Gefährliche Reichsbürgerideologie – und wenn die BRD doch eine Firma ist?

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Der PDV Gründer und libertäre Buchautor Gerhard Breunig bekam neulich Besuch von der Polizei, wie er auf seiner Homepage in einem Artikel mit der Überschrift: „Angriff der Klonkrieger“ schildert.

Die Beamten beschlagnahmten u .a. seinen Computer. Anlass der Aktion vom 13.09.2016 sei eine Anzeige wegen eines Artikels vom 12.9.2015.

„… also über ein Jahr vor der Aktion, erschien auf meinem Blog der Artikel „Der Merkeltrick oder wie man sein Volk abschafft“. In diesem Artikel wurden Vergleiche angestellt zwischen dem Hooten Plan (sic!) aus den 1940er Jahren und der damals aktuellen Politik der Angela Merkel. Der Artikel erschien zu einer Zeit, als Angela Merkel eigenmächtig sämtliche Kontrollen der Grenzen aussetzte und so über die Balkan-Route jeden Tag eine nicht mehr verifizierbare Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen ins Land strömte.“

Schaut man sich auf der Homepage des Autors um, insbesondere in den Blog AGBs, offenbart sich hier vielleicht noch ein weiterer Grund für das harsche Vorgehen der Behörden.

1 Herausgeber

1.1. Diese Allgemeinen Handelsbedingungen sind unter dem Handelsnamen/Trademark Gerhard Heinz Breunig© (im weiteren Herausgeber genannt) herausgegeben; Gerhard Heinz Breunig, ein Mann aus Fleisch und Blut, lebend, lebendig, beseelt, unverschollen (not lost at sea), außerhalb der Cestui Que Vie-Acts und Foreign Situs Trusts et altera und außerhalb des UCC und der Rechtswirkung einer sogenannten Geburtsurkunde und einer „Deutschen Staatsangehörigkeit“ sowie außerhalb der Wirkung von *CAPITIS DEMINUTIO MAXIMA sowie außerhalb jeder widerlegten oder unwiderlegten Rechtsvermutung und in summa außerhalb jeglicher Öffentlichkeit stehend, als Mensch Gerhard Heinz Breunig, qua natura keine juristische oder anderweitig bezeichnete „Person“ oder anderweitig fiktives Rechtskonstrukt gemäß Urkunde 1 Registernummer GHB-03031957-IB et altera, hierin eingebracht, als ob vollständig niedergelegt. Der Herausgeber ist autorisierter und zeichnungsberechtigter Repräsentant des Schuldners GERHARD HEINZ BREUNIG© und aller Variationen, Derivate, Alias und idem sonans hieraus -außer Gerhard Heinz Breunig© [….]

[….]

„Der Herausgeber ist auch nicht Bürger eines Staates, kein Mitglied einer öffentlichen Bankenassoziation und nimmt nicht teil an einem öffentlichen Wohlfahrtstrust, woraus er Privilegien und Immunitäten erhielte“

Viel mehr als das werden die Ermittler wohl nicht lesen müssen, um Breunig zum Spektrum der Reichsbürger zu zählen. Der Staat hat seine Zurückhaltung aufgegeben und macht gegenwärtig mobil gegen Reichsbürger aller Couleur. Dass insbesondere Waffenbesitzer ins Visier geraten, ist logisch. Man kann nicht einem Verwaltungskonstrukt die Legalität absprechen und andererseits Rechte aus diesem Konstrukt für sich in Anspruch nehmen oder darauf beharren, dass man von Vertretern des Staates nicht behelligt wird, obwohl man sich in deren Territorium befindet. Man kann ja auch keine Drogen für die Hells Angels im Gebiet der Bandidos verticken.

Was aber ist so gefährlich an der „Reichsbürgerideologie?“


Die BRD ist eine Firma und deshalb hat man einen Personalausweis? Was ist der Unterschied zwischen Mensch und Person und kann man sich abmelden aus dem System?

Beginnen wir mit der letzten Frage. Wer sich aus dem System abmeldet, ohne in ein anderes von einem anderen Syndikat verwaltetes Land auszuwandern und sich unter den Schutz der dortigen Obrigkeit zu stellen, bekommt früher oder später Ärger mit den Behörden – es sei denn, er fristet sein Dasein als Obdach- und Besitzloser auf der Straße.

Mensch und Person – was soll dieses Gerede? Kann man sich den Personenstatus aberkennen lassen und sich dann nur noch auf die Menschenrechte berufen?

Die Systemtheorie von Niklas Luhmann trennt klar zwischen den Konzepten „Mensch“ und „Person“. Die Soziologie setzt Person mit Individuum gleich und der umstrittene Philosoph Peter Singer unterscheidet in seiner praktischen Ethik zwischen Mensch und Personen mit seinem Konzept der „Personenhaftigkeit“.  Neugeborene oder geistig schwer behinderte Menschen seien aufgrund mangelnder Intelligenz oder/und noch nicht entwickeltem Bewusstsein lediglich Angehörige der menschlichen Spezies, aber keine mit Rechten ausgestatteten Personen.

Person im juristischen Sinn ist der Oberbegriff für natürliche Personen und juristische Personen. Beide Rechtssubjekte sind Träger von Rechten und Pflichten, ihnen ist kraft Gesetzes Rechtsfähigkeit verliehen. Die Person wird als Bürger oder Staatsangehöriger, dem juristisch ein bestimmtes verfassungsrechtlich festgelegtes Subjektsein zugeordnet wird, verstanden.

