In meinem letzten Artikel habe ich bereits über die Verbindungen zu Bill Clinton berichtet. Nun, ein paar Nächte und neu erschienenen Artikeln später, möchte ich einmal den Versuch unternehmen, die Vergangenheit von Epstein kurz und prägnant etwas zu durchleuchten. Eine Vergangenheit aus undurchsichtigen Verflechtungen, einem ungewöhnlichen Werdegang und hochkarätigen Bekanntschaften.

Das Haus in der Upper East-Side, das Epstein von Leslie Wexner, dem wohlhabenden Einzelhandelsmagnaten, erworben hat. Sieben Stockwerke hoch, mit massiven Haustüren geschmückt, eines der größten Stadthäuser in New York City.

Eine kürzlich im Südbezirk von New York eingereichte Anklageschrift beschreibt ein Spinnennetz der Rekrutierung, ein System aus Nötigung, des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung, welches Epstein entwickelte, um junge Frauen und Mädchen in seinen Orbit zu locken.

Bei einer Razzia des FBI und des NYPD nach Epsteins Verhaftung sagten die Behörden, sie hätten in einem verschlossenen Safe eine Menge pornografischen Materials gefunden, das offenbar Fotos minderjährige Mädchen enthielt.

Seit seiner Verhaftung sitzt Epstein nun im Metropolitan Correctional Center von New York in Untersuchungshaft.

Begonnen hat alles in Florida! Gegen eine Geldleistung begann Epstein junge Mädchen für „Massagen“ zu rekrutieren und gefügig zu machen. Diese Mädchen mussten sich dabei bis auf die Unterhosen ausziehen und wurden während den Massagen von Epstein befummelt. Mit einigen kam es auch zum Sex. Die Mädchen wurden angewiesen weitere Opfer anzuwerben.

Wie in einem Schneeballsystem entstand so allmählich ein undurchsichtiger Ring. Die Organisation und Einrichtung dieses Rings wurde von angeworbenen Komplizen ausgeweitet. Hervorzuheben sind hier Sarah Kellen und Nadia Marcinkova. Letztere stammt aus Serbien, die Epstein ihren Eltern abgekauft haben soll. Über Staatsgrenzen hinweg erstreckte sich dieses Netzwerk bis nach

New York, den Jungferninseln, Florida und einer Ranch in New Mexico, an dessen Orten Epstein weitere Grundstücke und Häuser besitzt.

Bemerkenswerter Werdegang – Hochkarätige Bekanntschaften

Die erste prominente Verbindung geht auf das Jahr 1973 zurück. Eine Verbindung zur Familie des designierten Justizministers William Barr. Donald Barr, Vater von William Barr, zu jener Zeit Direktor der Dalton School in Manhattan, stellte Epstein als Mathematik- und Physiklehrer ein. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, Epstein, der damals gerade einmal 20 Jahre alt war, hatte nie einen Hochschulabschluss erworben. Zuvor hatte er sein Studium an der New Yorker Cooper Union abgebrochen.

3 Jahre später, im Jahr 1976, wurde ein gewisser Alan Greenberg, dessen Sohn ebenfalls die Dalton School besuchte, auf Epsteins mathematische Fähigkeiten aufmerksam. Greenberg war Vorsitzender der US-amerikanischen Investmentbank Bear Stearns. So kreuzten sich die Wege und Greenberg stellte Epstein als Börsenspekulant bei Bear Stearns ein.

Spannend wurde es im Jahre 1982. Epstein, der es bis 1980 zur Geschäftsführung bei Bear Stearns brachte, gründete seine eigene Vermögensverwaltung, die J. Epstein & Co und spezialisierte sich ausschließlich auf Geldanlagen für Milliardäre. Über seine Kunden ist wenig bekannt, sie sind im Verborgenen. Mit einer Ausnahme: Leslie Wexner!

