Psychiatrieskandal: Die Akte Holger Zierd

Die Akte Holger Zierd wird demnächst um ein neues Kapitel erweitert.

Holger Zierd
Holger Zierd † 27. Februar 2011

Seit dem Tod ihres Sohnes im Maßregelvollzug der Forensik Mühlhausen kämpft die Mutter Rosel Zierd um Aufklärung über die Todesumstände. Dass damit gewisse Damen und Herren nicht so einverstanden sind, versteht sich von selbst.

Wegen ihrer Internetpublikationen wurde Rosel Zierd angezeigt, man legte ihr Beleidigung zur Last. Das Gericht aber sah, wenn überhaupt, nur eine geringe Schuld der Angeklagten als gegeben an und stellte das Verfahren aus mangelndem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung am 31.02.2015 ein.

Gar nicht damit einverstanden aber war einer der Angegriffen, nämlich der Leiter der Vitos Kliniken in Haina, Dr. Rüdiger Müller-Isberner. Ein Beschwerdebrief an das thüringische und hessische Justizministerium liegt vor. Darin heißt es unter anderem, Vollzugsbedienstete und -beauftragte (gemeint sind damit die engagierten, stets freundlichen und professionell geschulten Pflegekräfte und Ärzte im Maßregelvollzug) würden durch die Einstellung des Verfahrens „schutzlos“ gestellt.

Die über Suchmaschinen gefundenen Angriffe und Beleidigungen gegen seine Person würden mittlerweile ganze Leitz-Ordner füllen. Vor allem die Einrichtung, die den gesetzlichen Auftrag des Maßregelvollzugs wahrnehme, mit einem KZ „Nachfolger von Mengele“ gleichzusetzen, sei „dazu geeignet, die Einrichtung, den Unterzeichner und die Mitarbeiter in der Öffentlichkeit verächtlich zu machen.“ Auch würde wahrheitswidrig behauptet, in den Vitos Kliniken Haina würden Patienten gequält und gefoltert.

Dabei sind solche Vorwürfe keine Seltenheit. Von Foltermethoden berichtete auch Psychiatrieopfer Dennis Stephan, der monatelang grundlos im Maßregelvollzug weggesperrt war und deshalb Entschädigung zugesprochen bekam. Der Fall hatte nach der Mollath Affäre erneut eine heftige Debatte über die Methoden in der Psychiatrie ausgelöst.

Möglicherweise hat die Beschwerde nun den Ausschlag dafür gegeben, dass das längst eingestellte Verfahren gegen Frau Zierd wieder aufgenommen wurde. Dazu ist im kommenden Monat eine Anhörung terminiert. Wir berichten nach.

Auch hier berichtet eine ehemalige Patientin von Zwangsmaßnahmen.


Der Fall Holger Zierd im Überblick:

Am 28.2.2011 erfährt Rosel Zierd, dass ihr Sohn Tags zuvor verstorben ist.

Am nächsten Tag  kann sie mit ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter sowie dem Rechtsanwalt Dr. D. Schneider Addae Mensah Holgers Leichnam in der Pathologie des oeHKs nach der Obduktion durch die Rechtsmedizin Jena in Augenschein nehmen.

Es ist das erste Mal seit dem 17. 7. 2010, dass sie Holger zu Gesicht bekommen. Besuche in der Klinik wurden durch Kontaktverbote und Behauptungen, dass Holger niemanden sehen wolle, durch den Chefarzt abgewiesen.

Kurz vor dem Tod von Holger Zierd war schon ein Patient im Maßregelvollzug in der Mühlhausener verstorben. Die Thüringer Allgemeine berichtete über den Fall. An einen Selbstmord glaubte die Mutter nicht und ließ durch ihren Anwalt Anzeige wegen Mordes erstatten.

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