Thorne1983 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Der Fall Jeffrey Epstein kommt für die Elitewelt einem Asteroidenschlag gleich. Welchen Umgang der astronomische Kleinplanet hat, kann noch niemand genau sagen, doch die Zerstörungsgewalt könnte einen gigantischen Fallout verursachen.

Gut zwei Wochen sind nun vergangen, seit Epstein am Teterboro Flughafen in New York verhaftet wurde. Zwei Wochen, in denen sich die Ereignisse förmlich überschlagen haben. Während wir in den deutschen Massenmedien nur eine vermeintliche Verbindung zu US-Präsident Trump vor die Nase gehalten bekommen, werden in den USA ganz andere Puzzleteile aus der Schachtel hervorgeholt und dem Zuschauer präsentiert.

Mehr als 50 Frauen sollen es sein, die potenzielle Opfer des Missbrauchskartells geworden sind.

Ein Hurrikan der Panik durchfegt das Land, quer durch Manhattan, Palm Beach, Florida und den Jungferninseln. In Windeseile distanzieren sich ehemalige Freunde, Mitarbeiter und Weggefährte von der heißen Kartoffel Epstein, während der Kochtopf immer mehr zu brodeln beginnt und der Deckel kurz davor ist hochzugehen.

Entsiegelung von Dokumenten – Panik im Königshaus

Das Berufungsgericht – United States Court of Appeals for the Second Circuit – hat bekanntgegeben, in Kürze fast 2.000 Seiten von Dokumenten zu veröffentlichen, die sexuellen Missbrauch durch zahlreiche prominente amerikanische Politiker, mächtige Geschäftsleute, ausländische Präsidenten, einen bekannten Premierminister und andere führende Persönlichkeiten der Welt aufdecken, so das Berufungsgericht. US-Berufungsrichter Jose Cabranes kam zu dem Urteil, dass das Recht der Öffentlichkeit, den Inhalt der Dokumente zu kennen, die Persönlichkeitsrechte von Menschen, die sie geheim halten wollten, überwiegen würde.

David Boies, der Opferanwalt von Courtney Wild sagte beispielsweise:

“Niemand, der eng mit Epstein verbunden war, wird es jetzt leicht haben. Es wird alles herauskommen. Es wird atemberaubend sein, diese Anzahl der Namen. Es werden atemberaubende Zahlen sein.”

Der Name Prinz Andrew wird mit ziemlicher Sicherheit entsiegelt werden, da seine Handlungen detailliert beschrieben werden. Der Fallout hat begonnen; mit Epsteins Freundschaft zu Prinz Andrew, die eine Vielzahl von Fragen aufwirft.

Woher stammen diese Dokumente?

Die Dokumente wurden 2015 während einer Zivilklage gegen Epsteins rechte Hand, Ghislaine Maxwell, von Jana Joe 3, ein in den Gerichtsakten verwendeter anonymer Name, eingereicht.

Jana Joe 3 ist Virginia Giuffre (ehem. Roberts). Sie behauptet, sie sei von Epstein gezwungen worden Sex mit Prinz Andrew in London, New York und der Karibik zu haben. Der Herzog von York wies jegliche Anschuldigungen bisweilen entschieden zurück.

Vergangenen Sonntag erklärte das Königshaus:

“Es wird nachdrücklich bestritten, dass der Herzog von York irgendeine Form von sexuellem Kontakt oder Beziehung zu Virginia Roberts hatte. Jeder gegenteilige Behauptung ist falsch und unbegründet.”

Im Jahr 2015 behauptete die heute 35-jährige Giuffre, sie sei im Alter von 15 Jahren von Ghislaine Maxwell als “Sexsklavin” an Epstein vermittelt worden. Maxwell steht im Verdacht, eine Hauptverschwörerin von Epstein gewesen zu sein, indem sie über Jahre hinweg den Sexhandelsring aufgebaut und erweitert hat.

Der damalige Richter wies alle Anschuldigungen gegen Prinz Andrew zurück woraufhin Maxwell in einem Interview Giuffre der Lüge bezichtige. Bis heute leugnet sie jegliches Fehlverhalten.

Im Gegenzug verklagte Giuffre sie wegen Verleumdung in den USA, doch der Fall wurde beigelegt und die meisten Gerichtsdokumente nach rechtlichen Darstellungen von Maxwell versiegelt.

