Germanwings: Staatsakt und mediale Leichenfledderei

Die Toten sind noch nicht geborgen, die Ursache nicht bekannt, aber Brennpunkte, Sondersendungen und auf den privaten Kanälen, die übliche 9/11 Dramaturgie – Oberpeinlich: Sat 1 und Ulrich Meyer.

Sobald der Werbeblock fällig ist, klingt die “Berichterstattung” mit einem Zusammenschnitt aus. Man sieht betroffene Gesichter, leicht verschwommen, entzündete Teelichter an der Schule der verunglückten Schüler – alles unterlegt mit dem passenden Soundtrack – melancholisch-dramatische Klaviertöne.


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Die Toten haben Respekt, die Angehörigen Mitgefühl verdient, aber von Pathos und Kommerz sollte man sie verschonen. Das traumatisiert nur zusätzlich. Wenn das Medieninteresse abgeklungen ist, will keiner mehr mit den Betroffenen reden – erst dann beginnt die wahre Trauer.

Die eilig vor die Kamera gezerrten Experten glänzen kurz im Scheinwerferlicht und können sich bei einem gelungenem Auftritt gleich das Dauerabo als Katastrophenerklärer und Traumadeuter sichern. All das gehört zum Mediengeschäft dazu, denn Information ist Pflicht und die bessere Show erzielt die besten Quoten.

Zu verdammen wäre das per sé nicht, wenn doch die Grenzen eingehalten würden. Wie ein solcher Videoclip wohl auf die Hinterbliebenen wirkt? Respektlos vielleicht? Ebenso respektlos wie die vielenS prüche, wie: “An anderen Schauplätzen sterben täglich noch viel mehr Leute, für die sich keiner interessiert” 

Es interessiert eben doch ein wenig mehr, wenn unter den Opfern jemand sein könnte, den man kennt und wenn es sich um den Absturz einer deutschen Maschine handelt, die bisher immer noch als sicher galten. Man könnte tatsächlich auch selbst betroffen sein – darum interessiert das Schicksal anderer Leute, die man nicht kennt – um einer selbst willen.

Wäre das nur im Alltag auch immer so. Wenn es bei der Familie nebenan ein wenig lauter wird oder gerade jemand im Sterben liegt, dann ist nicht nur passives Zuschauen angesagt, es läuft keine Hintergrundmusik, die uns sagt, wie wir empfinden sollen.

Wir müssen es selbst herausfinden. Was es mit dem Krach nebenan auf sich hat, erfahren wir nur, wenn wir aktiv werden und uns selbst die Information besorgen. Wenn wir nachfragen, ob etwas Schlimmes passiert oder nur der Fernseher zu laut ist.

Der Betroffene in Not erfährt unmittelbar:”Ich werde gesehen – es ist jemand da!” Und dieser Jemand ist meistens nur ein Irgendwer, der seine Hilfe anbietet oder ganz einfach nur da  – nicht die Kanzlerin oder ein RTL Team.


Bildquelle:

germanwings photo
Photo by Digi-Mike


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