Der Mentor, Freund und Seelenverwandte

Leslie Wexner ist Vorstandsvoritzender der L Brands Corporation, der Muttergesellschaft von Marken wie Victoria‘s Secret und Bath & Body Works.

Als Wexner Ende der 80er Jahre auf der Suche nach einem neuen Finanzberater war, wurde er mit Epstein schnell fündig. Wann genau Wexner seinen Schützling als Finanzberater einstellte, ist nicht genau verifizierbar. Es muss im Zeitraum zwischen 1986 und 1989 gewesen sein.

Epstein begann Ende dieses Jahrzehnts mit der Verwaltung von Wexner’s Vermögen.

Das Vertrauen ins Epsteins Instinkten war derart ausgeprägt, dass er ihm die Vollmacht für sein Privatvermögen sowie seiner zahlreichen Stiftungen erteilte.

Nachdem 1992 die Mutter von Wexner erkrankte, die bis dahin Vorstandsmitglied der Wexner-Stiftung war, übernahm Epstein diesen Posten. Als Treuhänder der Wexner-Foundation war Epstein in alle finanziellen Angelegenheiten involviert, auch die Behandlung von Rechtsstreitigkeiten gehörte zu seinen Aufgaben.

Wie intensiv die Beziehung der beiden Milliardäre war konnte man 2003 in Magazin Vanity Fair entnehmen. Epstein über Wexner: „Es ist, so sagen die Leute, als wären unsere Gehirnhälften miteinander verbunden. Jeder hat eine Seite.“

Wexner dazu: „Ich denke, uns verbindet die Fähigkeit Muster zu erkennen. Jeffrey sieht diese in Politik und Finanzmärkten und ich in Lifestyle- und Modetrends.“

Einige spekulierten, dass Wexner Epsteins einziger Kunde und somit für den Großteil seines Vermögens verantwortlich war, was Epstein selbst wiederum dementierte.

Das Haus an der Upper East-Side

Das New Yorker Anwesen, in dem Epstein seine Verbrechen begangen haben soll, wurde 1989 ursprünglich von Wexner für 13 Millionen Dollar gekauft. Nach einer Komplettrenovierung zog Wexner kurioserweise nie in sein Anwesen ein. Er bevorzugte sein Haus in Ohio, wo L Brands seinen Hauptsitz hat.

Spannend ist die Frage danach, wie Epstein an diese Immobilie gekommen ist. Epstein selber behauptete in einem Interview 1996, dass dies seine Villa sei, obwohl es zu dieser Zeit weder einen Kaufvertrag noch eine Übertragungsurkunde gab. Erst 15 Jahre später, im Jahr 2011, übertrug Wexner, mittels eines beiderseits vertrauten Treuhänders, die Immobilie auf die Firma Maple Incorporated, eine Gesellschaft mit Sitz auf den Jungferninseln der USA, welche unter Federführung von Epstein läuft. Das Überweisungsdokument von Nine East 71st Street Corporation an Maple Incorporated enthielt keinen gelisteten Kaufpreis, was darauf hindeutet, dass es keinen Geldfluss gegeben hat.

In einem Pressestatement versicherte ein Vertreter von Wexner, er habe vor fast zwölf Jahren die Beziehung zu Epstein beendet und seither keinen direkten Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Das Netzwerk

Aus einem Gerichtsbeschluss vom Februar diesen Jahres geht hervor, wie Epstein mit Unterstützung von Komplizen, darunter vier Frauen, sein Spinnennetz zur Rekrutierung Minderjähriger spannte. Vier Frauen, denen nach dem umstrittenen Deal 2008 unter Federführung von Alexander Acosta, bislang vollständige Immunität gewährt wurde. Demnach sollen Minderjährige nicht ausschließlich zum Zwecke von Epstein rekrutiert worden sein, sondern auch für die sexuelle Befriedigung anderer Gäste.

