Kurdisch-libanesische Clans und italienische Mafia unterwandern öffentliche Verwaltung

Bund Deutscher Kriminalbeamter plädiert für spezielle Strafkammern

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Kurdisch-libanesische Clans versuchen zunehmend, Ausländerämter, Zulassungsstellen oder Jobcenter zu unterwandern. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag-Ausgabe) konstatierte Oliver Huth, NRW-Vizechef des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK): „Wir wissen, dass die Organisierte Kriminalität (OK) zunehmend Einflussnahme auf die öffentliche Verwaltung ausübt. Entweder fließen Schmiergelder, oder es erfolgen andere Vergünstigungen.

Das gilt für Clans, aber auch etwa für Aktivitäten der italienischen Mafia hierzulande.“ Huth verwies auf den Fall eines inzwischen enttarnten Drogenrings in Duisburg und dem rheinischen Wesseling um Zweige der kalabresischen N’drangheta, dem Polizisten und andere Amtsträger auf Wunsch geheime Daten herausgaben. „Bei den Clans ist es ähnlich, da gibt es Personen aus den Ämtern, die interne Informationen durchstechen“, so Huth.

Der Experte plädierte für die Einrichtung spezieller Strafkammern, die sich um Clan-Kriminalität kümmern sollten. „Laut dem neuen bundesweiten OK-Lagebild führt NRW mit Abstand die meisten Clan-Verfahren“, führte Huth aus. „Es ist wichtig, die Familienstrukturen zu kennen, das komplizierte Personengeflecht zu durchblicken, den Umstand, dass viele kurdisch-libanesische Sippen Dutzende unterschiedliche Namen führen. Ein Richter sollte sich in dem speziellen Milieu auskennen, das ist Expertenwissen, das die Justiz sicherlich dringend braucht.“