Königliche Leibgarde / Bild: Wolfgang Prabel

Dr. Merkels Hofpresse berichtete heute von einem durch Nichtbeachtung der bayrischen Rechte verursachten Zerwürfnis zwischen Dr. Merkels nordrhein-westfälischem Statthalter und dem Bayernkini, wenngleich letzterer auch derzeit Franke ist. BILD wörtlich über eine Telefonkonferenz, welche ungesittet wie unter Strauchdieben ablief: „Bei der Schalte ging es heiß her, es kam zum Riesenstreit zwischen Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)!“

Früher wurden bayrische Machthaber durch die Reichsleitung mit dem ihnen gebührenden Respekt behandelt. Wie salbungsvoll und ehrerbietig war der Briefwechsel zwischen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck und König Ludwig II. Hier einige Briefe aus den „Erinnerungen“  des Kanzlers:

Mein lieber Fürst!
Es würde mir nicht nur ein hohes Interesse bieten, sondern zugleich lebhafte Freude bereiten, Sie zu sprechen und meinen Gefühlen besonderer Hochachtung für Sie, mein lieber Fürst! mündlichen Ausdruck zu geben. Wie ich zu meinem aufrichtigen Bedauern erfahre, hat jener so verabscheuungswürdige Mordanschlag, für dessen Mißlingen ich Gott immerdar dankbar sein werde, störend auf Ihre auch mir so theure Gesundheit und auf den Curgebrauch gewirkt, so daß es vermessen von mir wäre, wollte ich Sie ersuchen, Sich demnächst zu mir zu bemühen, der ich jetzt mitten in den Bergen verweile. – Für Ihren letzten Brief, der mich mit aufrichtiger Freude erfüllte, bin ich Ihnen aus ganzer Seele dankbar. Fest vertraue ich auf Sie! und glaube ich, daß Sie, wie Sie meinem Minister v. Pfretschner gegenüber sich äußerten, Ihren politischen Einfluß dafür einsetzen werden, daß das föderative Princip die Grundlage der neuen Ordnung der Dinge in Deutschland bilde. Möge der Himmel Ihr theures Leben noch viele Jahre uns Allen erhalten! Ihr Tod, sowie der des von mir hochverehrten Kaisers Wilhelm wäre ein großes Unglück für Deutschland und Bayern. – Aus ganzem Herzen meine besten Grüße Ihnen, mein lieber Fürst, zurufend, bleibe ich stets mit besonderer Hochschätzung und tiefgewurzeltem Vertrauen
Hohenschwangau, den 31. Juli 1874
Ihr aufrichtiger Freund Ludwig.
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Kissingen, den 10. August 1874
Allerdurchlauchtigster König, Allergnädigster Herr,
Im Begriff, meine Cur zu beendigen, kann ich Kissingen nicht verlassen, ohne Eurer Majestät für alle Gnade, welche Allerhöchstdieselben mir hier erzeigt haben, nochmals ehrfurchtsvoll zu danken, insbesondere auch für das huldreiche Schreiben vom 31. v. Mts.
Ich bin hoch beglückt durch das Vertrauen, welches Eure Majestät mir darin aussprechen, und werde stets bestrebt sein, dasselbe zu verdienen; aber auch unabhängig von persönlichen Bürgschaften, dürfen Eure Majestät mit voller Zuversicht auf diejenigen rechnen, welche in der Reichsverfassung selbst liegen. Letztere beruht auf der föderativen Grundlage, welche sie durch die Bundesverträge erhalten hat, und kann nicht ohne Vertragsbruch verletzt werden. Darin unterscheidet sich die Reichsverfassung von jeder Landesverfassung. Die Rechte Eurer Majestät bilden einen unlöslichen Theil der Reichsverfassung, und beruhen daher auf denselben sicheren Rechtsgrundlagen wie alle Institutionen des Reichs. Deutschland hat gegenwärtig in der Institution seines Bundesrathes, und Bayern in seiner würdigen und einsichtigen Vertretung im Bundesrathe, eine feste Bürgschaft gegen jede Ausartung oder Uebertreibung der einheitlichen Bestrebungen. Eure Majestät werden auf die Sicherheit des vertragsmäßigen Verfassungsrechtes auch dann volles Vertrauen setzen können, wenn ich nicht mehr die Ehre habe, dem Reiche als Kanzler zu dienen.
In tiefer Ehrfurcht verharre ich
Eurer Majestät unterthänigster Diener v. Bismarck.
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Durch Ihre so klare Darlegung der politischen Situation haben Sie, mein lieber Fürst, mich ganz besonders verbunden. Der weitsehende, staatsmännische Blick, welcher sich in Ihren Anschauungen über die Stellung Deutschlands zu den gegenwärtigen und etwa noch drohenden Verwicklungen im Auslande kund gibt, hat meine volle Bewunderung, und ich brauche noch [wohl] nicht zu versichern, daß Ihre mächtigen Anstrengungen zur Erhaltung des Friedens von meinen wärmsten Sympathien und meinem unbegränzten Vertrauen begleitet sind. – Möge der glückliche Erfolg der deutschen Politik und der Dank der deutschen Fürsten und Stämme Sie, mein lieber Fürst, im Besitze Ihrer vollen Gesundheit und Rüstigkeit finden.
Hohenschwangau, den 16. Juli 1876
Ludwig.

