Medienkrieg oder Medienkritik?

Sie sind immer noch nicht tot, die Printmedien, aber im Wandel. Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung ist nach wie vor das Springerblatt BILD. Im Netz zählen die altbekannten Magazine und Tageszeitungen ebenso zu den größten Informationsportalen, wie auch am Kiosk. Bild geht immer und wird in manchen Regionen besser abgesetzt als die lokalen Ausgaben der vermeintlich seriöseren Tageszeitungen oder das Handelsblatt – deren Zielgruppe ist eben etwas kleiner.

AlexaIm Alexaranking der deutschen Webseiten aber liegt ausgerechnet der Spiegel noch vor der BILD auf dem achten Platz. Sind Internetnutzer also klüger als analoge Zeitungsleser oder woran liegt das?

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Mit dem Aufkommen der neuen Medien hat sich einiges geändert und doch ist irgendwie alles beim Alten geblieben. Kleine Blättchen, die den Sprung ins Netz nicht geschafft haben, sind verschwunden und die Großen haben sie geschluckt. Der Springerkonzern weiss längst die sozialen Netzwerke für sich zu nutzen – in Facebook, dem Internet für Doofe liegt die BILD “Zeitung” wieder deutlich vor dem Spiegel, wenn man nach Gefällt mir’s vergleicht.  Im richtigen Internet, also da wo man noch eine Adresse in die Browserzeile eingeben muss, sind etwas mehr Rechtschreibfähigkeiten gefordert. Kein Platz für Leute, die nur BILDer gucken und Like Buttons drücken. Viele Nutzer verwechseln jedoch den Google Suchschlitz mit der Browserzeile und geben dort ihre Adresse ein – folglich liegt Google auch auf Rang 1 – übrigens auch deshalb, weil BILD Leser  die Internetadresse jedesmal neu googeln…

Mit Facebook, Google und Twitter haben drei unterschiedliche Medienformate die Welt im Netz verändert. Diese Plattformen sind besonders interaktiv – denn alles lebt davon, was der Nutzer anklickt oder eingibt. Twitter Trends und der berühmte #Hashtag werden von den großen Medienkonzernen für ihre Kampagnen genutzt, auch auf Facebook und Google Plus ist dieses Feature angekommen. Mit den Werbeetats der Großen können die Kleinen nicht mithalten und die Dominanz der Großen in den Netzwerken ist trotz aller digitalen Revolution wiederum eine Frage des Geldes. Wie auch bei den aufstrebenden Plattformen der Erfolg durch Akzeptanz der Marktgesetze nur möglich sein kann. Zuviel Idealismus schadet dabei.

So ist der “Mainstream” eben doch nicht so einfach totzukriegen.

Medienkrieg im Netz

Aber es tobt ein Kampf im Netz. Mit der tendenziösen Berichterstattung zur Ukraine hat dieser in diesem Jahr einen traurigen Höhepunkt erreicht. Von Morddrohungen gegen Journalisten aus der Mainstreampresse, ausgerechnet von Leuten, die für Pressefreiheit eintreten, bis hin zu Demonstrationen, wie jetzt in Hannover zum Tag der Deutschen Einheit oder mutmaßlich durch angeblich russische Netzwerke initiierte Shitstorms ist alles dabei. Trotz mehr als 200.000 gesammelter Unterschriften für die Absetzung der Talkshow Markus Lanz, läuft diese immer noch mehrmals wöchentlich im ZwangsDeutschenFernsehen.

Die vielen großen und kleinen Blogs, Onlinejournale und Internetsender werfen den “Mainstreammedien” Manipulation vor – nicht zu Unrecht. Beispiele hat es zuhauf im laufenden Jahr gegeben. Aber der Anspruch an die “Mainstreamportale” ist ein wenig naiv und übersieht bei aller Berechtigung einige Gesetzmäßigkeiten, die für alle Medienschaffenden gelten.

Die Theorie von der einseitigen Beeinflussung der Medien “auf Befehl von oben” verkennt die Realität und die verschiedenen Interessengruppen, die gerade von großen Portalen bedient werden müssen. Die Leserschaft muss bei der Stange gehalten werden, wenn Klickraten nicht stimmen, springen Werbekunden ab, der Druck auf die Redaktionen steigt und die Qualität der Berichterstattung kann alleine deshalb schon abnehmen.

Jeder Medienschaffende erzählt die Geschichte neu, jede Plattform hat ihre Grenzen, die Story muss in eine vorgesehene Kolumne passen oder in einem TV Bericht von wenigen Minuten verkürzt wiedergegeben werden. Und natürlich gibt es die “ideologische” Ausrichtung jedes Magazins, neben den Fachdisziplinen – Boulevard ist nicht Reportage und ernsthafter Journalismus hat in einem Schmierenblatt wie der BILD nichts zu suchen, Punkt! Wer das dort erwartet, dem ist nicht zu helfen.

Medien und Politik beeinflussen sich wechselseitig – die Affäre um eine Ausgabe der beliebten ZDF Sendung DIE ANSTALT, in der die Verflechtungen der deutschen Medienlandschaft satirisch auf der Bühne angeprangert wurden, machte auch die Ambivalenz der Alternativen Medien sichtbar. Was sonst gehasst wird, nämlich das ZWANGSFERNSEHEN, wurde empört verteidigt, denn die Redaktion der Anstalt wurde aufgrund dieses Beitrages heftig attackiert. Ansonsten wird diesem Sender sehr häufig Zensur vorgeworfen.

