Ein brisantes Papier von drei renommierten Wissenschaftlern und Analysten weist nach, dass viel von dem Geld, das an die ärmsten Länder als Entwicklungshilfe überwiesen wird, auf den Bankkonten von Despoten, Generälen und Toppolitikern landet. – Was alle ahnten, haben wir nun schwarz auf weiß. Jorgen Andersen von der Norwegian Business School, Niels Johannesen von der Universität Kopenhagen und der Weltbank-Researcher Bob Rijkers haben nachgewiesen, dass ein erklecklicher Teil des Geldes, das für die Ärmsten gedacht ist, in die Taschen der Eliten in den Empfängerländern abgezweigt wird. Der Hammer: Die Zahlen, die das nahelegen, stammen aus den Beständen der Weltbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Notenbank der Notenbanken. Die Weltbank wollte auf der Studie sitzen bleiben und sie nicht herausrücken, heißt es.

Demnach landen 7,50 von jeweils 100 Dollar Entwicklungshilfe in diesen Offshore-Bankkonten. Was die lokalen Eliten zusätzlich von der Entwicklungshilfe für den Kauf von Immobilien, Luxusartikeln und Schmuck abzweigen, wird von der Studie freilich nicht erfasst. Zur Methodik der Studie: Die 3 Forscher nahmen die 22 ärmsten Empfängerländer unter die Lupe, betrachteten jeweils ein Quartal, in dem das Geld dorthin überwiesen wurde und beobachteten, wie gleichzeitig auf den Konten in den Steueroasen die Einlagen sprunghaft stiegen. Andere Gründe als das durch Überweisungen zusätzlich verfügbare Geld aus den Geberländern – darunter Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Finanzkrisen – wurde von den Forschern jeweils durch Überprüfung ausgeschlossen. Bei Ländern, die gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr als 1% Entwicklungshilfe erhielten, zeigte sich: die Offshore-Konten dieser Länder schwollen im Schnitt um jeweils 3,4% stärker an als die Konten jener Länder, an die nichts überwiesen wurde. Der Fluss des Hilfsgeldes ist identisch mit dem Weg, den die sogenannten Petro-Dollars nehmen. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Studie und dem plötzlichen Weggang der Chefvolkswirtin der Weltbank, „Penny“ Goldberg zu Beginn dieses Jahres gibt, ist nicht bewiesen, wird aber in verschiedenen internationalen Publikationen vermutet. Im deutschen Medien-Mainstream bekam die Studie so gut wie keine Aufmerksamkeit, obwohl die offizielle Linie der Bundesregierung ist, dass man die Migration im Idealfall schon am Entstehungsort begrenzen und kanalisieren kann. Doch die Studie legt den Verdacht nahe, dass daran überhaupt kein Interesse besteht.