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Kissingen, den 12. August 1878
Eurer Majestät erlaube ich mir meinen ehrfurchtsvollen Dank zu Füßen zu legen für die huldreichen Befehle, welche der Königliche Marstall auch in diesem Jahre für meinen hiesigen Aufenthalt erhalten hat, und für die gnädige Anerkennung, welche der Minister von Pfretschner mir im Allerhöchsten Auftrage überbracht hat. Durch den Congreß ist die Politik einstweilen zum Abschlusse gebracht, deren Angemessenheit für Deutschland Eure Majestät in huldreichem Schreiben anzuerkennen geruhten. Der eigne Frieden blieb gewahrt, die Gefahr eines Bruches zwischen Oesterreich und Rußland ist beseitigt, und unsre Beziehungen zu beiden befreundeten Nachbarreichen sind erhalten und befestigt. Namentlich freue ich mich, daß es gelungen ist, das noch junge Vertrauen Oesterreichs zu unsrer Politik im Cabinet wie in der Bevölkerung des Kaiserstaates wesentlich zu kräftigen. Ich darf von der allerhöchsten Billigung E.M. überzeugt sein, wenn ich auch ferner bemüht bin, die auswärtige Politik des Reiches in der vorbezeichneten Richtung zu erhalten, und dementsprechend bei der Pforte und anderweit gegenwärtig dahin zu wirken, daß die schwierige Aufgabe, die Oesterreich, allerdings etwas spät, übernommen hat, durch diplomatischen Beistand nach Möglichkeit erleichtert werde (…).
Eure Majestät bitte ich unterthänigst, diese kurze Skizze der Situation mit huldreicher Nachsicht aufnehmen und mir Allerhöchstdero Gnade ferner erhalten zu wollen.
v. Bismarck.

 

Anmerkung: Während des Kuraufenthaltes in Bad Kissingen wurde Otto von Bismarck 1874 Opfer eines Pistolenattentats. Bei einer Kutschfahrt durch das unterfränkische Kurbad lauerte ihm der aus Magdeburg bei offenen Grenzen zugereiste Böttchergeselle Eduard Kullmann auf und feuerte aus naher Distanz auf den Kanzler, traf ihn jedoch nur an der rechten Hand. Kullmann wurde durch die kgl. bayrische Polizei umgehend verhaftet. Darauf nahm der Briefwechsel Bezug.

Beitragsbild: Kgl. bayrische Leibgarde, Foto: Prabel

Viele Grüße an den Verfassungsschutz. Das PB-Redaktionsnetzwerk – welches geflissentlich nur Blumen sanft besingt – beteuert, mit diesem Eintrag nicht zu einem Attentat aufwiegeln zu wollen, sondern insbesondere bei der Merkeljugend Abscheu gegen individuelle Gewalt und Brandanschläge befördern zu wollen.


Quelle und Erstveröffentlichung: Prabelsblog

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