Germersheim: Es war nicht anders zu erwarten. Laut Polizei kamen am Sonntag etwa 200 Teilnehmer zur Veranstaltung „Kandel ist überall.“ Tags zuvor sah es in Kandel selbst nicht viel anders aus.

Kandel ist überall -Demo in Germersheim - Foto: O24
Kandel ist überall -Demo in Germersheim – Foto: O24

Anders als in Kandel war in Germersheim aber auch von der sogenannten „Antifa“ so gut wie nichts zu sehen. Zwei Refugees-Welcome-Fahnenschwenker mit Trillerpfeifen und ein kleines Häufchen mit überwiegend Migrationshintergrund konnten die Veranstaltung nicht stören.

Gegendemonstranten fordern "Gewalt gegen Frauen stoppen" - Foto: O24
Witz des Tages: Gegendemonstranten fordern „Gewalt gegen Frauen (überall) stoppen“ – Foto: O24

Ist der Widerstand im Westen schon wieder auf dem Rückzug? So werden es manche Medien sicher frohlockend darstellen und gewisse bunte Bündnisse sich das als einen Sieg auf die Fahnen schreiben. Der Verlauf aber ist typisch, wenn sich politische Gruppierungen formieren und regen Zulauf erhalten, wie bei der Großdemonstration in Kandel mit über 5000 Teilnehmern. Aufgrund des traurigen Anlasses ist schon die Vokabel „Erfolg“ etwas fehl am Platz und ein solcher lässt sich nur dann wiederholen, wenn ein Team fest zur Sache steht und persönliche Differenzen zurück stellen kann. Das gelingt nur Profis, die etwas vom Showgeschäft verstehen, dessen Regeln sich auch auf den Politbetrieb auf den Straßen anwenden lassen. Ein Meister darin war und ist Beppe Grillo, der lange Zeit der einzige Redner der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien war und deshalb als „Diktator“ von der Presse gescholten wurde. Es gab etliche Reibereien und Zerwürfnisse, doch Grillos Strategie und die seiner stärksten Unterstützer ist aufgegangen. Der Movimento ist als stärkste Kraft in Italien nicht mehr wegzudenken und Grillo hat sein Versprechen eingehalten und sich aus dem aktiven Betrieb zurückgezogen. Nicht anders hat die LEGA NORD – heute nur noch LEGA – das Erfolgsrezept von Grillo umgesetzt und damit ebenso den etablierten Parteien das Fürchten gelehrt. Ohne Salvini als Kopf der LEGA wäre das undenkbar gewesen. Ob es in Italien zu einer „Querfront“ zwischen LEGA und Movimento kommt ist fraglich, aber immerhin besteht diese Möglichkeit.

Zurück zur Provinz. Was bringt es, wenn relativ unbekannte Personen zu Veranstaltungen aufrufen, diese zum Teil als private Bündnisse deklarieren, aber mehrheitlich dann doch Parteimitglieder der AfD sind? Fehlt es an Mut zu Deutschland? Hat man Angst davor, wer sich auf der Straße dann alles zur AfD gesellen könnte oder eben nicht? Wie war das mit dem Rausschmiss von Tatjana Festerling bei der AfD und später bei Pegida? Ist jetzt auch Myriam, die Stimme aus Kandel wieder verstummt, wegen innerer Querelen und Kompetenzgerangel, Abgrenzeritis zwischen Parteipolitik und sonstigen Interessensgruppen? Wäre es nicht sinnvoller, die AfD würde sich direkt vor Ort sehen lassen in Gestalt des Bundesvorstands?

Oder braucht es eine APO2018, was immer man darunter verstehen soll? Für viele wohl kein passender Begriff, mit den sogenannten Studentenrevolten der „68er“ begann schließlich der „lange Marsch durch die Institutionen“ deren Früchte heute unter anderem die Migrationspolitik, Deutschlandhass und die Frühsexualisierung sind. Solange es Berührungsängste gibt, nicht mit diesem oder jenem Bündnis zusammen zu arbeiten oder die AfD nur mit oder eben ohne die Höckes und Poggenburgs zu wählen, bewegt sich gar nichts, außer dass der Druck im Kessel beständig weiter ansteigt, die etablierten Parteien und sonstigen Seilschaften aber weitermachen können wie bisher.

Eine Antwort lieferte der letzte und einzige männliche Redner des Frauenbündnisses in Germersheim. Direkte Demokratie von unten. Siehe Ende des Livestreams.

Wer sein Geschick selbst in die Hände nimmt, braucht weniger oder gar keine Parteien mehr.