Überwachung: KI-System bringt Unschuldigen elf Monate ins Gefängnis

Es klingt wie aus einem Science-Fiction Film, ist aber dystopische Realität in der US Metropole Chicago. Dort wacht ein KI-System namens ShotSpotter zur Verbrechensbekämpfung.

Tausende Mikrofone hören die Umgebung ab und sollen angeblich Schussgeräusche zuverlässig identifizieren können. Sobald es zu einer Schießerei kommt, wird die Polizei automatisch benachrichtigt und kann vor Ort nach dem Rechten sehen.

Diese "künstliche Intelligenz" wurde nun einem Unschuldigen zum Verhängnis. Der 65-jährige Michael Williams saß elf Monate hinter Gittern und wartete auf seinen Prozess, weil er einen 25-jährigen Mann getötet haben sollte.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Williams den ihm aus der Nachbarschaft bekannten 25-jährigen Mann als Anhalter in seinem Auto mitgenommen. Laut seiner Aussage hielt ein anderer Wagen plötzlich neben ihm und der Beifahrer soll dann direkt dem Anhalter in den Kopf geschossen haben. Williams brachte den schwer Verletzten noch in ein Krankenhaus, wo er später verstarb.

Die Polizei konnte weder ein Motiv ermitteln, noch wurde die Tatwaffe aufgefunden. Einzig das KI-System wurde als Beweis heran gezogen. ShotSpotter soll nämlich zum gleichen Zeitpunkt, als Williams von einer Überwachungskamera in seinem Auto aufgezeichnet wurde, ein Schussgeräusch registriert haben. Aufgrund dieser dünnen Beweislage und wegen seiner Vorstrafen landete Williams Schluss in Untersuchungshaft, wo er elf Monate verblieb.

Williams Anwälte erreichten, dass der KI-Beweis vor Gericht nicht anerkannt wurde. Ihren Untersuchungen nach hat ShotSpotter einen Feuerwerksknall aufgezeichnet, der sich etwa eine Meile entfernt vom Tatort ereignet haben soll. Dort sei es zu Unruhen und Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Überwachungsfirma wies Vorwürfe der Manipulation zurück und behauptet weiterhin, ihr System sei zuverlässig. Die Staatsanwaltschaft aber konnte sich nicht weiter durchsetzen und Williams ist wieder ein freier Mann.

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