Münkler Watch: Der Tugendterror der digitalen Heckenschützen

Feigheit hat keinen Namen!

Sogenannte „Watch-Seiten“ gibt es viele – hauptsächlich bei Facebook und natürlich anonym. So anonym, wie die Seite  hu.blogsport.de von Berliner Studenten, die mit ihrem Professor nicht zufrieden sind. Statt fleissig für’s Examen zu lernen, rotten sie sich im virtuellen Dickicht zusammen und feuern aus dem Hinterhalt. Wer steckt dahinter?

„Gegen den Extremismus aus der Mitte“ prangert im Banner. Dieses Geschwurbel erinnert doch stark an Anetta Kahane, besser bekannt als Stasi-Spitzel IM Victoria.

Was soll das eigentlich sein, Mittelextremisten? Wer sich so einen Dünnschiss ausdenkt, den kann man nur als Exkremisten bezeichnen.

Und was werfen die Heckenschützen dem Professor eigentlich vor? Ihrem Geschreibsel kann man eigentlich nur entnehmen, dass sie ihn für eine Mischung aus Rainer Brüderle (der mit dem Dirndl) und Adolf Hitler halten. Ihre Theorien wollen sie unter anderem dadurch belegen, dass sie statistisch erheben, wie oft der Herr Professor das Wort „Nation“ in einer Vorlesung verwendet hat.

Wenn diese Kriechtiere  tatsächlich vorhaben, den langen Marsch durch die Institutionen anzutreten, dann wird spätestens in zehn Jahren ein Gesetz erlassen, damit in jedem Hirn ein Chip implantiert werden kann, der überwacht, wie oft am Tag verdächtige Wörter gedacht werden.

Wer mehr als zweimal die Woche daran denkt, so ein schlimmes Wort eventuell einmal auszusprechen, kriegt automatisch einen Neustart verpasst. Dass so ein Reset auch mal als Hirnschlag enden kann, wird dann eine gewollte Nebenwirkung sein.

Völlig erbärmlich ist die Rechtfertigung der unbekannten Trotzkotzkisten – Feigheit hatte eben noch nie einen Namen.

Der Blogger Raif Badawi, der für ein paar islamkritische Äußerungen in Saudi Arabien etappenweise tot geprügelt werden soll oder Edward Snowden, Bradley Manning und wie sie alle heissen – sie haben ihr Leben oder zumindest ihre Freiheit riskiert.

Und was ist es, was die neunmaldööferen Studenten eben nicht riskieren wollen? Genau – ihre Karriere, die sie noch gar nicht gemacht haben.

Auf ihrer virtuellen Klopapierrolle haben sie ihre Gedanken dazu erbrochen:

Datenschutz gelebt
Leider zeigen jüngste Entwicklungen im online- und offline-Datenschutz, dass das nicht mehr so einfach sein wird. Potentielle Arbeitgeber_innen würden unsere Namen recherchieren können und dabei feststellen, dass wir in unserer Studienzeit kritische Diskurse organisiert haben – Heutzutage ist das Verteten einer Meinung leider nicht sehr karrierefördernd. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, wenn wir unser kleines bequemes bürgerliches Glück nicht mit postadoleszenter Revoluzzerei verspielen wollen.

Nach diesem Poesiealbumeintrag stellen sie sich dann auch noch die Frage, ob sie nun feige wären? Besser kann man sich nicht selber eine schwere Intelligenzminderung bescheinigen.

Natürlich seid ihr feige Arschlöcher, was denn sonst? Und ihr Idioten entblösst euch noch gleich selbst. Ihr wollt euch also anpassen und hinterher nicht mehr zu dem stehen, was ihr gesagt habt? Solche charakterschwachen Waschlappen kann man nirgendwo brauchen, einstellen wird man sie auch nicht. Feigheit ist nirgendwo gefragt, sondern Skrupellosigkeit, wenn es nach oben gehen soll. Da habt ihr wohl was verwechselt.

Ihr seid so dämlich und fühlt euch moralisch überlegen. Wahrscheinlich seht ihr euch noch in eurem Wahn irgendwie in der Tradition mit Rudi Dutschke. Der hat allerdings Gesicht gezeigt und sich drei Kugeln dafür eingefangen – auf euch wartet jedoch viel Schlimmeres:

Ihr seid enttarnt! Als feige, duckmäuserische Anpasser_innen, Anpisser_innen, Spießbürger_innen mit Unterstrich. Ihr seid nicht mal eine Mottenkugel wert.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit – denn natürlich handelt es sich um eine Kampagne, sonst würden wir gar nicht darüber reden, sonst hätten nicht unzählige Schmierblätter diesem Kram ihre Aufmerksamkeit gewidmet und ihren Schreibrobotern den Befehl gegeben, darüber ein paar Artikel zu verfassen, die gerade so groß sind, dass noch genug Platz für die Werbung drum herum bleibt.

Was den Herrn Professor anbelangt, da gibt es wirklich schlimmere – ich habe heute dreimal Fotze, viermal Schlampe, zweihundertfünzigmal Ficken und ungefähr 585 mal an Blasen gedacht. Das alles natürlich pro Minute. Macht doch bitte mal eine Statistik für die letzten drei Monate. Viel Spaß beim Rechnen.

 


Bildquelle:

O 24

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Wolfgang van de Rydt
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Freier Journalist – Autor – Musiker