Gebt den Kurden einen Staat und Geschichte wiederholt sich

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist keinen Pfifferling mehr wert, seit sich Kulturmarxisten, angebliche Globalisten, die so tun, als wäre die Erde nicht von selbst rund geworden, und das internationale Finanzverbrecherkartell in trauter Einigkeit die Hand gegeben haben, um aus der Vielfalt der Völker einen Einheitsbrei zu formen.

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Photo by enno.lenze

Es war Lenin und kein rechter, völkischer Nationalist, der sich nach der Oktoberrevolution auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker berief, und es im Dekret über die Rechte der Völker Russlands übernahm. Es blieb bei der späteren imperialistischen Sowjetunion nicht dabei, aber der Anfang war, wie so vieles, was hinterher falsch läuft, gut gemeint.

In der Türkei meinte es Staatsgründer Atatürk nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches auch gut mit den Kurden. Er „lud“ sie freundlich dazu ein, in der neu erdachten türkischen Nation aufzugehen. Dabei hätte es dieser überaus kluge Visionär besser wissen müssen – der Balkan und die Geschichte von Österreich-Ungarn oder der Unabhängigkeitskampf der Griechen waren schon zu seiner Zeit mahnende Beispiele dafür, dass Vielvölkerreiche nur solange existieren, wie alle Volksgruppen entweder einen Vorteil daraus ziehen können oder möglichst effektiv von einer Gruppe dominiert werden, wobei kulturelle Identität erst recht nicht sonderlich schnell aufgegeben wird.

Bei der Zwangsverschmelzung hat man besonders bei den Armeniern ziemlich brutal nachgeholfen, verübte einen Völkermord, der immer noch geleugnet wird und verpasste ihnen bei der Türkisierung schmähende Nachnamen. Die Kurden zeigten sich widerständiger und das bis heute. Haben sie nicht das Recht auf einen eigenen Staat, wo sie doch über Jahrhunderte, trotz zahlreicher Niederlagen und Unterdrückung ihre kulturelle und völkische Identität bewahrt haben?

Was besagt das Selbstbestimmungsrecht der Völker?

„Ein Volk hat das Recht, frei über seinen politischen Status, seine Staats- und Regierungsform und seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu entscheiden.“

Dazu kommt noch die Freiheit von Fremdherrschaft und folgende Klausel:

„Ein Volk kann eine Nation bzw. einen eigenen nationalen Staat bilden oder sich in freier Willensentscheidung einem anderen Staat anschließen.“

Dumm gelaufen, dass die Kurden bis auf die Autonomiegebiete im Irak kein eigenes Staatsgebiet haben und ihre Siedlungen auf syrischem Gebiet genau dort liegen, wo die meisten Erdölvorkommen sind. Wer würde ihnen freiwillig etwas davon abtreten?

Freiwillig bekamen sie das Recht auf eingeschränkte Selbstbestimmung im Irak auch nicht überlassen, im zweiten Golfkrieg hatten sie sich den USA als wertvolle Verbündete erwiesen, so funktioniert das. Wenn man sich anschaut, was gerade in Syrien los ist, könnte sich hier die Geschichte ein weiteres Mal wiederholen – nicht zu vergessen dabei – auch im begehrten Erdölland Iran gibt es Kurden, die sich später noch als nützlich erweisen könnten.

Was aber ist mit der Türkei? Wirkt die Eskalation des Erdogan Regimes gegen die Kurden nicht wie ein Katalysator für die Rufe nach einem eigenen Kurdenstaat?

Schauen wir zurück auf ein anderes Volk, das über Jahrtausende – anders als die Kurden – sogar gänzlich aus seinem ehemaligen Staatsgebiet verbannt war – die Israeliten. Die Geschichte der Juden in Europa ist grausam, kein Wunder, dass sich große Teile des auserwählten Volkes zurück nach der biblischen Heimat sehnten.

Die Briten ermöglichten den ersten Zionisten das Errichten nationaler jüdischer Heimstätten in Palästina, das man den Osmanen abgeluchst hatte. Völkerrechtlich legitimiert wurde dies durch das Mandat des Völkerbundes. Schon in den Zwanziger Jahren musste das Gebiet geteilt werden, da es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Arabern und jüdischen Siedlern mit teilweise grausamen Massakern kam. So richtig voll wurde es unter diesen wenig komfortablen Bedingungen dort nicht, da lebte es sich als Jude selbst im Europa der Weltwirtschaftskrise noch wesentlich gemütlicher.

Dann aber sorgte der von Henry Ford, Prescott Bush und anderen amerikanischen Industriellen geförderte Adolf Hitler dafür, dass immer mehr Juden nach Palästina auswanderten und es dort immer voller wurde.

Israels Ministerpräsident Bibi Netanyahu schockte unlängst mit seiner Variante über das historische Treffen zwischen Hitler und dem palästinensischen Großmufti Al-Husseini. Dieser habe Hitler erst auf den Holocaust gebracht, weil er befürchtete, dass sonst noch mehr Scharen jüdischer Siedler nach Palästina kämen.

Wo auch immer die historische Wahrheit liegen mag, 1948 wurde der Staat Israel gegründet und völkerrechtlich anerkannt – ein Bollwerk der Westmächte inmitten der erdölreichen arabischen Welt, die zuvor von den Osmanen „befreit“ worden war.

Was für die einen gilt, muss auch für die anderen gelten, zumal das Heimatrecht der Kurden doch noch um einiges näher liegt, als das der Juden – sie waren schließlich nie fort, nur unter Fremdherrschaft.

Erdogan mag sich als Verbündeter der USA wähnen, vielleicht auch glauben, er könne sie austricksen, doch wenn er weiterhin auf den Pfaden seines großdeutschen Vorbilds wandelt, wird er sich selbst einen Bärendienst erweisen. Noch ein Bollwerk, das sich dankbar gegenüber seiner Schutzmacht zeigen muss, kommt den geostrategischen Interessen der US-Eliten gerade recht –  ob dann zu der ersten und einzigen „Demokratie“ im Nahen Osten eine zweite kommt?

Wie würden sich die vielen Kurden entscheiden, die in der Türkei oder in Europa leben, wenn es die Aussicht auf einen eigenen „souveränen“ Staat gibt? Packen sie dann ihre Sachen und kehren heim ins gelobte Land? Selbst im Hitlerdeutschland glaubten noch viele Juden, dass der Nazispuk irgendwann vorbei wäre, am Ende behielten sie recht, aber alle, die nicht mehr ausreisen konnten, zahlten einen hohen Preis dafür.

Wiederholt sich hier eine geschickt eingefädelte Geschichte und wir erleben in Kürze die Geburt eines neuen Staates, der Seit an Seit mit Israel und den USA stehen wird?

Wie jedes Volk haben oder hätten die Kurden einen eigenen Staat verdient, in dem sie frei von Fremdherrschaft ihre Kultur entfalten und weiterentwickeln können. Wenn ihnen diese Chance gewährt wird, ist es ihre Sache, was sie daraus machen.

Falls aber die USA wieder einmal ihre Finger ziemlich tief mit drin haben, sind ob des guten Gelingens und der Aussicht auf Frieden in der Region mehr als ernste Zweifel angebracht.

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Wolfgang van de Rydt
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