Monotheismus bedroht die pluralistische Gesellschaft

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, aber zerstört…

…diesen Unsinn wollte uns die Geschichtsschreibung lange weismachen. Heute geht man eher von einem allmählichen Untergang des Römischen Reiches aus. Aber immer noch hält sich die Legende, dass der verrückte Kaiser Nero das alte Rom in Brand setzte, um einen Grund für die Christenverfolgung zu haben.

Der verrückte Kaiser hat also den Christen die Schuld in die Schuhe geschoben?

Christen, die zum Beispiel auch die Bibliothek von Alexandria in Brand gesetzt haben und damit einen der wertvollsten Kulturschätze der Menschheit für immer vernichteten, weil die Bücher „heidnisch“ waren.

Es könnte auch anders herum gewesen sein mit dem alten Rom und dem staatstragenden Polytheismus. Das würde viel besser zum ansonsten auch so typischen Verhalten religiöser Monokulturen passen. Sie sind, wie auch ihr Pendant in der Agrarwirtschaft, zerstörerisch.

Sie dulden keinen anderen Gott, schon gar keine Götter neben sich. In der frühen Entstehungsphase von Sekten ist die Radikalität die wichtigste Voraussetzung für das Überleben und Ausbreiten der virulenten Botschaft.

Dass die Christen Geschichte geschrieben haben, liegt vor allem daran, dass sie ihre Geschichte aufgeschrieben haben – wer schreibt, der bleibt – das weiß man auch in jedem Büro.

Da nun die Christen selbst für ihre Geschichtsschreibung zuständig waren, konnten sie zudem auch schreiben, was sie wollten. Aus einem vielleicht ganz vernünftigem Kaiser wird ein verrückter Tyrann und aus der von Christen ermordeten Hypatia wird eine heilige Katherina, an deren Tod natürlich die bösen Heiden schuld sind.

Und so setzt sich die Geschichte des Christentums fort bis in die Gegenwart, in der völlig unstrittig ist, dass das Christentum zu Deutschland gehört, obwohl es doch einst ganz woanders her kam…

Der Polytheismus der alten Germanen musste weichen und unliebsame Kritiker kamen ins irdische Fegefeuer – auf den Scheiterhaufen!

Man könnte jetzt ewig so weitermachen und die Aufklärung ins Spiel bringen und behaupten diese habe auch das Christentum, die vorherrschende Religion des „Abendlandes“ gleich mit aufgeklärt – aber das wäre ein fataler Fehler. Das Christentum wurde vielleicht gezähmt, im Sinne von im Zaum halten, aber eine „Aufgeklärte Religion,“ wie die Kirchen es vorgeben zu sein, kann es nicht geben – es ist ein Widerspruch an sich. Die Religion wurde lediglich in ihre Schranken verwiesen.

Aber wie im alten Rom, bröckelt es gewaltig im politischen System des Westens, die Gesellschaft verändert sich dramatisch und die Wirtschaft ist nicht mehr erfolgreich.

Der Pseudo – Polytheismus der Multikulti-Sekte

Die Islamisierung ist real, wer das bestreitet und nicht zur Kenntnis nehmen will, der verkennt die Realität. Die Zahl der Menschen, die ganz offensiv ihre Religion auch im öffentlichen Raum ausdrücken und ausleben wollen, nimmt immer mehr zu. Noch trifft das mehr auf die Einwanderer zu, die ihre Wurzeln in muslimischen Ländern haben. Aber es ist unerheblich, von welcher Seite die Renaissance des Monotheismus eingeläutet wird.

Denn das Signal dieser Zuwendung zur Religion wirkt in beide Richtungen. Sie ruft Gegner auf den Plan und je fundamentalistischer sie wahrgenommen wird, desto mehr gibt es auf der Gegenseite eine Zuwendung zu ebenfalls fundamentalistischen Werten, oft seltsam gemischt mit Nationalismus. Das geschieht in der Türkei seit Erdogan und diese Entwicklung wird bei den Auslandstürken massiv forciert.

