Ex-Parteichef Lucke schreibt „Brandbrief an die moderaten Mitglieder der AfD“

Foto: metropolico

Der ehemalige Parteichef und Mitbegründer der AfD, Bernd Lucke, hat einen Brandbrief an die „moderaten Mitglieder der AfD“ geschrieben. Zuvor hatte er sich im Rahmen eines Interviews mit der ZEIT für eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz ausgesprochen. Nachfolgend der Text im Wortlaut:

Vor wenigen Tagen erschien ein Interview, das ich der „Zeit“ gab. Darin forderte ich, dass der Verfassungsschutz Teile der AfD beobachten solle. Aufgrund dieser Äußerung habe ich etliche wütende Reaktionen von AfD-Sympathisanten erhalten.

Ich weiß nicht, ob Sie diese Wut teilen. Vielleicht sind Sie selbst besorgt darüber, wie stark und wie offen der Rechtsextremismus inzwischen in der AfD auftritt. Aber: Ich sehe nichts von dieser Sorge. Ich lese nicht, dass Sie sich gegen Ihre rechtsextremen Parteifreunde auflehnen. Ich höre nicht, dass Sie sie ächten, dass Sie ihnen die Tür weisen, dass Sie ihnen sagen: Mit Euch wollen wir nichts zu tun haben!

Rechtsextrem sind nicht nur die Antisemiten, die Holocaust-Leugner und die Skinhead-Kameradschaften. Rechtsextrem sind auch die, die Deutsche über Menschen anderer Herkunft erheben, nur weil diese nicht deutsch sind. Die eine kulturelle Überlegenheit der Deutschen gegenüber fremden Völkern behaupten. Die von einem Herrenmenschentum der Deutschen ausgehen, das es rechtfertigt, Muslimen oder Migranten in Deutschland nur mindere Rechte zuzugestehen und ihnen die Fähigkeit zur Integration abzusprechen. Alles das verstößt gegen das Grundgesetz. Es verstößt gegen die Menschenwürde und die Religionsfreiheit.

Rechtsextreme sind Verfassungsfeinde. Sie akzeptieren Grundrechte nicht und sie verabsolutieren ihre Vorstellung vom Deutsch-Sein. So sehr, dass sie den demokratisch gewählten Vertretern unseres Staates Verrat am Volk vorwerfen. Mit infamer und zügelloser Rhetorik untergraben sie das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie.

Vor kurzem wurde das Gutachten des Verfassungsschutzes über die AfD bekannt – es ist der Anlass für mein Schreiben. Lesen Sie es, es ist erschütternd! Lesen Sie die Auszüge aus Reden, Stellungnahmen und Büchern Ihrer rechtsextremen Parteifreunde! Lesen Sie von dem Gift, das die Wortführer des „Flügels“ verbreiten, lesen Sie, wie Tausende von AfD-Mitgliedern dies auf den Kyffhäuser-Treffen bejubeln, lesen Sie, wie der Krebs des Rechtsextremismus sich in Ihrer ganzen Partei ausgebreitet hat! Und erzählen Sie nicht, dies sei ein Problem des Ostens. Auch in der West-AfD wuchert der Krebs.

Seit 1945 haben alle gesellschaftlichen Kräfte stets ein Tabu respektiert: Rechtsextremismus ist zu ächten. Die AfD ist die erste große Organisation, die dieses Tabu bricht. Die AfD gibt diesen Leuten ein Forum, Sie meine Damen und Herren, geben diesen Leuten ein Forum in Ihrer Partei und bis hinein in die Parlamente. Das ist eine Schande!

Ich habe im Zeit-Interview hervorgehoben, dass die meisten AfD-Mitglieder nicht rechtsextrem sind. An diese Mitglieder schreibe ich hier: Warum lassen Sie es zu, dass die Rechtsextremen bei Ihnen eine Heimstatt gefunden haben? Dass sie ihre Ungeheuerlichkeiten offen sagen können? Dass sie Ihre Partei besudeln?

Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig.

Der richtige Weg wäre es, diese Partei zu verlassen. Aber kommen Sie nicht zu unserer Partei, der LKR. Wir nehmen Sie nicht, denn Sie haben sich mitschuldig gemacht.

Ich erwarte ohnehin nicht, dass viele von Ihnen die AfD verlassen werden. Aber Sie wissen natürlich, dass Ihre politischen Ziele schwer geschädigt werden, weil Sie den Rechtsextremismus tolerieren. Wenn Ihnen Ihre Anliegen wichtig sind, müssen Sie damit ein Ende machen!

Die AfD hatte sich einst „Mut zur Wahrheit“ auf die Fahnen geschrieben. Daraus ist jetzt das Schweigen aus Feigheit geworden. Brechen Sie Ihr Schweigen! Brechen Sie mit den Rechtsextremisten in der AfD! Grenzen Sie sie aus und fordern Sie sie auf, Ihre Partei zu verlassen.

Parteiausschlussverfahren sind aussichtslos. Zu hoch sind die juristischen Hürden. Aber Sie können die Rechtsextremen öffentlich bloßstellen. Publizieren Sie eine Liste mit den Namen aller Rechtsextremisten und ächten Sie sie. Fordern Sie sie wieder und wieder zum Parteiaustritt auf. Es wird eine lange Liste sein müssen. Wenn ich Ihnen für den Anfang ein paar Namen vorschlagen darf: Björn Höcke MdL, Hans-Thomas Tillschneider MdL, Andreas Kalbitz MdL, Markus Frohnmaier MdB, Christina Baum MdL, Jens Maier MdB, Wolfgang Gedeon MdL, Stefan Räpple MdL, Thomas Seitz MdB, Doris von Sayn-Wittgenstein MdL, Damian Lohr MdB, Jörg Urban MdL …

Wenn Sie schon die AfD nicht verlassen wollen: Machen Sie Ordnung im eigenen Haus, indem Sie zumindest sagen, wo es stinkt. Manchmal ist Selbsterkenntnis ja der erste Schritt zur Besserung.

