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Die Mehrheit der Menschen muss sich die Krise schon schönreden, nur gelingt das immer weniger. Der Ausnahmezustand dauert einfach zu lange und die Normalität, oder das was wir einst dafür hielten, will partout nicht wiederkehren. Sind wir ganz ehrlich mit uns selbst, dann macht sich bereits eine bange Gewissheit breit, dass der sogenannte „Point of no return“ längst überschritten ist. Immerhin wird weltweit mit Nachdruck an den vorgeblichen Infektionsschutzmaßnahmen festgehalten, was unter dem Blickwinkel der geringen Anzahl an real Erkrankten und Toten überaus dubios ist.

Demgegenüber gibt es eine kleine Minderheit, die kann sich unterdessen ganz schön reich rechnen. Umso verwunderlicher erscheint diese Überschrift des Focus: Rekorde mitten in Corona-Tristesse • Deutsche kontern Krise mit Run auf Aktien – und sind plötzlich reich wie nie zuvor. Ob diese Verallgemeinerung nicht schon ein wenig zynisch ist? Wer um die Bezahlung der nächsten Miete kämpft, wird wohl kaum in Aktien investiert sein. Dennoch ist die Feststellung in gewisser Hinsicht zutreffend. Das liegt allerdings an der faktischen Entkoppelung der Börsen von der Realwirtschaft.

Glücksspiel auf höchstem Niveau

Für eine kleine Minderheit ist die Börse tatsächlich das bessere Online-Casiono. Jetzt wäre es vermessen anzunehmen, dass die Gewinnchancen dort besser seien. Lediglich die Einsätze sind ein Vielfaches von dem, was der kleine Mann online an den virtuellen Automaten verdaddeln oder gewinnen kann. Dem kleinen Spieler wird es ungleich schwerer gemacht sein Geld unters Volk zu bringen. Spätestens seit PayPal Online-Casinos generell nicht mehr bedient, muss der Spieler auf Bezahlsystem wie Rapid Transfer umsteigen, um die Online-Slots weiterhin füttern zu können. Insoweit scheint selbst bei der Wahl von Online-Bezahlsystemen eine gewisse Diversifizierung geboten zu sein, um anbieterspezifischen Restriktionen für den persönlichen Gebrauch umgehen zu können.

Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt uns, dass bislang noch kein Finanzsystem ewig lebte. Es gilt die Drei-Generationen-Regel. Das Finanzsystem ist so konzipiert, das es regelmäßig in diesem Turnus kollabiert. Die Ursache ist dem Zins-Geldsystem inhärent, die ursächliche für ein als notwendig postuliertes Wirtschaftswachstum anzusehen ist. Nur über diesen Mechanismus kann die Umverteilung von unten nach oben in der zu beobachtenden Form stattfinden. Wir sind bezüglich des Zusammenbruchs bereits eine ganze Weile überfällig, aber Corona ist ein so smartes Virus, dass man locker den nächsten globalen Crash dahinter verstecken kann.

Parallel zu den noch andauernden Höhenflügen der Börsen, erleben wir den seuchenbedingt verordneten Niedergang der Realwirtschaft. Und den Finanzjongleuren ist die Realwirtschaft völlig egal Spätestens diese Divergenz darf als die „letzte Posaune“ begriffen werden, die uns das Unheil offenbart. Die Umsätze der Unternehmen brechen weiter ein, Tourismus und Gastronomie liegen vielfach bereits am Boden. Die Arbeitslosenzahlen steigen und können nur noch temporär über Kurzarbeit kaschiert werden. Pseudo-Rettungspakete für Kleinbetriebe und Mittelstand entpuppen sich als unüberwindliche Bürokratiemonster. Zeitgleich bekommen Konzerne, wie die Lufthansa, Milliardenbeträge zur Steigerung ihrer „Kündigungsproduktivität“ förmlich nachgeworfen.

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht

Nicht nur die Planken des Wirtschaftsdampfers „BRD“ ächzen im rauen Realwirtschaftsmeer, welches niemand mehr wirklich sehen mag. Alle großen Volkswirtschaften sind demselben Teufelswasser ausgesetzt und mit starken Finanz-Ketten aneinander geschmiedet. Das Ausblenden und tarnen dieser Realitäten gelingt noch ganz famos. Die Stimmung hat so einen maroden Hauch von „Titanic“. Man muss sich gar keine Mühe geben die Kapelle hören zu wollen. Sie spielt so laut und panisch, sodass dagegen sogar das Nebelhorn des Dampfers wie das zarte Trapsen einer Nachtigall rüberkommt.

Einzig der Staat gibt sich sorglos bis siegesgewiss. Damit ihm ja keine Mücken entkommen, müssen die Geldflüsse reguliert und kanalisiert werden. Schließlich könnte das „Untertanengeld“ unkontrolliert in „Krypto-Gullis“ versickern. Das geht gar nicht: EU will nicht-staatliche Kryptowährungen „regulieren“. Solange allerdings die BRD-Titanic-Kapelle noch spielt und die Medien dazu feine Geschichten von den „reichen Deutschen“ erzählen, ist die Welt, zumindest in der Vorstellung der Herrschaft, noch ganz in Ordnung. Der Katzenjammer wird gräulich ab dem Tag, an dem sich der DAX wieder für eine lange Zeit auf ein unterirdisches Niveau begibt.

Und wer es bis hierher noch immer nicht verstanden hat, der kann mal hergehen und das „Ende der Fahnenstange“ ausmetern, schließlich ist es bereits in Fühlweite. Wir reden nicht über Zufälle, höhere Gewalt oder Gottes Bannstrahl. Wir reden aktuell über ein sterbendes System, welches die unangenehme Angewohnheit hat, viele Menschen mit in den Abgrund zu reißen. Deshalb darf sich jedermann schon einmal Gedanken dazu machen, was er danach gerne hätte. Eine Neuauflage des gerade sterbenden Systems sollte nach allen gemachten Erfahrungen besser vermieden werden.