Normalerweise hat Donald Trump keinen guten Stand bei der BILDerberg-Zeitung. Seine Anhänger, besonders diejenigen, die auch an „Qanon“ und andere Verschwörungstheorien glauben, werden oft als „antisemitisch“ beschimpft. Angesichts seines Einsatzes für den Staat Israel, wirken solche plumpen Angriffe mehr als bizarr, vor allem da sein Schwiegersohn Jared Kushner Jude ist und 2016 gemeinsam mit Ehefrau Ivanka am Grab des legendären Lubawitscher Rebbe Menachem Schneerson für den Wahlsieg von Donald Trump betete.

Nun hat der US-Präsident Israels Premier Netanjahu den Schlüssel für das Weiße Haus übergeben (erstes Video oben) und die BILD lobt Donald Trump in den Himmel. Ein historischer Friedensdeal sei das Abkommen mit den beiden Golfstaaten Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. An der Bundesregierung lässt das ansonsten merkeltreue Blatt kein gutes Haar, ohne dabei die „Kanzlerin“ zu erwähnen. Statt ihrer bekommt Niels Annen, Staatsminister im Auswärtigen Amt, sein Fett weg. Kritik an der EU fehlt selbstverständlich auch. Eben noch hat Ursula von der Leyen einen Beauftragten im „europaweiten Kampf gegen Rassismus“ angekündigt, doch vor zwei Wochen hat die EU Serbien und Kosovo eindringlich gewarnt, ihre Botschaften nach Jerusalem zu verlegen. Jedem anderen Staat wäre sofort Antisemitismus unterstellt worden, nur eben nicht der EU. Hält die BILDerberg ihre Leser für blöd? Ja, natürlich!

Erwähnt wird auch, dass die Verhandlungen von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geführt wurden. Kritik an dem Anhänger der Chabad Lubawitsch Sekte bleibt natürlich aus. Es ranken sich allerlei Gerüchte um die Familie Kushner, Fakt ist, dass die Familie eng mit dem Netanjahu-Clan verbandelt ist. Der glühend verehrte Rabbi Schneerson spielte auch für Netanjahu eine überaus wichtige Rolle, denn ohne die Orthodoxen ist es schwer, eine Wahl zu gewinnen. 1994 starb der „Rebbe“, der seinen Anhängern als Messias galt und zu Lebzeiten für alle Ministerpräsidenten Israels erste Anlaufstelle bei USA-Besuchen war. An seiner Beerdigung blieb allerdings die erwartete Auferstehung aus.

Trotzdem gilt Schneerson vielen Anhängern weiterhin als Messias. Von diesen bizarren Hintergründen zum historischen Friedensdeal muss die BILDerberg ablenken. Was einst von Merkel zur Staatsräson erhoben wurde, steht in jedem Arbeitsvertrag des Springerkonzerns – das Bekenntnis zu Israel. Kritik hat darum keinen Platz. Spinner, „Corona-Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Reichsbürger“ sind immer die anderen, die Xavier-Naidoo-Fans, niemals diejenigen, die an rothaarige Kühe glauben und auf den Dritten Tempel hoffen. Erst recht nicht, wenn diese Leute hohe Ämter bekleiden und über mächtige Streitkräfte verfügen.

5 KOMMENTARE

  1. Es dürfte der BILD auch weniger um eine Nobelpreisverleihung an Trump, sondern (als Gefälligkeit an den ZdJ für dessen Persielschein) um eine Preisverleihung an Netanjahu gehen

    Man sollte niemals vergessen, wem Axel Cäsar Springer als ehemaliges Mitglied des NS-Kraftfahrkorps und ehemaliger Mitarbeiter der Altonaer Nachrichten – dort war er während der Zeit des Nationalsozialismus für antisemitische Propaganda mitverantwortlich – nach 1945 und später seine „Bild“, die Machtfülle des Konzerns sowie der Art und Weise, wie Springer diese gebrauchte, zu verdanken hat!

  2. Ich erinnere daran, dass es in Israel die „Messianischen Juden“ gibt, eine Glaubensgemeinschaft, der durchaus in der großgeschichtlichen Zeitläufte eine Gelenkfunktion zwischen Juden und Christen zukommen könnte. Wer will in diesen Abendzeiten schon etwas für unmöglich halten?

  3. Wieso gibt Trump noch einen symbolischen Schlüssel für das Weisse Haus an Netayahu? Hat doch schon Ariel Sharon 2001 gesagt, wir beherrschen Amerika und die Amerikaner wissen das!

    Und dann soll solch ein eher lächerlicher Vorgang die Völkerrechtsverbrechen am palestinentischen und deutschen Volk geradebiegen?!

    Einfach würdelos, ohne Anstand und Sitte!

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