Virginia Giuffre – Eine Nacherzählung

Giuffre arbeitete an der Garderobe im Spa von Donald Trumps palastartigem Florida Country Club Mar-A-Lago. Kurz nach ihrem 15. Geburtstag, im Jahr 1998, kam es zur ersten Begegnung mit Ghislaine Maxwell.

Sie trug eine weiße Mar A Lago Uniform, einen weißen Minirock und ein hautenges Polo-Top als sie von einer Frau mittleren Alters mit einem britischen Akzent angesprochen wurde.

Sie kamen ins Gespräch, unterhielten sich über Bücher und die Arbeit. Giuffre sagte, sie wolle eines Tages gerne Masseurin werden. Maxwell arbeite für einen sehr wohlhabenden Mann namens Jeffrey Epstein, der eine reisende Masseurin suche. Giuffre würde eine Ausbildung erhalten und für ihre Arbeit fürstlich entlohnt werden, würde sie für Epstein arbeiten.

Giuffre war sich dem Risiko nicht bewusst als die auf die Einladung ansprang. Sie könne sofort mit der Arbeit anfangen und mit dem nächsten Flugzeug nach Palm Beach fliegen, so Maxwell.

In Palm Beach angekommen wurde Giuffre von einer Dame in einen Massageraum geführt. Dieser war Teil einer Suite mit Dusch- und Dampfbad, nebenan ein weiteres schrankgroßes Zimmer, in dem, so erfuhr sie später, Sexspielzeug aufbewahrt wurde.

Epstein lag nackt mit dem Gesicht nach unten auf einem Massagetisch. Er stellte Giuffre eine ganze Reihe von Fragen und innerhalb einer Stunde kannte er ihre ganze Lebensgeschichte. Sie erzählte ihm, sie sei eine Ausreißerin, die auf der Straße gelebt habe, Ecstasy-Tabletten genommen hatte und keine Jungfrau mehr war. Epstein antwortete: “Also bist du ein böses Mädchen im Körper eines guten Mädchens.“

Die Dame sagte, sie solle Epsteins Anweisungen folgen. Sie ließ Öl auf ihre Hände geben und begann ihn zu massieren. Sie zog ihr Hemd aus und fing an, ihre Brüste über Epstein zu reiben und befahl Giuffre es ihr gleich zu tun. Es kam zum Geschlechtsverkehr und Giuffre dachte:

“Das ist falsch. Das hat mit Massagen nichts zu tun. Das sind mächtige Menschen. Ich darf jetzt nichts falsch machen.”

Nach Beendigung der sexuellen Handlungen gab ihr die Dame 200 Dollar als Belohnung, sie solle am Folgetag wiederkommen. Angewidert verließ Giuffre das Haus.

Giuffre war das Top-Mädchen eines Pädophilen und wurde für einen britischen Prinzen ausgebildet.

Im Jahr 2001 wurde Giuffre gesagt, dass sie nach London fliegen würde. Nach ihrer Landung fuhren sie direkt zu Ghislaine Maxwells Haus.

Am nächsten Morgen kam Maxwell ins Zimmer. Quietschvergnügt und ausgelassen sprang sie auf das Bett und sagte: “Steh auf, steh auf Schlafmütze. Du hast einen großen Tag vor dir. Wir müssen einkaufen gehen. Du brauchst ein Kleid, weil du heute Abend mit einem Prinzen tanzen wirst.”

Ein Foto aus dem Jahr 2001 zeigt die damals 17-jährige Giuffre zusammen mit dem Prinzen in Ghislaine Maxwells Wohnung, der seinen Arm um ihre Taille legt.

Abends kam Prinz Andrew schließlich zu Besuch. Epstein, Maxwell, der Prinz und Giuffre verbrachten diesen gemeinsam in Maxwells Wohnung in London.

Im Laufe des Abends fragte Maxwell den Prinzen scherzhaft nach dem Alter von Giuffre. Als der Prinz das Alter auf 17 einschätzte, brach ein lautstarkes Gelächter aus und Maxwell formulierte:

„Sie wird langsam zu alt für Jeffrey. Er wird sie bald eintauschen müssen.”

Später forderte Andrew die damals minderjährige Giuffre zum Tanz auf. Maxwell hatte ihr geflüstert: “Der Prinz scheint sich wirklich für dich zu interessieren.”

Es kam wie es kommen musste, Giuffre wurde zum sexuellen Handlungen mit dem Prinzen benutzt. Es war in London, es war das erste Mal, dass Giuffre Geschlechtsverkehr mit Andrew hatte, der einzige Grund weshalb sie nach London gereist waren, sie war ein Geschenk für Andrew.

