“Kein-Mensch-ist-illegal-Fraktion” entsetzt über polnisches Abtreibungsverbot

In Polen stimmte das Parlament für ein völliges Abtreibungsverbot. Bei illegalem Schwangerschaftsabbruch droht den Frauen und Ärzten nach Inkrafttreten des Gesetzes künftig eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

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Das Recht auf Abtreibung als MenschenrechtPhoto by boellstiftung

Feministinnen, wie hier bei der Böllstiftung halten daran fest, dass das Recht auf Abtreibung ein Menschenrecht sei. Die Formulierung ist mit voller Absicht so provokant gewählt. Wäre bei dem Thema ein Schalk im Nacken angebracht, könnte man die “Menschenrechtlerinnen” auch fragen, wie denn das ungeborene Kind das Recht auf seine eigene Abtreibung zum Ausdruck bringen sollte, damit es nicht missverstanden und gegen seinen Willen zur Welt gebracht wird. Natürlich geht es um “Frauenrechte” – nicht um Kinderrechte, Männerrechte, überhaupt nicht um “Rechte”  – denn “Rechte” sind ja gegen Abtreibung, wie neulich erst beim “Marsch für das Leben” in Berlin.

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Photo by CDL Deutschland

Zu diesen “Rechten” gehören dann offenbar auch die Kritiker der PID (Pränataldiagnostik zur vorgeburtlichen Erkennung von Behinderungen), die nicht ganz zu Unrecht befürchten, dass Eltern, die sich dafür entscheiden, ein Kind trotz Behinderung zur Welt zu bringen, dadurch unter Druck gesetzt werden und Nachteile in Kauf nehmen müssen. Sie sehen hier eine unerträgliche Nähe zu den Euthanasiegesetzen der Nationalsozialisten, die lebensunwertes Leben in Hadamar durch Kohlenmonoxid vergasen ließen. Die feministischen Kampfbegriffe vom angeblichen Gebärzwang wurden ebenso mit Verweis auf den Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen. Wer ist näher dran?

Ich kann mich an den Fall einer “Kollegin” erinnern, die in einer Frühförderstätte der Lebenshilfe für behinderte Kinder arbeitete. Als Eltern mit ihrem Kind zum Aufnahmegespräch erschienen und von der Behinderung ihres Kindes erzählten, rutschte ihr der Satz raus: “Was hatten Sie denn für einen Frauenarzt, das hätte man doch feststellen können?” Sie wurde entlassen.

Die Eltern waren zu Recht empört über diese mehr als unsensible Äußerung. Sie wären aber auch ebenso entsetzt gewesen über die Äußerungen von manchen Eltern bereits erwachsener Behinderter, die nämlich sagten, wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt, dann hätten sie abgetrieben. So einfach ist es eben dann doch nicht – außer, Abtreibung wäre grundsätzlich verboten.

Die in Deutschland geltende Fristenlösung mit Beratungspflicht ist ein Kompromiss, der Gegnern wie Verfechtern des “Menschenrechts auf Abtreibung” nicht genügt. “Mein-Bauch-gehört-mir” ist unmissverständlich, doch mit diesem totalitären “Menschenrecht” würde auch über das Recht anderer Menschen entschieden. Denn abtreiben kann eine Frau eben nicht ohne ärztliche Hilfe. Wären dann nicht Ärzte bei Androhung von Berufsverbot verpflichtet, eine Abtreibung auch gegen ihr Gewissen vornehmen zu müssen? Hätten sie im Zweifelsfall ein Recht auf Verweigerung?

Über den dritten Monat hinaus darf nur abgetrieben werden, wenn eine sogenannte medizinische Indikation vorliegt. Das ist theoretisch bis zum Geburtstermin möglich. Der Passus ist nicht eindeutig formuliert: “Besteht Gefahr für die körperliche oder psychische Gesundheit der Schwangeren, welche nur durch einen Schwangerschaftsabbruch beseitigt werden kann….” Eine einfach nur “ungewollte Schwangerschaft” fällt in der Praxis sicher nicht unter diese Regelung, auch dann nicht, wenn die Schwangere erst nach dem dritten Monat plötzlich arbeitslos oder verlassen worden ist und merkt, dass sie es alleine nicht schafft mit dem Kind.

Für tatsächlich ungewollte Schwangerschaften, nämlich infolge einer Vergewaltigung, gilt die verlängerte Frist übrigens nicht.

In Polen soll es keine Ausnahme mehr geben, auch nicht bei Vergewaltigung, nur noch bei Lebensgefahr für die Frau. Das ist harter Tobak, aber konsequent. Solche Auswüchse, wie der Planned-Parenthood Skandal in den USA, das verwerfliche Geschäft mit den Abtreibungen On-Demand wäre somit undenkbar, aber in der Illegalität werden skrupellose Vermittler und Engelmacher das große Geschäft wittern.

Kann aber in der heutigen aufgeklärten Zeit überhaupt noch jemand “ungewollt” schwanger werden? Es gibt sexuelle Selbstbestimmung der Frauen und Verhütungsmittel. Wer Sex hat, kann sich nicht nur Krankheiten einfangen, sondern “so ganz nebenbei” neues Leben zeugen. Und auch die besten Verhütungsmethoden können versagen. Entbindet das von der Verantwortung? Oder sind große Teile der Gesellschaft doch nicht so aufgeklärt, dass es auch heute noch so großzügiger Ausnahmen, wie der “sozialen Indikation” bei der Fristenregelung geben muss? Die Sexualpädagogen kommen doch schon mit dem Aufklärungskoffer voller Sexspielzeuge in die Kindergärten. Da gibt es keine Ausreden mehr, vom gerissenen Kondom oder der vergessenen Pille.

Bei so viel Bildung wäre es doch angemessen, auch in Deutschland noch einmal gründlich darüber nachzudenken, wie viel Abtreibung wirklich noch legal sein muss. “Nein heißt Nein” genügt doch.

Die “Kein-Mensch-ist-illegal-Fraktion” müsste eigentlich über die polnische Lösung jubeln und Lichterketten für grenzenloses Leben veranstalten.

Wie man liest, sind doch nicht alle so gleich:
kein-mensch-ist-illegal

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Wolfgang van de Rydt
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