Prof. Dr. Bernd Lucke

9 KOMMENTARE

  1. Der letzte Satz, lieber Herr Professor, ist der einzige brauchbare in Ihrem „Teelicht“ Brief.
    Fassen Sie sich zunächst an ihre Nase.

    Welches Interesse haben Sie, wenn Sie so ein Unsinn schreiben?

    Oder wollen Sie, so kurz vor den EU Wahlen, noch mal schnell in die Main-Stream-Presse Ihr Gesicht zeigen um wiedergewählt zu werden?

    Heute kann jeder in der Lückenpresse so richtig Dampf ablassen, so lange er nur damit die AfD besudelt.

    Haben Sie das nötig? Sie werden nicht wieder gewählt. Da hilft es auch nicht, wenn auch Sie jetzt mal ordentlich Ihre alte Partei mit Schmutz bewerfen.

    Übrings spüre ich den Wind, aus dessen Richtung Sie flöten nur zu genau: Nicht nur der Rechtsextremismus ist zu ächten, sonder JEDER Extremismus, egal welcher Farbe, Richtung oder Idiologie. Das wußten Sie zur Zeit der AfD auch noch. Wie schnell doch der Wind sich dreht.

    Darum auch: Auf ein niemals Wiedersehn…

  2. Bockig wie ein Kleinkind weil es nicht mehr mitspielen darf,ein Neider auf den Erfolg.AFD Weiter so!

  3. Habe gelesen das Luckes Sohn in einer Rechten studentischen Organisation angehört. Habe persönlich nichts dagegen, Vater Lucke sollte nicht mit Steinen werfen, wenn er selbst in einem Glashaus sitzt.

  4. Gibt es wirklich einen der AfD nahestehenden Menschen, der Migranten weniger Rechte als Einheimischen zugestehen will? Wir Deutsche wären doch froh, wenn wir wenigstens die gleichen Rechte wie die Kulturbereicherer hätten: Super Verpflegung incl. toller Wohnung, ohne etwas zu bezahlen, vor Gericht mit Samthandschuhen angefasst werden, von Sex mit Kindern und Vielweiberei ganz zu schweigen.
    Niemand behauptet, dass sich Moslems und sonstige Migranten nicht integrieren können. Der entscheidende Punkt ist, dass sie es nicht wollen! Ist aber auch kein Wunder, wenn ihnen von Nestbeschmutzern wie Sie, Herr Lucke, in den Medien immer wieder erzählt wird, wie scheiße wir Deutschen seien.
    Und selbstverständlich sind uns Somalier, Marokkaner und Afghanen in kultureller Hinsicht (Literatur, Musik, Architektur, Ingenieurwesen etc.) ganz sicher ebenbürtig, und wer etwas anderes behauptet, ist ein ganz böser Nazi.

    • Mir fallen da doch ein paar Rechte ein, die ich unkontrollierten Zuwanderern nicht zugestehen will. ZB Wahlrecht, Klagerecht in bestimmten Bereichen, Recht auf umfängliche soziale Leistungen.

      Wer einwandern will, muss es sich selbst finanzieren, wie es die Jahrzehnte vorher der Fall war. Und dann ist da immer noch die Frage, ob sie sich integrieren wollen, oder die Kultur im Einwanderungsland verdrängen wollen.

  5. „die Holocaust-Leugner und die Skinhead-Kameradschaften. Rechtsextrem
    sind auch die, die Deutsche über Menschen anderer Herkunft erheben“

    Von nichts eine Ahnung, aber davon mal wieder eine ganze Menge in seinem Klischee-denken, der Klein-Lucke.

    „Seit 1945 haben alle gesellschaftlichen Kräfte stets ein Tabu respektiert: Rechtsextremismus“
    Und alles, was nicht Links-systemkonform ist, wird als Rechtsextrem eingestuft, so einfach macht man sich seine Welt.

    Mir ist es egal, ob andere Kulturen besser oder schlechter sind, ich brauche keine unkontrollierte Einwanderung von Kriminellen, Psychopathen, Sozialschmarotzern und Religionsfanatikern, die auf meine/unsere Kosten finanziert werden, und gebürtige Deutsche mit Wurzeln in mehreren Generationen in Deutschland mehr und mehr verdrängen, weil ein paar korrupte Politiker denken, sie könnten so das verfallen dieses kaputten System etwas hinauszögern und sich noch schnell kräftig bereichern.

    Klein-Lucke müsste aber nur mal „andere Kulturen“ näher kennenlernen, damit er kapiert, das es in den meisten Kulturen nicht so „sozial“ zugeht bzw alles klappt, wie er es in seinem Goldenen Käfig kennt. Und dann soll er nochmal seine Phrase von „Herrenmenschen“ überdenken.

    Aber auch „Herrenmenschen“ war nur ein Kampfbegriff der Alliierten Propaganda, die Ideologie der NS war, anderen Kulturen zu erhalten, siehe Tschechoslowakei, die man unter Selbstbestimmung liess, und andere Kulturen zu unterstützen. Das war die Idee.

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