doch weit gefehlt! Nur zaghaft melden sich Politiker der zweiten und dritten Reihe mit Kritik zu Wort. Der Rest – von der Kanzlerin bis zum Außenminister – freut sich mit dem Despoten über den „Sieg der Demokratie“. Von Washington über Brüssel bis nach Berlin überbietet sich die „politische Elite“ darin, Erdogan wohlfeile Wortgirlanden zu binden. Voller Erleichterung bejubelt man die Niederschlagung des militärischen Putsches und lässt dabei unerwähnt, dass der zivile Putsch in vollem Gange ist. Wo sich die westliche Welt im Falle der Ukraine noch einig war, dass nämlich Putschisten zu unterstützen seien, die ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt mal einfach so abgesetzt hatten, betrachtet sie die Sache im Falle der Türkei genau andersherum. Was gut zwei Dutzend Militärbasen und ein grotesker Flüchtlingspakt doch anrichten können.

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Natürlich ist die Sorge der NATO ebenso begründet wie die der EU: Zu leicht könnte Erdogan sich als militärischer Partner bockig stellen oder gar Millionen von Flüchtlingen auf Europa loslassen. Man hat sich dem Herrscher ausgeliefert. Völlig undenkbar ist angesichts dieser Lage ein EU-Beitritt der Türkei – und doch wird man ihn auf mittlere Sicht wohl nicht mehr verhindern können. Erdogan hat die westliche Welt in der Hand und macht sie zu seinem Spielball. Wir werden nie erfahren, wie sehr der türkische Befehlshaber hinter allem steckt – dass ihm der misslungene „Putsch“ als einzigem nutzt, ist jedoch unbestritten. Die von Krisen gebeutelten Staats- und Regierungschefs in Europa haben eine historische Chance verstreichen lassen, sich deutlich von einem Machthaber zu distanzieren, der sie verhöhnt, beleidigt und erpresst. Sie mögen damit ihre geostrategische Rolle „klug“ gespielt haben, doch über die Folgen sollten sie sich im Klaren sein. Wer Despoten zur Errichtung einer Diktatur gratuliert, darf sich nicht wundern, wenn ihm die eigene Bevölkerung das Vertrauen entzieht. Viel schlimmer noch ist aber, was sich seit Samstag in vielen deutschen Großstädten abspielt: Mit dem Aufmarsch Tausender Erdogan-Kämpfer erhalten wir einen Vorgeschmack darauf, wie sehr wir das Kuschen vor dem türkischen Herrscher noch bereuen werden.


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Ramin Peymani
Über Ramin Peymani 87 Artikel
Publizist, Autor der bekannten Klodeckel Chroniken - neuestes Werk "Spukschloss Deutschland" im Handel erhältlich

4 Kommentare

  1. Die Anfänge des Aufstiegs der Nationalsozialisten sind wohlbekannt.
    Könnt ihr mal diese hetze gegen die Deutschen sein lassen
    und uns mit diesen geisteskranken Moslems gleichzusetzen

  2. Lecken,bücken,Scheckbuch zücken. Die EU braucht Erdogan, sonst überschwemmt er uns mit Flüchtlingen und beraubt uns unserer steuergeldfinanzierten Militärbasen. Das meinen Politik und hörige Medien. Da kommt ein “Ritter-Rost-Putsch” sehr gelegen und ein paar Tote gehören halt medienwirksam aufbereitet dazu. Nun kann der türkische Wurzelhuber endlich das Volk “säubern”. Getreu dem Motto seines österreichischen Vorbildes. EU und Merkel-Vasallen gratulieren ihm zum Sieg der getürkten Demokratie. Die Bücklinge treten stramm an zur Huldigung des türkischen Vorgartenzwerges den kein Land braucht, wenn es nur begreift und endlich die eigenen Staatsgrenzen sichert. Des Diktators “Deutsche” Fern-Wähler jubeln, allerdings auf (noch) sicherem, Deutschen Grund und Boden. Wann sie wollen und so oft sie wollen, nach Gutdünken, Lust und Laune auch mit ordentlich Krawall.
    All das gibt es in Deutschland. Das mit dem “Säubern” allerdings muß hier noch von Leuten wie Tante Stasi-Kahane und Onkel Justus Maas erledigt werden.
    Ein unangenehmer Begriff, das mit dem “Säubern”. Regt heute niemanden mehr auf und ist absolut trendy und medientauglich. Vorausgesetzt kein AfD-Politiker benutzt diesen Ausdruck, dann kommt der böse Verfassungsschutz (man orientiert sich wohl an die Verfassung von Entenhausen, Deutschland hat keine).

    Liebe Demokratie, Du bist nun endgültig traurige Vergangenheit. Man hat Dich verraten, entehrt, geschändet und entsorgt. Eine Gute warst Du, ruhe in Frieden.

  3. Die Euro-Faschisten und NATOS in demokratischer Verkleidung sehen keinen Grund alle Verhandlungen mit der islamo-faschistischen Diktatur Türkei zu beenden.

    Sondern sie unterstützen die Säuberungen noch durch Wegsehen.

    Wenn das alles im Deutschland der 1930er Jahre das Verbrechen der Geschichte gewesen sein soll, mit dem uns Generationen von SPD und Linksgrünen Lehrern gequält haben, warum wehren Sie jetzt nicht den Anfängen, wie es so hieß?

    Und warum machen Sie sich zu Komplizen der Faschisten in der Ukraine, zu Komplizen der Antidemokratischen EU und wollen Meinungsfreiheit und Mehrheitsentscheidungen aushebeln?

  4. Was seid ihr denn bitte für Menschen?! Ihr Europäer werdet immer schlimmer und unverschämter in eurem völlig dummen Aussagen. 52 % der türkischen Bevölkerung haben diesen Mann dazu bevollmächtigt im Namen der Türkei zu regieren und zu habdeln! Wer seid ihr Europäer denn oder was denkt ihr euch dabei uns vorzumachen wie unsere Politik auszusehen hat??? Dumm müsst ihr sein. Demokratische Wahlen hat unser Präsident eindeutig gewonnen. Die Mehrheit der Menschen steht felsenfest hinter ihm. Und ihr werdet den Willen der türkischen Bevölkerung nicht brechen!

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