Ein fataler Irrtum über offene Grenzen und ewigen Frieden

Otto Lilienthals beschädigter Normalsegelapparat nach seinem letzten Flug.
Otto Lilienthals beschädigter Normalsegelapparat nach seinem letzten Flug (gemeinfrei)

Ohne den Pionier Otto Lilienthal wäre die Entwicklung der ersten motorgetriebenen Flugzeuge kaum denkbar oder hätte zumindest noch viele weitere Jahre benötigt. Lilienthal starb am 10. August 1896, einen Tag nachdem er bei einem seiner vielen Gleitflüge abgestürzt war.

Seine Arbeit wurde von anderen fortgesetzt. Nur sieben Jahre nach seinem tragischen Tod vermeldeten die Brüder Wright den Durchbruch. Man schrieb das Jahr 1903. Die Eroberung der Lüfte durch den Menschen nahm ihren Anfang.

Ein Brief Otto Lilienthals an einen Oberstlieutenant aus dem Jahr 1894 wurde der Nachwelt überliefert. Darin heißt es:

… Mit Begeisterung habe ich oft Ihren Worten gelauscht, in denen Sie die Grenzen nicht als Trennung, sondern als die Verbindung der Länder bezeichneten.

Auch ich habe mir die Beschaffung eines Kulturelementes zur Lebensaufgabe gemacht, welches Länder verbindend und Völker versöhnend wirken soll. Unser Kulturleben krankt daran, daß es sich nur an der Erdoberfläche abspielt. Die gegenseitige Absperrung der Länder, der Zollzwang und die Verkehrserschwerung ist nur dadurch möglich, daß wir nicht frei wie der Vogel auch das Luftreich beherrschen.

Der freie, unbeschränkte Flug des Menschen, für dessen Verwirklichung jetzt zahlreiche Techniker in allen Kulturstaaten ihr Bestes einsetzen, kann hierin Wandel schaffen und würde von tief einschneidender Wirkung auf alle unsere Zustände sein.

Die Grenzen der Länder würden Ihre Bedeutung verlieren, weil sie sich nicht mehr absperren lassen; die Unterschiede der Sprachen würden mit der zunehmenden Beweglichkeit der Menschen sich verwischen. Die Landesverteidigung, weil zur Unmöglichkeit geworden, würde aufhören, die besten Kräfte der Staaten zu verschlingen, und das zwingende Bedürfnis, die Streitigkeiten der Nationen auf andere Weise zu schlichten als den blutigen Kämpfen um die imaginär gewordenen Grenzen, würde uns den ewigen Frieden verschaffen.

Wir nähern uns diesem Ziele. Wann wir es ganz erreichen, weiß ich nicht. Das Schärflein, was ich hierzu beigetragen habe, finden Sie in den Anlagen. Ich werde froh sein, wenn ich einen kleinen realen Beitrag liefern kann zu den hohen und idealen Kulturaufgaben, welche Sie verfolgen.“ Quelle: Otto Lilienthal Museum

Die Brüder Wright dachten da ganz anders und erkannten das Potential ihrer Arbeit. Sie dienten sich dem Militär an, reisten durch die ganze Welt und stießen vor allem in Frankreich und Deutschland auf offene Ohren. Wilbur Wright starb bereits 1912, dem verbliebenen Bruder Orville gelangen keine wesentlichen Fortschritte mehr. Längst hatten die Militärs übernommen und mit dem Ersten Weltkrieg erfuhr die Fliegerei einen weiteren Aufschub. Helden der Lüfte waren jetzt der Rote Baron und nicht mehr der friedliebende Otto Lilienthal. Er hätte sich wohl im Grabe herumgedreht und die Brüder Wright sowie seine eigene Erfindung zur Hölle gewünscht.

Heute stehen wir wieder an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Bahnbrechende Erfindungen werden unsere Umwelt verändern und zwar so rasant, wie um die Jahrhundertwende 1900. Die Digitalisierung der letzten Jahrzehnte wird uns rückblickend dabei vorkommen wie im Schneckentempo. Und wieder kann man davon ausgehen, dass die neuen Errungenschaften zuerst gegen die Menschheit eingesetzt werden, alte Ordnungen zusammenbrechen – wie es derzeit schon der Fall ist – und unsere Gegenwart entweder als die „gute alte Zeit“ gepriesen oder „dunkles Zeitalter“ verdammt wird.

2 KOMMENTARE

  1. Ehrlich gesagt, ich sehe die „bahnbrechenden Erfindungen“ nicht. Was wir haben, ist eine ausgefeilte Technologie der 70er Jahre. Im Wissenschaftsbetrieb werden Fortschrittsbremsen wie die irreführende „Relativitätstheorie“ ungeniert weiter kultiviert.

  2. Ich habe nichts gegen Pazifisten und völlig friedfertige Menschen. Ich selber würde diesem Orden unter einer einzigen Bedingung jederzeit beitreten.

    Wenn ich der Letzte sein darf!

Comments are closed.