Im weitgehend säkularisierten, von Missbrauchsskandalen der Kirche geplagten Deutschland, mit einer stetig wachsenden Zahl an Kirchenaustritten löst das einen Reflex der Gegenwehr aus.

Zu beobachten ist das  in der AfD, die seit dem Linksruck der Unionsparteien einerseits sogenannte liberale Marktradikale und fundamentale Christen mit Wertkonservativen und Patrioten vereint. Das bißchen Kirche ist vielen „frommen“ Christen nicht genug, Freikirchen, Evangelikale und fundamentalistische Sekten, wie die Zwölf Stämme erhalten Zuwachs. Aus diesem Lager speisen sich die radikalsten Islamkritiker, die sogar in öffentlichen Predigten davon sprechen, dass es nur den einen, nämlich den ihren Gott gäbe. IDEA

Die Staatskirchen suchen jedoch den Schulterschluss mit den Neu-Religiösen und beharren auf einer Gleichwertigkeit aller Religionen und Toleranz gegenüber Andersgläubigen, die so aber in keiner monotheistischen Religion verankert ist, denn es gibt immer nur den einen Gott.

Damit entsteht eine Art Pseudo Polytheismus – der für fundamental-religiöse Menschen nur als Verrat erscheinen kann. Die Folge ist die Radikalisierung auf allen Seiten.

Die große Masse, die nur mäßig religiös ist und die religiösen Bräuche als eine Art Folklore betrachtet, ist dabei irrelevant. Sobald die Zahl auf einer Seite eine kritische Masse überschritten hat, nimmt die Radikalisierung exponentiell zu.

Die Frage ist dabei nur, ab wieviel Prozent ist diese kritische Masse erreicht und welche Ereignisse dienen als Auslöser?

Die Gewalt oder Eskalationsspirale kann hilfreich bei der Betrachtung sein. Der erste Teil der Frage kann sicher nicht korrekt beantwortet werden.

Jegliche Provokation löst eine Gegenprovokation aus, die wiederum in Gewalt münden kann. Ist es jetzt also ratsam Mohammed Karikaturen zu veröffentlichen oder nicht?

Hier ist einzig und allein die säkularisierte Zivilgesellschaft gefragt und der Staat, wenn er denn wirklich neutral wäre. Jede Intervention, die nicht den Dialog sucht, von einer religiös-ideologisch motivierten Gruppe ist falsch und konfliktfördernd.

Die Auseinandersetzung im öffentlichen Raum, die vielen TV Shows mit bärtigen Imamen, Konvertiten, christlichen Geistlichen, Experten und Kritikern ist vollkommen kontraproduktiv. 

Wenn Multikulti halbwegs miteinander funktionieren soll, dann ist nicht nur der reichhaltig gedeckte Tisch für alle eine Voraussetzung dafür, sondern auch gleiche Spielregeln für alle – Religion und Glauben müssen Privatsache sein. Auch und ganz besonders für die christliche Lei(d)tkultur. 

Monotheismus und die ideologische Entsprechung, der Nationalismus, sind das Gegenteil von der pluralistischen Gesellschaft. Wer eines davon fördert, ist, ob er will oder nicht, dafür verantwortlich, dass das friedliche Zusammenleben gestört wird.

Religion und ihre steinzeitlichen Gebrauchsanweisungen passen nicht mehr ins 21. Jahrhundert – auch wenn sich noch so viele Theologen abmühen, die Bibel oder den Koran mit vollkommen absurden Methoden für die heutige Zeit noch zu interpretieren und anwendbar zu machen.

Sie sind allesamt nur seltsam anmutende alte Männer in Bettlaken und kein bißchen heilig!

Und Gott ist nicht groß, sondern tot!

 

 


 

Bildquelle:

altes rom photo
Photo by Polybert49
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Wolfgang van de Rydt
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