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Es sind wahrlich gruselige Zeiten. Seit einem halben Jahr passieren nicht nur in Deutschland Dinge, die man sich noch zu Silvester nicht einmal im schlimmsten Alptraum hätte vorstellen können. In atemberaubendem Tempo wurde der verbliebene Rest funktionierender Gesellschaftsstrukturen, die nach dem Merkelschen Meteoriteneinschlag des Jahres 2015 übrig geblieben waren, dem Erdboden gleich gemacht. Von einer gespaltenen Gesellschaft zu sprechen, trifft es schon lange nicht mehr – Deutschland ist ein zerrissenes Land, in dem inzwischen niemand mehr sicher sein kann, Teil der Solidargemeinschaft zu bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Leicht gerät man dieser Tage ins Visier von Medien, Politik und Strafverfolgung. Alles, was es braucht, ist der Verdacht, man könne sich nicht Corona-konform verhalten haben. Dies musste nun auch eine junge Amerikanerin erfahren. Die 26-Jährige war der massenhaften Verbreitung des Coronavirus angeklagt, nachdem sie trotz eines ausstehenden Testergebnisses bei einem  Kneipenbesuch in Garmisch gesichtet worden war. Doch nicht etwa die Justiz saß ihr tagelang im Genick, sondern die Richter auf den politischen Bühnen und deren Henker in den Redaktionen. Umgehend hatten die polit-medialen Ankläger einen Kampfbegriff parat, mit dem die junge Frau zum öffentlichen Abschuss freigegeben worden war. Das verblödet gegenderte Etikett der „Superspreaderin“ wurde ihr auf die Brust geheftet, verbunden mit martialischen Sportpalastreden, in denen sich mancher Kommentator in einen Rausch steigerte, der ihm den Speichel aus dem Mund liefen ließ.

Nicht ein Leitmedium, das es sich verkneifen konnte, die vom Bayerischen Rundfunk verbreitete Räuberpistole einer „Superspreaderin“ aufzugreifen

Die von Markus Söder als „Musterfall für Unvernunft“ gebrandmarkte US-Bürgerin darf sich glücklich schätzen, dass die Garmisch-Lüge aufflog, bevor Bürgerwehren die Sache in die Hand nahmen. Fast eine ganze Woche lang hatte sie sich einer wahren Treibjagd ausgesetzt gesehen, nachdem sie für die bevorstehende Auslöschung des beliebten bayerischen Skiortes verantwortlich gemacht worden war. Inzwischen ist klar: Der vermeintliche Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen hatte nichts mit der Amerikanerin zu tun. Das Ganze ist – um in Söders Jargon zu bleiben – ein Musterfall für die grassierende Corona-Hysterie. Kein Leitmedium, das es sich verkneifen konnte, die vom Bayerischen Rundfunk verbreitete Räuberpistole einer „Superspreaderin“ aufzugreifen. Jeder dichtete noch ein wenig mehr hinzu, immer neue „Experten“ und Lokalpolitiker hatten ihren großen Auftritt. Selbst die Redaktion der ARD-Tagesschau, die ansonsten gerne darauf verweist, dass Messerstechereien mit realen Toten nur Ereignisse von lokaler Bedeutung und einer überregionalen Berichterstattung nicht würdig seien, wollte auf den Horror der von der BILD-Zeitung zur „potentielle Killerin“ gestempelten Hotelangestellten keinesfalls verzichten. So ist das eben in einer Zeit, in der Zeitungsmeldungen und Fernsehnachrichten sorgfältig danach ausgewählt werden, welche politischen Botschaften zu transportieren sind. Nun also wissen wir: Alles Lüge. Ändern wird dies den Kurs des polit-medialen Kombinats allerdings weder in Sachen Corona, noch bei irgendeinem anderen Thema.

Eine aufgeflogene Lüge taugt immer noch mehr als eine, die nicht erzählt wird – bis zum nächsten Corona-Märchen wird es also nicht lange dauern

Unterdessen hat die Tagesschau auf ihrer Internetseite immerhin so etwas wie Abbitte geleistet und den Fall klargestellt. Viel mehr darf man heutzutage von Journalisten offenbar kaum noch erwarten. Von Politikern sowieso nicht. Corona wird gebraucht. Und eine aufgeflogene Lüge taugt immer noch mehr als eine, die nicht erzählt wird. Dass eine Handvoll Corona-Positive zu verzeichnen waren, die sich auf anderen Wegen angesteckt haben und der 26-jährigen Amerikanerin nie begegnet sind, bleibt eine Randnotiz, die bei der breiten Masse kaum noch Beachtung findet. Es wird nicht lange dauern, bis das nächste Corona-Märchen erzählt werden wird. Als kleiner Trost mag da gelten, dass es gefundene Brieftaschen und herumliegende Bündel voller Geldscheine auch nur so lange gab, wie die Willkommensparty organisiert werden musste. Möglicherweise brauchen wir unsere Intelligenz also schon in einem Jahr nicht mehr durch erfundene Superspreader-Stories beleidigen zu lassen. Dann werden wir bekanntlich auch nicht mehr im Trump-Zeitalter leben, zumindest sind deutsche Berichterstatter sich da sicher. Ab November müssen „Superspreader“, die durch die Gassen gejagt werden, wohl aus einem anderen Land kommen. Ungarn böte sich an, Russland sowieso. Im Grunde geht aber auch jedes andere europäische Land, nachdem mittlerweile niemand mehr in Merkels Willkommensorchester mitspielen will. Die US-Bürgerin aus Garmisch hat in jedem Fall nicht nur den Corona-Hardlinern, sondern auch dem Anti-Trump-Kartell gute Dienste erwiesen. Und darauf dürfte es so manchem Berichterstatter in erster Linie angekommen sein.


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Quelle und Erstveröffentlichung: Liberale Warte

4 KOMMENTARE

  1. Warten wir doch bitte einmal den 03.11. ab.
    Es gibt Ansichten in AMiland ( sogar die DEMS zittern davor ) dass Trump einem Erdrutschsieg davon tragen könnte. Mein beste Flasche Puffbrause ( Cremant ) steht schon kalt.

    • Gute Idee !
      Ich werde mir auch schon mal eine Flasche kaltstellen, aus diesem Anlass aber „Weuve Clicquot brut“ …

      Wie lieb und luftig perlt die Blase
      Der Witwe Klicko in dem Glase !

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