Kosovo: Gefahr durch Nationalisten und Islamisten

Flammt der Balkankonflikt wieder neu auf?

Über 80 Verletzte und zahlreiche Festnahmen gab es gestern nach erneuten Ausschreitungen in Pristina, der Haupstadt des Kosovo.

Die nationale albanische Bewegung für Selbstbestimmung protestierte gegen den serbischen Arbeitsminister Aleksandar Jablanovic, der einer von drei Vertretern der Minderheit im Kabinett von Kosovos Präsidentin Atifete Jahjaga ist.

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Er hatte die Nationalisten als wilde Albaner kritisiert. Dabei ging es um serbische orthodoxe Christen, die ein Kloster im Kosovo zur Weihnachtsfeier besuchen wollten. Demonstranten hatten dies versucht zu verhindern, da darunter auch serbische Kriegsverbrecher gewesen sein sollen.

Serbien und der Kosovo streiten sich auch, wie schon 1998/99, über die Trepca Minen im Norden des Kosovos, die Regierung hat jedoch gegenüber Serbien nachgegeben.

Im Februar will die EU die beiden Staaten an den Verhandlungstisch bringen. Doch das Konfliktpotential könnte bei Weitem unterschätzt werden. Die Serben verhalten sich alles andere als klug durch ihre Unnachgiebigkeit.

Das spielt den Nationalisten  in die Hände und könnte auch die erstarkenden Islamisten im Kosovo beflügeln.

Im August 2014 wurden 43 Extremisten im Kosovo verhaftet. (DW)  Die Region ist stark muslimisch geprägt, jedoch war die Bevölkerung nie streng muslimisch. Der Staat Kosovo ist säkular. In der Politik haben religiöse Parteien bisher noch keinen Einfluss geltend machen können.

Der Anteil der serbischen Minderheit ist nach dem Kosovo Krieg auf ca. 7 % zurückgegangen. Sie ist eher traditionell christlich-orthodox,  während die Mehrheit der Albaner zu den sunnitischen Muslimen gehört. Dieses Ungleichgewicht könnten sich die Islamisten zunutze machen, wenn der Konflikt eskaliert.

Rechtsruck im EU Land Kroatien

Noch ist der anti-serbische  Unmut im Kosovo eher  nationalistisch motiviert. Und nicht nur im Kosovo, auch beim NATO Partner und jüngstem EU Mitglied Kroatien ist man spätestens seit der Wahl der konservativen Politikerin Kolinda Grabar-Kitarović zur Präsidentin, meilenweit von einer Aussöhnung mit Serbien entfernt. 

Ihren Rückhalt findet Grabar-Kitarović gerade bei den einflussreichen Kriegsveteranen, die mit der serbischen Minderheit in Kroatien nicht gut zurecht kommen. (ZEIT) Die Kriegsschuld und Verantwortung für die Kriegsverbrechen sieht man dort sehr einseitig nur bei den Serben.

In Belgrad denkt man sicher nicht über irgendwelche militärischen Schritte gegenüber den alten Konfliktpartnern nach, ein Vorgehen gegen Kroatien würde den NATO Bündnisfall auslösen. Dessen sind sich die Provokateure der Nationalisten in Kroatien und dem Kosovo sehr bewusst, aber die Ausschreitungen zeigen, dass die Regierung dort die Lage keineswegs unter Kontrolle hat.

Serbien als Rechtsnachfolger von Jugoslawien behält sich vor, die Unabhängigkeit des Kosovos praktisch nicht in Frage zu stellen, aber die Region weiterhin als autonomen Teil von Serbien zu betrachten. Das Gerangel um die Trepca Minen wird so schnell nicht befriedet werden können, schon gar nicht die Spannungen zwischen den Ethnien.

Die EU als Vermittler könnte überfordert sein. Denn Serbien ist immer noch mit Russland eng verbunden. Noch ein Fass neben der Ukraine wird man sicher nicht gerne aufmachen wollen.

Im Balkan befindet sich nach wie vor der soziale und kulturelle Sprengstoff aus dem die ganz großen Kriege hervorgegangen sind.


 

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6 Kommentare

  1. bitte hören sie auf über kroatien und kosovo zu schreiben, wenn sie keine ahnung haben. die serben haben in der erzwungenen diktatur yugoslawien uns kroaten, die bosnier und die kosovo-albaner sogar noch stärker unterdrückt. noch heute versuchen sie uns in städten mit serbischen minderheiten ihre sprache aufzuzwingen (in stadten die sie im krieg gegen uns zerstört haben!) und wollen unsere veteranen als racheakt mit erfundenen behauptungen strafrechtlich verfolgen (während ihre nachgewiesenen verbrechen ungestraft bleiben). wir hingegen haben nicht einmal eine kriegskostenentschädigung bekommen. gerechtigkeit ist die vorbedingung für versöhnung, aber die serben verfolgen nur ihre interessen.

    • Die Serben täten gut daran, von ihrer Anspruchshaltung abzurücken. So befeuern sie den Konflikt tatsächlich nur neu. Sie sollten zufrieden sein, mit dem was sie noch haben und nicht weiter die Hände nach dem Kosovo ausstrecken.

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