Fall-Epstein #10: Transhumanismus und Mind Control

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Epstein, der im Juli wegen des Sexualhandels mit Mädchen bereits im Alter von 14 Jahren angeklagt wurde, war ein regelrechter Illusionist. Das Täuschen über die Identität seiner Kunden, die Nichtoffenlegung seines Vermögens sowie das Lügen über seine tatsächlichen Finanzkompetenzen, verhalfen ihm zu einem unvergleichlichen Senkrechtstarter. Er verstand es, Verbindungen und sein Charisma für sich zu nutzen, um wertvolle Beziehungen zu Führungskräften aus Wirtschaft und Politik zu pflegen.

Der wegen des Aufbaus und Betreibens eines Sexhandelsrings angeklagte Jeffrey Epstein hatte noch ganz andere, obskure Visionen zur Selbstverwirklichung.
Ein Streben nach eigener Schöpfung, die Menschheit mit seiner DNA zu beglücken, indem er seine Opfer auf seiner riesigen Ranch in New Mexico zu schwängern versuchte.

Jenes Vorhaben behielt er dabei keineswegs für sich, sondern teilte dieses im Laufe der Jahre mit nahestehenden Wissenschaftlern und weiteren Persönlichkeiten. Inwieweit er seinen Visionen hat Taten folgen lassen, ist derweil nicht bekannt.

Transhumanismus

Bekanntgeworden ist allerdings seine langjährige Faszination für den sogenannten Transhumanismus. Eine Wissenschaft, die sich mit der Veränderung der menschlichen Bevölkerung durch Technologien, wie Gentechnik oder künstlicher Intelligenz, umtriebig auseinandersetzt.

Kritiker haben den Transhumanismus mit einer modernen Version der Eugenik verglichen, dem verrufenen Gebiet zur Veränderung der menschlichen Rasse durch kontrollierte Züchtung.

Alan Dershowitz, emeritierter Professor für Rechtswissenschaften in Harvard, sagte, Epstein habe daran erinnert, wie die Nazis Eugenik als Rechtfertigung für den Genozid benutzt haben.

Der Unterschied zwischen Transhumanismus und Eugenik besteht darin, dass der Transhumanismus weder eine kontrollierte menschliche Zucht noch die Verbreitung einer bestimmten Rasse ausdrücklich fördert. Dennoch sehen beide Bewegungen eine überlegene menschliche Rasse vor, ein Ziel, das – wie die Geschichte zeigt – untrennbar mit soziokulturellen Idealen und Vorurteilen verbunden ist.

Der Wissenschaftler und Autor Jaron Lanier berichtet von einer Begegnung mit einem NASA-Wissenschaftler auf einer Dinnerparty von Epstein. Dieser erzählte Lanier, Epstein sei von der Geschichte des Repository for Germinal Choice inspiriert worden. Dies war eine in den 80er Jahren gegründete Samenbank für elitäre Kreise. Ziel jener Bank war es, den menschlichen Genpool ausschließlich mit dem Sperma von Nobelpreisträgern zu „befüllen“. Obwohl schließlich 200 Babys unter Federführung der Bank geboren wurden, schaffte es keines der Kinder in die Wissenschaft.

Repository wurde 1999 geschlossen. Lanier und weitere Weggefährte legten die Vermutung nahe, Epstein habe für die Umsetzung seines Plans exklusive Abendessen arrangiert, um attraktive junge Frauen mit Hochschulbildung zu engagieren, welche er als potenzielle Anwärter auf das Tragen seiner Nachkommen gesehen hat. Epstein sagte zu einer Person, nach seinem Tod solle sein Kopf und Penis zur Weiterverwendung eingefroren werden.

Seriöse Wissenschaft oder Mind Control?

Interviews mit Dutzenden seiner Bekanntschaften sowie öffentliche Dokumente zeigen, dass er sich mit der gleichen Taktik in eine elitäre wissenschaftliche Szene eingeschleust hat, so dass er seine Interessen in der Eugenik und anderen Randbereichen wie der Kryonik verfolgen konnte.

Er nannte sich selbst einen wissenschaftlichen Philanthropen, der jährlich 20 Millionen Dollar spendete und Partys in den USA sowie den Jungferninseln veranstaltete.

Epstein zog eine schillernde Schar von prominenten Wissenschaftlern an. Dazu zählten der Nobelpreisträger Murray Gell-Mann, der theoretische Physiker und Bestsellerautor Stephen Hawking, der Paläontologe und Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould, Neurologe und Bestsellerautor Oliver Sacks und der M.I.T. Theoretiker Frank Wilczek.

Ebenso nennenswert in diesem Zusammenhang ist auch George M. Church. Church ist Molekularingenieur, natürlich an der Harvard University, der an der Veränderung und Modifizierung von Genen gearbeitet hat, mit dem Ziel, eine überlegene menschliche Rasse zu erschaffen.

Epstein Foundation

Epstein finanzierte eine Vielzahl von Forschungsprojekten, sowohl seriöse als auch zweifelhafte Studien. Die Dokumentationen der Finanzierungen sind meist unvollständig und undurchsichtig, obwohl eine finanzielle Unterstützung offiziell dem IRS – Internal Revenue Service – gemeldet werden muss. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen, die alle Geschenke von Epstein behördlich abdecken.

Primär finanziert er mit seiner Stiftung Projekte zur künstlichen Intelligenz sowie der Forschung zur Genveränderung, im besonderen Maße die Harvard University.