Sarah Kellen: Der ehemaligen Assistentin von Jeffrey Epstein wird vorgeworfen, ein Karteikartensystem geführt zu haben, in der junge Frauen für ein Rendezvous oder Verabredungen rekrutiert werden sollten.

In Gerichtsdokumenten im Zusammenhang mit dem Fall Florida wird Kellen beschuldigt, die „Massagen“ gebucht zu haben, indem sie die Mädchen anrief, um sicherzustellen, dass sie für ein Treffen zur Verfügung standen, wenn Epstein nach Palm Beach reisen würde.

Mehrere der mutmaßlichen Opfer erzählten den Behörden, dass sie von einer Frau namens Sarah zu und von dem oberen Raum in Epsteins Villa geführt wurden, nachdem sie die Öle auf seinem Massagetisch aufgereiht hatte.

Nach einem Polizeibericht warnte Kellen die Mädchen auch davor, mit den Behörden über die Begegnungen zu sprechen.

Ferner reiste Kellen auch mit Epsteins Privatflugzeug mit dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton auf mindestens 11 Flügen zwischen 2002 und 2003, das ergaben Flugprotokolle aus 2015.

Nadia Marcinkova: In den sozialen Netzwerken besser bekannt als Global-Girl (ihr Profil ist mittlerweile gelöscht), soll eine angebliche „Sexsklavin“ von Epstein gewesen sein. Ihr wird vorgeworfen, an sexuellen Handlungen mit jungen Mädchen aktiv teilgenommen zu haben.

Laut schriftlicher Zeugenaussagen mehrerer mutmaßlicher Opfer wird Marcinkova beschuldigt, während dem Beisein von Epstein sexuelle Handlungen mit jungen Mädchen durchgeführt zu haben. Einem der mutmaßlichen Opfer erzählte Epstein, Marcinkova sei seine Sexsklavin, die er mit 15 Jahren von ihrer Familie im ehemaligen Jugoslawien gekauft habe.

Adriana Ross: Das ehemalige Model aus Polen wurde 2002 von Epstein angeheuert, um in seiner Florida-Villa zu arbeiten und angeblich dabei zu helfen, Sexsessions für den Milliardär einzufädeln. Ross wurde 2010 bezüglich einer Beteiligung von Prinz Andrew an dem von Epstein eingerichteten Schlepperring befragt. Sie nahm ihr Recht auf Aussageverweigerung in Anspruch.

Laut Flugaufzeichnungen flog auch Ross, ähnlich wie Sarah Kellen, häufig mit Epsteins Privatjet neben Bill Clinton.

Lesley Groff: Eine weitere ehemalige Assistentin. Zu ihren Aufgaben gehörte die Koordination von Reisen junger Mädchen sowie die Planung von Massagesitzungen für ihren Chef.

Bei diesen unvorstellbaren Machenschaften stellt sich die Frage: Welche Motivation hatten all diese Frauen, sich für diese Praktiken als Komplizen zur Verfügung zu stellen?

Der Familienpsychiater Alan Manevitz kam in einem Interview zu der Schlussfolgerung:

Viele Menschen, die das Gefühl haben in ihrem Leben gefangen oder zu etwas gezwungen zu sein, benötigen eine Kontrollperson. Eine Autoritätsperson, die mit der Auferlegung von Regeln und Strukturen, den Betroffenen dabei behilft, mit einer katastrophalen Lebenssituation fertig zu werden.

Es gibt jedoch noch eine weitere, sehr interessante Persönlichkeiten, die eine bemerkenswerte Nähe zu Epstein pflegten. Dazu bald mehr…

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1 KOMMENTAR

  1. Mich würde schon interessieren wie alt die Mädchen waren, ob alle überlebt haben und ob sie sämtlich, ausschließlich mit Geld gefügig gemacht wurden (auch die Anwerberinnen), oder ob sie (wie damals in Belgien) verschleppt, eingesperrt und ermordet wurden.

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