Lolita-Express #5: Kaution und ein ominöser Reisepass

Die nächste Niederlage für Epstein! Bereits am Montag hatte Bundesrichter Richard Berman das am vergangenen Freitag vorgelegte Kautionsersuchen vertagt. Nun die Entscheidung: Epstein bleibt bis zum Prozessbeginn hinter Gittern.

In der heutigen Gerichtsverhandlung äußerte sich Richter Berman mit den Worten:

„Beginnend mit meinen Schlussfolgerungen wird der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Fortsetzung der Untersuchungshaft hiermit bewilligt und der Antrag der Verteidigung auf Freilassung vor Gericht hiermit respektvoll abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft hat die Gefahr für die Gesellschaft durch klare und überzeugende Beweisvorlegung festgestellt. Ich bezweifle, dass eine Freilassung auf Kaution keine Gefahr für die Gesellschaft darstellt!“

Zuvor hatte die Verteidigung argumentiert, Epstein stelle im Falle einer Haftentlassung keine Bedrohung dar:

Herr Epstein ist ein gesetzestreuer Bürger ohne eine einzige Anschuldigung von kriminellem Fehlverhalten. Seither lagen seine Bemühungen auf seinen Wirtschaftstätigkeiten“

Epstein hatte seine Hände auf dem Tisch vor sich gefaltet und zeigte keine Emotionen als Berman seine Entscheidung bekannt gab. Daraufhin hob Epstein, der ein dunkelblaues Gefängnisoutfit und rote Turnschuhe trug, seine Hand um seine Brille auszurichten.

Berman zitierte erneut die überzeugenden Zeugenaussagen der mutmaßlichen Opfer Annie Farmer und Courtney Wild, die nach Epsteins Verhaftung bei der Staatsanwaltschaft vorstellig geworden waren. Ferner liegen Beweise für Einschüchterungsversuche und Schweigegeldzahlungen gegenüber potenziellen Zeugen vor. Der milliardenschwere Unternehmer habe demnach insgesamt 350.000 Dollar an zwei Personen aus seinem näheren Umfeld gezahlt.

Neue mutmaßliche Missbrauchsopfer

Nach der Festnahme des milliardenschweren Investmentbankers treten immer mehr mutmaßliche Missbrauchsopfer in Erscheinung. Die Vorwürfe werden täglich lauter, die Anschuldigungen perfider, ein verpixeltes Bild der Niederträchtigkeit gewinnt immer mehr an Schärfe.

Courtney Wild ist vergangenen Montag extra aus Florida angereist. Sie wollte anwesend sein, an der Gerichtsanhörung teilnehmen, um Richter Richard Berman ihre Befürchtungen und Folgen einer Haftentlassung nahezulegen.

“Ich wurde von Jeffrey Epstein ab dem Alter von 14 Jahren sexuell missbraucht. Er muss hinter Gittern bleiben, zur Sicherheit aller anderen Mädchen. Dies ist ein öffentlicher Fall und er ist eine beängstigende Person, wenn er durch die Straßen geht“

Annie Farmer, eine weitere Frau, sagte dem Richter, sie sei im Alter von 16 Jahren in die Fänge von Epstein geraten. Sie erzähle von der ersten Begegnung mit Epstein, weigerte sich vorerst näher ins Detail zu gehen. Sie unterstütze eine Kationsverweigerung.

„Ich hatte das Unglück, Epstein in New York zu treffen. Daraufhin ist er mit mir nach New Mexico geflogen.“

Der stellvertretende US-Staatsanwalt Alex Rossmiller gab bei der Gerichtsanhörung bekannt, dass in den letzten Wochen Dutzende junger Frauen als Zeugen aufgetaucht seien.

„Der Fall hat sich dramatisch erweitert, die Beweislast wird von Tag zu Tag stärker. Die Behörden fanden auch viele, viele, viele, viele Fotos von nackten und teilweise nackten Frauen und Mädchen, Mädchen, die jung zu sein scheinen. Hinsichtlich seiner Bereitschaft Opfer und Zeugen zu manipulieren, halte ich ihn für sehr gefährlich. Der Angeklagte stellt aufgrund seines Vermögens ein außerordentliches Fluchtrisiko dar.“

Dazu gehören sechs Wohnungen – darunter eine Residenz in Frankreich – und zwei private Inseln. Epstein schätzte sein eigenes Vermögen für ein Bankinstitut auf mehr als 500 Millionen Dollar.

Ein dubioser Reisepass

Bereits am Montagmorgen, wenige Stunden vor Prozessbeginn, öffneten Ermittlungsbehörden einen Safe in der Villa. Darin sicher verstaut befanden sich über 70.000 Dollar, 48 wertvolle Diamanten sowie ein österreichischer Pass. Ein Pass, datiert und abgelaufen in den 80er Jahren, ist mit einem Foto von Epstein versehen, allerdings unter einem falschen Namen. Offenkundig gefälscht weist dieser Pass einen Wohnsitz in Saudi-Arabien aus.

Die Verteidigung gab hierzu zu Protokoll, der Pass wurde in den 80er Jahren im Zusammenhang mit Reisen im Mittleren Osten erworben. Dieser diente dem persönlichen Schutz bei Reisen in gefährliche Gebiete, um Gewalttätern, potenziellen Entführern, Geiselnehmern oder Terroristen vorzubeugen.

Dies twitterte auch eine anwesende CNN-Reporterin, Erica Orden.

Zollstempel weisen auf die Einreise in mindestens vier Länder hin, bei denen Epstein den Pass verwendet hat. Dies widerspricht dem Argument der Verteidigung, den Pass nie verwendet zu haben, sondern dieser lediglich als Vorkehrung gegen vermeintliche Terroristen und Entführern gedacht war.

In einer Einreichung am späten Mittwoch schreibt Staatsanwalt Geoffrey Berman:

“Tatsächlich enthält der Pass zahlreiche Ein- und Ausreisestempel, die die Verwendung des Passes bei der Einreise nach Frankreich, Spanien, Großbritannien und Saudi-Arabien in den 1980er Jahren dokumentieren. Die Anklage stellt ferner fest, dass die Stellungnahme der Verteidigung nicht darauf eingeht, wie der Beklagte den ausländischen Pass erhalten hat, und, was noch wichtiger ist, der Beklagte hat dem Gericht immer noch nicht mitgeteilt, ob er Bürger oder rechtmäßiger und ständiger Einwohner eines anderen Landes als der Vereinigten Staaten ist.”

Derweil wird geprüft, ob es weitere Informationen zum Urheber dieses Passes gibt.