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Eigentlich wollte ich hier erst einmal nichts mehr zu Corona schreiben. Eigentlich. Doch inzwischen mache ich mir Sorgen. Und ich kann nicht anders, als mir diese Sorgen von der Seele zu schreiben. Nein, ich habe keine Angst um meine Gesundheit. Auch nicht um die meiner Angehörigen, Freunde und Bekannten. Dabei stelle ich keinesfalls in Abrede, dass die Welt mit einem Virus kämpft, das in seiner Aggressivität und Infektiosität vor allem eine Bedrohung für Menschen darstellt, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Disposition gefährdet sind. Wer bisher schon lieber nichts mit Keimen zutun haben will, mit denen die meisten Menschen klar kommen, sollte sich erst recht vor Covid-19 in Acht nehmen. Mit dem Virus ist nicht zu spaßen, wenn man Immuninsuffizienzen, Krebserkrankungen, Lungenschädigungen oder andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme mitbringt. Und natürlich spielt selbst bei Gesunden das Alter eine Rolle bei der Frage, wie schlagkräftig die Immunabwehr ist. Insofern ist es verständlich, dass seitens der Verantwortlichen Maßnahmen ergriffen worden sind, um Risikogruppen zu schützen und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Doch je länger die verordneten Generaleinschränkungen andauern, desto deutlicher zeigen sich die Widersprüche und Gefahren, die mit ihnen einhergehen. Das fängt schon bei der Datenerhebung an, gilt aber besonders für ein Maßnahmenpaket, das inkonsistent ist und allein die Zahl der neu festgestellten Infektionen sowie der Verstorbenen in den Blick nimmt. Es wird Zeit, sich auf den Schutz der Risikogruppen zu konzentrieren, damit möglichst viele Menschen bald wieder in den Alltag zurückkehren können.

Dass die Angst vor Corona dazu führt, jeden zu hassen, der kritische Fragen stellt, ist eine Entwicklung, die für die Zukunft nichts Gutes verheißt

Ein Abstecher in die Untiefen der sozialen Netzwerke verdeutlicht, wie sehr das Virus nicht nur das Immunsystem Hunderttausender Menschen befallen hat, sondern auch das Immunsystem unserer Gesellschaft. Weit mehr noch als auf dem Höhepunkt der Massenzuwanderung der Jahre 2015 und 2016 stehen sich die Lager feindlich gegenüber. Argumente verhallen, Brücken werden eingerissen, Freundschaften zerbrechen. Ich verstehe, dass viele Menschen Angst vor den Gesundheitsgefahren haben, schon allein, weil ein erheblicher Teil von ihnen zur Risikogruppe gehören dürfte. Dass diese Angst aber dazu führt, jeden zu hassen, der kritische Fragen stellt, ist eine Entwicklung, die mit Blick auf die Zukunft nichts Gutes verheißt. Mit ihren katastrophalen Entscheidungen in der Asyl-Krise hat die Bundesregierung die Gesellschaft nachhaltig gespalten – in der Corona-Krise vertiefen sich die Gräben weiter. Schlimmer noch: Sie verlaufen entlang völlig neuer Gefechtslinien und spalten selbst die, die sich bisher in vielen Fragen einig waren. Es wäre absurd zu unterstellen, hierbei handele es sich um die bewusste Anwendung des Prinzips des Teilens und Herrschens. Fakt aber ist: Nie war unser Land seit dem II. Weltkrieg so zerrissen wie heute. Das ist die eigentliche Bedrohung, die von Corona ausgeht. Und so wird die Frage immer drängender, wie es nach der Epidemie weitergehen soll. Lässt sich eine Gesellschaft, die mit voller Wucht von den wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Maßnahmen getroffen wird, je wieder einen? Ich befürchte, wir werden weit mehr Leid erleben, als wir nun aufgrund der Statistik der Toten zu verspüren glauben.

Der fehlende politische Mut, die Beschränkungen bei allen Religionsgruppen gleichermaßen durchzusetzen, birgt gesellschaftlichen Sprengstoff

Corona deckt aber auch einige politische Lügen auf. Schon versuchen die Grünen die Zeit der Angst zu nutzen, um ihre ideologischen Pflöcke einzuschlagen, bevor wir Bürger uns wichtigeren Dingen zuwenden. Der Forderung nach einer schnellen Abschaltung von Atomkraftwerken aufgrund des nun gesunkenen Stromverbrauchs mag mancher entgegen seines Verstandes noch folgen. Doch schon der Ruf nach einer raschen Anhebung der CO2-Steuer wirkt geradezu zynisch, zumal der Anstieg von Schadstoffen an den üblichen Messstellen trotz eines drastisch gesunkenen Verkehrsaufkommens sowie die in den ersten beiden Monaten des Jahres bei weitgehendem Stillstand des chinesischen Riesenreiches gestiegene CO2-Konzentration in der Atmosphäre Fragen aufwerfen. Ebenso fliegt der Bundesregierung die Behauptung um die Ohren, Grenzen ließen sich nicht sichern. Allerdings zeigt die Tatsache, dass die Einreisebeschränkungen nicht für Asylbewerber gelten, wie leichtfertig der Infektionsschutz der Ideologie geopfert wird. Auch das ist eine Wahrheit, die uns Corona vor Augen führt. Dass man sich nicht recht zu trauen scheint, die Beschränkungen bei allen Religionsgruppen gleichermaßen durchzusetzen, birgt zusätzlichen gesellschaftlichen Sprengstoff. Nicht ohne Grund werden erste Warnungen vor einer fortschreitenden Erosion des Rechtsstaats und der Demokratie laut. Corona hat unser Leben drastisch verändert, aber die wirklichen Herausforderungen stehen uns erst noch bevor. Wer glaubt, mit dem Ende der Gesundheitskrise wäre das Schlimmste überstanden, dem wünsche ich jede Menge Schutzengel für die Zeit danach.

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Quelle und Erstveröffentlichung: Liberale Warte

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