Da wäre das Program For Evolutionary Dynamics. Dieses Programm ist eine Graduiertenabteilung an der Harvard University. Unter der Leitung von Martin Nowak, Professor in Harvard, wird in diesem Programm ausgiebig Verhaltensforschung praktiziert. In mehreren Veröffentlichungen behauptete die Jeffrey Epstein VI Foundation, 30 Millionen Dollar für das Programm von Nowak bereitgestellt zu haben. Offiziell liegt die Spendenhöhe allerdings bei 6,5 Millionen Dollar. 2002 sagte Nowak über Epstein:

„Jeffrey hat den Verstand eines Physikers. Es ist, als würde man mit einem Kollegen in diesem Fachbereich reden. Er hat mein Leben verändert. Dank seiner Unterstützung habe ich das Gefühl, dass ich alles tun kann, was ich will.“

Interessant ist auch folgende Verbindung: 2002 berichtete das New York Magazine über die freundschaftliche Beziehung zwischen Epstein und Nowak. Im Februar 2002 hatte Epstein seinen Lieblingswissenschaftler zum Abendessen im Stadthaus an der 71st Street eingeladen. Im festlich eingerichteten Esszimmer hielt Nowak einen zweistündigen, mathematischen Vortrag über die Funktionsweisen von Sprachen.
Nach dem Abendessen fragte Epstein, ob Nowak sich mit seinem Freund Bill Clinton treffen wolle. Also gingen sie in einen nahegelegten Feinkostladen, wo Clinton den vom Stolz erfüllten ehemaligen Oxford-Professor mit Geschichten aus seinen eigenen Oxford-Tagen erfreute.

Klingt das nicht seltsam? Wie viele Menschen können Clinton dazu bewegen, sich spät in der Nacht in einem Feinkostgeschäft zu treffen?

Weitere Forschungsprojekte

Seine Faszination für Transhumanismus haben wir bereits besprochen. Mehr noch; Epstein beteiligte sich auch mit 20.000 Dollar an die Worldwide Transhumanist Association, die weltweit größte transhumanistische Gruppe, die jetzt unter Humanity+ geführt wird, und zahlte das 100.000 Dollar Gehalt ihres Vizepräsidenten Ben Goertzel. Die Website enthält eine Seite, die der Transhumanistischen Erklärung gewidmet ist, die die Erklärung enthält:

„Wir glauben, dass das Potenzial der Menschheit noch weitgehend unerforscht ist. Es gibt mögliche Szenarien und Forschungsansätze, die zu wundersamen und äußerst lohnenswerten verbesserten Lebensbedingungen führen können.“

Das ist spannend, denn Ben Goertzel ist gleichzeitig auch Gründer und Vorsitzender der OpenCog Foundation. OpenCog, eine offiziell gemeinnützige Organisation für die Entwicklung künstlicher Intelligenz und KI-Software, gehört ebenfalls zu den Hauptprojekten der Epstein-Foundation.

Verhaltensforschung, künstliche Intelligenz, Genmanipulation, das klingt alles sehr nach einer neuen Form von Mind Control.

Der Harvard-Kognitionspsychologe Steven Pinker, der Epstein seinerzeit als „intellektuellen Betrüger“ beschrieb, distanzierte sich von ihm, als er von seiner Vorliebe für Pseudowissenschaften erfuhr. Pinker erzählte, Epstein habe mit der Finanzierung der Forschungsprojekte stets geprahlt.

Bei einer weiteren Begegnung in Harvard erinnerte sich Pinker daran, dass Epstein die Forschung und Politik zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für die Verarmten vernachlässigte, weil er glaubte, dies würde zu einer Überbevölkerung führen. Pinker weiter

„Meine Abbildungen auf ein paar Fotos mit Epstein sind für mich eine bittere Ironie, denn im Gegensatz zu einigen Freunden und Kollegen konnte ich den Kerl nie leiden und versuchte immer, Abstand zu halten. Ehrlich gesagt habe ich nie verstanden, warum so viele Kollegen ihn als ernstzunehmenden Intellektuellen behandelt haben.“


Weitere Spenden von Epstein:

Santa Fe Institute, erhielt 2010 25.000 Dollar von Epstein. MIT, das 2012 50.000 Dollar erhielt. Dann wären da noch die Melanom-Forschungsallianz, Princeton University, Columbia University,

New York University, Cornell University, Pepperdine University, Ohio State University, Stanford University, UCLA, Rockefeller University sowie die Penn University.

Wir fassen also zusammen. Epstein ist fasziniert vom Transhumanismus mit dem Ziel, die eigene DNA an die Menschheit weiterzugeben. Nicht für jedermann, sondern für ganz bestimmte Kreise. Offenkundig überzeugt davon, unterstützt er mit seiner Stiftung Humanity Plus, eine transhumanistische Organisation. Dann ist da sein Wegbegleiter Martin Nowak, dessen Programm zur Verhaltensforschung mit offiziell 6,5 Millionen Dollar finanziert wurde.
OpenCog, ein weiteres Hauptprojekt zur Förderung der künstlichen Intelligenz und KI-Technologie. Jeder muss sich selbst die Frage beantworten, worum es bei all diesen Projekten geht. Um das Wohlergehen und die Freiheit der Menschheit oder vielmehr um Manipulation und Gedankenkontrolle?