Das Deutsche Reich, auf das sich die Reichsbürger berufen, ist als völkerrechtliches Subjekt nicht untergegangen, sondern existiert nach wie vor. Laut der Bundesregierung ist die Bundesrepublik Deutschland mit dem Deutschen Reich identisch, nicht aber dessen Rechtsnachfolger. Vor diesem Hintergrund ist die „Ideologie“ der Reichsbürger zu betrachten und wer sich tiefer mit der Materie befasst, wird nicht umhin können, auf mehr als einige Ungereimtheiten zu stoßen. Wie schlüssig letztlich die „Reichsbürgerargumente“ sind, ist wiederum eine andere Sache. Sie stellen die gegenwärtigen Verhältnisse infrage und das ist nicht gewünscht.

Die BRD ist eine Firma? 

Auch hier gilt, ungeachtet der Schlüssigkeit der „Reichsbürgerargumente“,  veranschaulicht die Betrachtungsweise der Staaten als Konzerne auf dem Weltmarkt das Handeln der Politik aus einem anderen Blickwinkel. Ähnliche Modelle verwenden Therapeuten oder Berater in der Supervision, um ihren Klienten neue Einsichten zu vermitteln. „Stellen Sie sich vor, ihre Familie wäre eine Firma. Wie hoch würden Ihre Aktien wohl gehandelt?“ Oder in der Unternehmensberatung: „Wenn Ihre Firma eine Familie wäre, wie würden Sie dann mit Ihren Angestellten umgehen?“

Die Antwort auf solche Fragen kann ziemlich ernüchternd, aber heilsam sein.

Wenn die BRD eine Firma wäre, dann ….

… könnten auch andere Staaten nur eine Firma sein

… erscheint es verständlich, dass die Ranking Agenturen ganze Staaten auf- und abwerten können. Es ergibt erst dann einen Sinn, oder?

… wäre das Ziel einer solchen Firma Umsatz und Gewinn – was sonst? Etwa das Wohl der Belegschaft?

… wie steht es um das Kapital der Firma? Das wissen wir, sie steht kurz vor der Pleite und schafft es, sie immer wieder hinaus zu zögern.

… müsste sich die BRD doch um Personalabbau bemühen, statt weitere Angestellte in den Betrieb zu holen?

Das kommt ganz auf das Geschäftsmodell der Firma an. Womit wird der meiste Umsatz gemacht? Mit Realwirtschaft oder Spekulationsgeschäften? Die „Staaten“ spekulieren mit Humankapital, das sie wie Aktienpakete hin und her schieben. Damit die Konzerne nicht immer ganze Produktionsstätten zu immer wieder noch günstigeren Wirtschaftsstandorten  verlagern müssen, wird das Humankapital mobilisiert. Das ist billiger und lukrativer. Die Kurse schwanken. Für einen Europäer kann es je nach Tageskurs bis zu zehn Afrikaner geben, sechs Syrer kosten so viel wie vier Afghanen, morgen schon sind die Iraker wieder teurer. Chinesen werden dagegen kaum importiert, auch Südamerikaner und Australier, sowie Nordkoreaner sind derzeit Ladenhüter.

Die Angehörigen der bisherigen Belegschaften sind in weiten Teilen zu teuer, da sie nicht subventioniert werden. Dementsprechend erklärt sich, warum in Deutschland das Essensgeld für Hartz4 Empfänger nur ein Viertel von dem beträgt, was die öffentlichen Kassen für Asylbewerber bereit stellen. So lässt sich der Gewinn kurzfristig maximieren, bis auch diese Blase platzt und sich der Boden für diesen Überschuss als hoffnungslos überdüngt und ausgelaugt herausstellt. Falls es nicht zu einem totalen Zusammenbruch kommt, wird schon der nächste Run geplant. Auf dem deutschen Absatzmarkt steigen laut verschiedenen Gerüchten die Preise für exportwilliges Humankapital aus der Türkei.

Der Mensch als Ware von Staats-Firmen, die als Konzerne auf dem Weltmarkt agieren? Das ist natürlich reinste Verschwörungstheorie, man kann doch Deutschland nicht mit der Traditionsfirma BMW vergleichen. Das mit der Stammbelegschaft und den schlechter bezahlten Leiharbeitern und den ausgelagerten Produktionsstätten ist doch ganz etwas anderes. Nein, so menschenverachtend kann man doch keinen Staat und keine Regierung betrachten, nicht mal zur Veranschaulichung um Zusammenhänge verständlicher darzustellen. Wer es dennoch macht und dabei noch bitter ernst meint, den kann man nicht für voll nehmen, er muss gestört und verrückt sein.

Gut, dass unsere BRD keine Firma ist und dass das alles nicht stimmt, sonst würde sie diese Typen ja wegen Geschäftsschädigung und übler Nachrede fix und fertig machen …

 

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1 Kommentar

  1. In der sogenannten Reichsbürgerbewegung gibt es offenbar jede Menge Personen, die den Entscheid des Bundesverfassungsgerichtes BVerfG, 1956-08-17, 1 BvB 2/51, BVerfGE 5, 85 nicht kapieren. Beim vom Gericht bestätigten Fortbestand des Deutschen Reiches ist selbstverständlich nicht (!) das sog. „dritte Reich“ mit der Nazidiktatur gemeint, sondern die Weimarer Republik, die offiziell eben auch Deutsches Reich hieß. Die Nazis hatten anfänglich die Bezeichnung „drittes Reich“ ausgegeben, sind davon aber zwei Jahre später wieder abgerückt, weil sich die Bevölkerung darüber lustigmachte, indem sie Hitler als Kaiser verspottete und nach dem vierten Reich frug. Wenn also die sog. Reichsbürger glauben, daß mit dem vom Gericht bestätigten Fortbestand des Reiches ihr drittes Reich inklusive Hakenkreuz gemeint sei, irren sie gewaltig.

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