Am Folgetag sagte ihr Maxwell: „Das hast du gut gemacht. Er hatte wirklich Spaß.“

Giuffre erhielt für ihre sexuellen Dienste etwa 15.000 Dollar.

„Es wurde mir klar gemacht, dass es meine Aufgabe war, das zu tun, was ihm gefiel. Ich habe es nicht gewagt, den Wünschen und Forderungen zu widersprechen. Jeffrey kümmerte sich immer darum, mich zu bezahlen, nachdem ich seine Freunde unterhalten hatte.“, so Giuffre.

Das zweite Mal traf sie Andrew um Ostern 2001 herum, diesmal in Epsteins Manhattan-Villa.

Sie hielt sich zu jener Zeit in Florida auf, als sie nach New York einberufen wurde. Als sie in der Villa ankam wurde ihr gesagt: “Mach Dich bereit. Du triffst dich mit jemandem in der Bibliothek.” Andrew saß dort in einem großen Ledersessel hinter dem sich ein Schreibtisch befand, auf dem Fotos von nackten Mädchen und jungen Frauen lagen, darunter eines von Giuffre.

Ein junges Mädchen namens Johanna Sjoberg, die ebenfalls für Epstein arbeitete, saß auf Andrews Schoß. Maxwell führte sie zu Andrew und sollte ebenfalls Platz auf seinem Schoß nehmen.

In einem Interview hat Johanna Sjoberg die Begegnung bestätigt, Sie war 21 Jahre jung als sie von Maxwell angeheuert wurde eingehende Telefonate zu beantworten und Getränke zu servieren, wofür sie im Gegenzug 20 Dollar pro Stunde erhielt.

Maxwell ordnete an, Epstein Fußmassagen zu geben, erklärte Sjoberg.

„Er konnte nicht glauben, dass ich abgelehnt habe. Niemand sonst hatte das je getan”

Zurück zu Giuffre: Bei ihrer zweiten Begegnung mit Andrew wurde ihr klargemacht, was von ihr erwartet wurde – erneut Geschlechtsverkehr mit dem Prinzen. Das Königshaus wies jede Anschuldigung von Sexhandlungen entschieden zurück.

Ein letztes Mal traf sie Andrew auf der Karibikinsel von Epstein. Ebenfalls vor Ort waren sieben russische Mädchen, die kein Wort Englisch gesprochen haben, nachdem Giuffre mit Epstein und Maxwell mit dem Privatjet auf der Insel ankamen. Der sichtlich aufgeregte Epstein kündigte an:

“Wir machen ein großes Fotoshooting mit dir und den Mädchen.”

Giuffre erinnert sich; sie hatte zu jener Zeit den Glauben ein normales Leben zu führen vollends verloren, so sehr war sie in der Macht von Epstein.

Zu ihrem 19. Geburtstag, im August 2002, kaufte Epstein für sie ein Flugticket nach Thailand. Epstein hatte sie zu einem Massagekurs angemeldet. Doch es kam anders, ihr gelang es aus den Fängen Epsteins zu entkommen.

Kurz nach ihrer Ankunft in Thailand begegnete sie einem australischen Kampfkunstexperten, der nur mit dem Vornamen Robert zu identifizieren ist. Beide verliebten sich ineinander und heirateten nur zehn Tage später. Fortan lebten sie in absoluter Abgeschiedenheit in einem ländlichen Vorort von Sydney; sie haben drei Kinder.

„Robert hat mir wieder beigebracht wie man lebt. Ich träume aber immer noch von Jeffrey. Nachts wache ich immer wieder unter Tränen auf. Meine Erinnerung an Prinz Andrew spielt keine große Rolle mehr für mich. Viele mächtige Männer waren Teil von Jeffreys Netzwerk, aber ich erinnere mich natürlich besonders an Andrew. Nun ist es an der Zeit zu kämpfen. Wenn ich daran denke, was er und diese anderen Männer getan haben, bricht es mir das Herz. Ich werde jeden Kerl namentlich nennen, der es verdient, genannt zu werden, wenn ich vor Gericht gehe. Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen.“


1 KOMMENTAR

  1. Da gab es mal ein Interview mit Lady Diana. Ein Ausschnitt schaffte es in die Tagesthemen oder Tagesschau. Die schon verzweifelte Diana sprach davon, demnächst auszupacken was wirklich los ist im Königshaus. Ich dachte damals gleich, Mädchen, jetzt hast du dich aber weit rausgelehnt. Etwa vierzehn Tage später war sie tot.

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