Ich reise durch ein fremdes Land …

Afrikaner / Hannover

Fremdes Land

Ich reise durch ein fremdes Land
In Wiesbaden geh’ ich an den Taxistand.
Dort steh‘n ein alter und ein junger, brauner Mann.
Der Junge hat zerfetzte Hosen an.
Ich will fliehen, doch der alte Türke schaut mich freundlich an:
„Was ist Ihr Ziel?“
Ich gebe die Adresse an.

Ich fahre durch ein fremdes Land
Und komme bei der Firma an.
Innerdeutscher Grenzübergang.

Zurück in meinem alten Heimatland,
Die Ausweis-Elektronikkarte in der Hand
Tret‘ ich meinen Auftrag an.

Danach zurück in’s Feindesland.
Im Bahnhof Frankfurt kommt die Warnung:
„Diebesbanden schaffen an.“

Ich reise durch ein fremdes Land
In Höchst schau’ ich mir Klimaschützer an
Gesichter hinter Affenmasken
Nichts hören, sehen und nichts sagen
Prangern Klimaleugner an
Mir wird bei ihrem Anblick Angst und Bang.

Ich rase durch ein fremdes Land
Mein Zug kommt in Hannover an.
Der Schaffner spricht von Religion
Ich fühle Unbehagen bei dem Ton.

Ich treibe durch ein fremdes Land
Im Bahnhof schau’n mich Afrikaner an.
Die Flucht nach vorn führt mich hinaus
Vier Polizisten führen ihre Waffen aus.

Es regnet und ich geh’ hinein,
Wo starke Männer patrouillieren.
Gelbe Westen, schwarze Hosen
Alle sollen hier parieren.

Ich renne durch das fremde Land
Zum innerdeutschen Grenzübergang.
Die Ausweis-BahnCard in der Hand
Die Lounge ist warm, mein altes Heimatland.

Ich trinke Tee und bin entspannt
Doch plötzlich schließt mein altes Land
Das Tor schließ eine blonde Frau,
Bewacht von Muskelmänner – ganz in Blau.

Ich laufe durch den Bahnhofsraum
Auf den Sitzen schwarze Frau’n.

Ich laufe durch den Bahnhofsraum
Junge Männer – Dutzende – mal schwarz, mal braun.

Ich laufe durch den Bahnhofsraum
Arabisch, türkisch, persisch – alles – nur kaum deutsche Frau’n.

Ich fliehe in den nächsten Zug
Er steht bereit, ich habe bald genug.

Ich brause durch mein fremdes Land
Und komme in der Stadt der Wölfe an.
Auf dem Vorplatz ein Afghane
Irre lichternd schreit er fremde Menschen an.

Ich reise durch ein fremdes Land.

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Maria Schneider hat die ganze Welt bereist. Sie hat in Nepal an schamanischen Ritualen teilgenommen, in Bhutan das Bruttosozialglück gesucht, in Japan vor dem Gohonzon gechantet und in Syrien Urchristen und Weihnachtsgottesdienste besucht. Sie hat Reiki praktiziert, Erzengel und sämtliche Götter der Menschheit zur Erschaffung der Merkhaba angerufen. Dabei wurde ihr eines klar: Die Riten der eigenen Kultur berühren die Menschen am tiefsten und sollten daher wie ein kostbarer Schatz gehütet werden