Freiheit und den Friedensnobelpreis für Julian Assange

Eine ohrenbetäubendes Schweigen vernehmen wir aus unseren Hochleistungsmedien. Es ist still geworden um den WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Noch immer schmort er im britischen Hochsicherheitsgefängnis Prison Belmarsh. Als wäre das nicht schlimm genug, droht im noch immer die Auslieferung in die USA, wo ihm eine Haftstrafe von bis zu 175 Jahren droht. Wir dürfen nicht vergessen!

Er gilt als Feind unserer westlichen Wertegemeinschaft. Welche Werte im Konkreten gemeint sind, ist absolut schleierhaft. Hätte er sich doch damals einen Flug nach Moskau gebucht, anstelle von London, wird er sich vermutlich insgeheim in Endlosschleife gedacht haben.

Das mag schon viel heißen, flohen die Menschen doch zu Zeiten des Kommunismus für ihre Freiheit vom Osten in den Westen. In der Jetztzeit kann man weiß Gott froh sein, russischen Boden unter den Füßen zu haben, wie man an Edward Snowden erkennen kann.

Das Ende der Pressefreiheit

Spionage? Hochverrat? Eindringen in Regierungscomputer?

Machen wir uns nicht vor. Es geht nicht um die Person Julian Assange, es geht darum ein Exempel zu statuieren.

1,5 Millionen Dokumente wurden im Laufe der Jahre über die Plattform WikiLeaks veröffentlicht. Geheime Dokumente, Korrespondenzen und Filmmaterial über Kriegsverbrechen fanden ihren Weg an die Öffentlichkeit.

In Zeiten von Fake-News, der Erodierung des Medienvertrauens, konnte WikiLeaks bei dieser Masse an Dokumenten nicht eine Falschinformation nachgewiesen werden. Alle Veröffentlichungen sind echt und authentisch.

Seine Veröffentlichungen auf Wikileaks stehen unter dem Schutz der Meinungs- Presse- und Informationsfreiheit. Selbst die Veröffentlichung der Clinton-Emails war von der Meinungsfreiheit gedeckt, wie kürzlich ein US-Bundesgericht bestätigte.

Problematisch ist, dass die Leser mit den unkommentierten Informationen und Enthüllungen nun wahrlich schwer etwas anfangen können. Dazu braucht es Journalisten, Experten sowie aufrichtige Menschen, die diese Informationen mit Leben füllen, in einen Kontext setzen, Hintergrundinformationen liefern. All das passiert nicht.

Warum eigentlich nicht? Am 3. Mai war der internationale Tag der Pressefreiheit. Gebetsmühlenartig stellten sich unsere Mainstream-Journalisten vor die Kamera und betonten die Wichtigkeit der Pressefreiheit – eine Zensur findet nicht statt. Assange war da schon vergessen, wurde doch die Pressefreiheit im April 2019 aus der ecuadorianischen Botschaft herausgeschleppt.

WikiLeaks

Im Jahre 1991 gründete Assange in Melbourne mit zwei weiteren Mitstreitern die Gruppe International Subversives. Das Programmieren hat sich der damals 14-jährige Assange auf dem Commodore 64 selbst beigebracht.

1996, nachdem sich Assange in 24 Fällen zur schuldig bekannte, musste er lediglich eine kleine Geldstrafe zahlen. Grund für die milde Strafe war seine Motivlage. So hat er dies nicht aus Eigeninteresse oder zur eigenen Bereicherung getan, sondern nutze die laschen Sicherheitsvorkehrungen aus, um die Lügen der Mächtigen öffentlich zu machen.

15 Jahre später entstand dann WikiLeaks, nachdem Assange schon mehrfach in Großrechner eingebrochen war. Wie bereits erwähnt, im Laufe seiner Arbeit hat sich keine einzige Veröffentlichung als Fälschung, Lüge oder Unwahrheit herausgestellt. Das kann man von unseren

Hochleistungsmedien wahrlich nicht sagen – siehe Russia-Gate.

Um es mit den Worten von Mathias Bröckers zu sagen: WikiLeaks ist der Geheimdienst des Volkes!

In einer parlamentarischen Demokratie sind die Mächtigen und Regierenden gegenüber der Bevölkerung rechenschaftspflichtig. Sie haben die Macht nur geliehen.

Assange hatte auf der Plattform WikiLeaks Tausende von Dokumenten aus dem diplomatischen Schriftverkehr der USA veröffentlicht. Am bekanntesten ist das von der Whistleblowerin Chelsea Manning geleakte Video über den bis heute ungesühnten Mord an Reuters Journalisten im Irak, das sogenannte Collateral Murder Video.

Behandelt wie ein Schwerverbrecher

Seit 2012 hatte sich Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London aufgehalten, um der Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Im April 2019 hat Ecuador das Asyl für Julian Assange widerrufen und ihn aus der Botschaft in London ausgewiesen. Am 11. April nahm die Polizei in London den WikiLeaks-Gründer anhand der von Schweden und den USA erteilten Haftbefehle fest.

Diese Vorwürfe sind an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Assange tat das, was eine Vierte Gewalt im Staate zu machen hat – den Mächtigen auf die Finger schauen, die Bevölkerung über Verbrechen aufzuklären. Das reicht in unserer Wertegemeinschaft aus, um im Zweifelsfall in Guantanamo zu landen.

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Menschenrechte Nils Melzer spricht von einer Hexenjagd gegen Assange. Der Wikileaks-Gründer, so Melzer, sei wirklich in großer Gefahr:

Als ich Assange im Gefängnis besuchte, wusste ich, dass ich eine politisierte Umgebung betrete. Wir haben bei Assange alle Symptome festgestellt, die bei langer psychischer Folter typischerweise auftreten. Assange war das Opfer öffentlichen Mobbings. Ihm werden fundamentale Rechte entzogen, sein Aufenthalt in der ecuadorianischen Botschaft war psychische Folter.“

Sollte Assange tatsächlich in die USA ausgeliefert werden, so wäre dies ganz offiziell das Ende der Pressefreiheit, welche uns immer proklamiert wird. Es würde bedeuten, dass jeder Journalist, der wahrheitsgemäße Informationen ans Licht bringt und veröffentlicht, in die USA zur Strafverfolgung ausgeliefert werden kann.

Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, dann werden wir von Verbrechern regiert.“ (Edward Snowden)

Abschließend geht mein aufrichtiger Dank an den Journalisten und Autor Mathias Bröckers, der wie kein anderer diesen Fall und Menschen für die Öffentlichkeit am Leben hält. Sein neuestes Buch – Don’t kill the Messenger, Freiheit für Julian Assange – kann ich jedem Leser wärmstens ans Herz legen.


Quelle: Indoamedia.com