Der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak, der das Land von 1999 bis 2001 führte, wird spätestens seit der Verhaftung von Epstein im Juli immer wieder mit dem angeblich Verstorbenen in Verbindung gebracht. Bisweilen unklar waren die Umstände der Treffen beider einflussreichen Persönlichkeiten.

In meinem Artikel – Einfluss auf Wahlen in Israel – hatte ich bereits über die Beziehungen beider Männer berichtet. So veröffentlichte die DailyMail vergangenen Monat bereits Fotos von Barak.

Es war ein kalter Tag in Manhattan, irgendwann im Januar 2016, vor Epsteins Upper East Side Villa, als Barak von Fotografen der Daily Mail fotografiert wurde. Einen riesigen Wintermantel tragend, einen russischen Pelzhut aufgesetzt, sein Gesicht verdeckend, nicht erkannt werden wollend, verschwindet Barak in der Manhattan-Villa. Die Fotos entstanden, nachdem Epstein nach einer Auslandsreise nach New York zurückgekehrt war.

Ehud Barak äußerte:

“Ich war noch nie auf einer Party dort. Im Gegenteil, in seinem Haus traf ich viele sehr angesehene Leute, Wissenschaftler, Nobelpreisträger und ich traf ihn auch in Boston, am MIT oder in den Harvard-Labors, die er unterstützte.”

Neues belastendes Material aufgetaucht

Nun, wenige Wochen später, nachdem sich Epstein nach offizieller Darstellung das Leben genommen hat, tauchen neue Informationen sowie Aussagen auf, die den Anwärter auf das Amt des Premierministers in Israel in die Bredouille bringen.

Bewohner der 301 East 66th, also nicht der Villa aus 2016, sondern des Manhattan-Hochhauses, wussten es insgeheim schon immer. Auffällig geparkte dicke Autos, ein breit aufgefahrenes Sicherheitspersonal, ein offenes Geheimnis also, die unzähligen Besuche des ehemaligen Premierministers im Manhattan-Hochhaus, welches von Marc Epstein, dem jüngeren Bruder, kontrolliert wurde.

Sie haben Barak in in den letzten Jahren häufiger im Gebäude gesehen, bestens behütet mit einem halben Dutzend Sicherheitskräften, berichten die Bewohner. Einer erinnerte sich daran, im Aufzug mit Hebräisch sprechenden Leibwächtern gefahren zu sein.

Angesprochen auf seinen regelmäßigen Aufenthalt in der 301 E. 66th Street antwortet Barak gegenüber dem DailyBeast:

Obwohl es von meiner Seite kein Fehlverhalten gab und es nicht einmal den geringsten Verdacht auf Fehlverhalten meinerseits gibt, werde ich diese Fragen nicht beantworten, denn im derzeitigen politischen Umfeld in Israel wird, egal was ich auf diese Frage antworte, als Spin im politischen Spiel aufgeladen. Als ehemaliger Premierminister werde ich von Leibwächtern begleitet, wo immer ich hingehe.“

Unmöglich nicht zu wissen, was in dem Hochhaus vor sich ging

Während sich der israelische Politiker vehement freizusprechen versucht, seine Geschäftsbeziehungen zu Epstein herunterspielt, ist es schier unmöglich, nichts von all den Geschehnissen vor Ort mitbekommen zu haben. Das ist ungefähr so, als würde man in meiner Heimatstadt Köln ins Pascha gehen und sagen – also von tanzenden Frauen habe ich nichts mitbekommen.

Eine ehemalige Buchhalterin Maritza Vasquez von der Modelagentur MC2, ein Unternehmen unter Federführung von Jean-Luc Brunel, teilte im Jahr 2010 dem FBI mit:

Die Wohnungen in der 301 East 66th werden für minderjährige Mädchen aus Südamerika, Europa und der ehemaligen Sowjetunion genutzt. Brunel schickt die Mädchen zu Epsteins Partys oder leiht sie an wohlhabende Kunden zum sexuellen Missbrauch aus.“

Brad Edwards, einer der Opferanwälte, der Ankläger gegen Epstein vertreten hat, fügte ergänzend hinzu:

“Diese Frauen bekommen Arbeitsvisa, um den Anschein zu erwecken als Model zu arbeiten. In Wahrheit wurden sie von Epstein und Brunel vertreten. Verschiedene Geschäftsleute und Politiker aus New York und Washington D.C. gehen häufig in diese Wohnungen und haben Sex mit Minderjährigen.

Geschäftsbeziehung beider Männer

Im Jahr 2014 gründete Barak das Unternehmen Reporty, welches später in das Unternehmen Carbyne überging. Die Firma hat sich auf öffentliche Sicherheitstechnik und Anrufbearbeitung zur Verbesserung der Arbeit und Effizienz der Rettungsdienste spezialisiert.

Zum Start investierte Barak 1,5 Millionen Dollar und erhielt zudem 300.000 Dollar vom Wirtschaftsministerium. Doch ein großer Teil der Investitionen stammten von Jeffrey Epstein.

Der Zeitung The Times of Israel teilte Barak mit:

Seit fast fünf Jahren ist eine mit Epstein verbundene Firma ein passiver Investor in einer in Israel nach dem Gesetz registrierten und von mir kontrollierten Kommanditgesellschaft. Jeder Investor in des Unternehmens ist demselben Handelsvertrag verpflichtet. Unmittelbar nach Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe im Fall Epstein habe ich meine Anwälte angewiesen, alle Möglichkeiten zu prüfen, um das an Epstein gebundene Unternehmen aus der Kommanditgesellschaft zu streichen.”

Laut eines israelischen Enthüllungsjournalisten investierte Epstein 2015 insgesamt eine Million Dollar in das Unternehmen Carbyne. Nun wollte Barak, Epstein war noch unter den Lebenden als er diese Aussage tätigte, Epstein von der Liste der Geldgeber streichen? Seine 13-monatige Haftstrafe vor einem Jahrzehnt sowie seine Registrierung als Sexualstraftäter war also kein Problem?

Mehr noch; im Jahr 2004 erhielt Barak für eine andere von ihm gegründete Stiftung etwa 2,4 Millionen Dollar von der Wexner Foundation. Dies berichtete vergangenes Jahr der Journalist Erel Segal. Zur Verfügung gestellt wurde dieses Geld für von Barak durchgeführte Forschungsarbeiten.

Der MiamiHerald hat ebenso darüber berichtet und bestätigt diese Transaktion.

Wir erinnern uns, Epstein war über Jahre hinweg ein mit Prokura gekürter Vermögensverwalter vom Chef des Modeunternehmens Victorias Secret.

Der Name des ehemaligen Premierministers war auch im Schreckgespenst, dem kleinen schwarzen Buch von Epstein, eingetragen. Name, Adresse und verschiedene Kontaktinformationen sind in dem vom Gawker veröffentlichten Buch versehen.


Quelle: Indoamedia.com