Dezentrale Vernetzung

Heute kann jeder mit wenigen technischen Mitteln Journalismus betreiben. Recherche aber braucht ihre Zeit und Fachkenntnisse, Quellen zur eigenen Arbeit sind unerlässlich. So nutzen kritische Alternativmedien sehr häufig den geschmähten Mainstream als Quelle, beziehen sich also oft auf Berichte, deren Wahrheitsgehalt sie sonst anzweifeln, als Beleg aber akzeptieren. Denn es fehlt natürlich an Infrastruktur. Reichweite und Qualität lassen sich nur durch Vernetzung erreichen und letztlich wieder durch Verdichtung.

Verdichtung, das heisst ein Zusammentragen verschiedenener unabhängiger Medien auf spezielle Portale, macht wiederum eine redaktionelle Auswahl vonnöten. Qualitätsrichtlinien können dann schon mal gerne als Zensur erlebt werden, doch Qualität ist unerlässlich, will man es mit den herkömmlichen Medien aufnehmen. Nur weil ein Medium “alternativ” ist, bedeutet das nicht, dass dort die “einzige Wahrheit” zu finden ist. Die Kritik an den “Medienstreamedien” bleibt einseitig und verpufft, wenn sie nicht auch auf die alternativen Medien angewendet wird. Dort wird nicht selten auch gutes Geld verdient, mit Sponsered Links gearbeitet oder gleich bezahlten Artikeln im redaktionellen Teil. Zahreiche Plattformen vermitteln solche Angebote – nur gibt es weniger Geld dafür, solange man nicht die Reichweite von Focus, Spiegel, Stern und Co hat.

Ein Beispiel sind die DEUTSCHEN WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN. Dahinter steckt mit Herausgeber Michael Maier ein österreichischer Journalist, der sehr lange bei der Berliner Zeitung war. Die Ausrichtung des Blattes (Es gibt Print und Online) ist klar erkennbar, kritisch zur EU und zum Euro, das Hauptthema ist logischerweise Wirtschaft. Hier sind “klassische” Journalisten am Werk. die vom Geschäft etwas verstehen und eine “Nische” besetzt haben. Dass diese Nische etwas größer sein muss, um noch als Nische bezeichnet werden zu können, zeigt der Erfolg der DWN und wie häufig ihre Nachrichtenfeeds (RSS) von vielen Blogs verbreitet werden. Die Konkurrenz wirft den Deutschen Wirtschafts Nachrichten “Alarmismus” vor – nur verständlich, der Erfolg dieser Plattform verschreckt.

Ob die DWN demnächst dem Handelsblatt den Rang ablaufen?

Auch der Heise Verlag gehörte mit Telepolis früher eher zu den alternativen Medien, heute ist man in der Bloggerszene nicht mehr so dieser Ansicht.

Der Krieg im Netz um die Deutungshoheit geht weiter – bei allem hin und her – entscheidend ist die Zielgruppe – der Mensch :-)  – welchen Portalen schenkt er sein Vertrauen? Wer kann überzeugen?

Die Wichtigkeit der alternativen Medien wird von immer größerer Bedeutung in diesen Zeiten, sie haben das Potential, die Medienlandschaft nachhaltig verändern zu können.

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3 Kommentare

  1. Die ständig lügenden, sogenannten klassischen Massenmedien sind die größte Gefahr für unsere Demokratie. Hier wird seit einigen Jahren nicht mehr informiert, sondern fast nur noch manipuliert. Das erinnert an die frühere DDR und an noch dunklere Zeiten. Diese Massenmedien müssen weg! Hier ist JEDER Bürger gefordert dem Einhalt zu gebieten und alle abonierten Massenmedien umgehend zu kündigen!

  2. Ich lese diese Seite schon seit längerem. Neben den ständigen Layout Wechseln ärgern mich solche Artikel wie dieser hier. Inhaltlich okay, aber viel zu harmlos, unsere Presse ist fest in der Hand von Lobbyisten, die ihre Kampagnen so geschickt planen, dass oft nicht mal die beteiligten Redaktionen selber merken, wie sie benutzt werden. Es reicht doch schon oft aus, gewisse Detail wegzulassen, unvorteilhafte Fotos zu posten oder eben wichtige Themen irgendwo, aber nur nicht auf der Hauptseite unterzubringen. Dazu sind die Printmedien voll mit Werbung auch im redaktionellen Bereich. Was beim ADAC gang und gebe war ist bei den Magazinen nicht anders. Wer am meisten zahlt, dessen Produkte werden hochgeschrieben. Von der Einflussnahme aus der Politik ganz zu schweigen, in den Redaktionen weiss man das, ich war selbst Jahre lang Chefredakteur einer lokalen Tageszeitung. Da ist es oft noch schlimmer – Berichte über lokale Industrie oder Politik können einem ganz schnell den Job kosten – darum bin ich auch nicht mehr da und heute zum Glück in Rente. Die letzten Jahre in der Arbeitslosigkeit waren jedoch alles andere als lustig.

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